Wir statt wirr

Porträt Clemens Wieltsch

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Die Bauerndemo in Wien hatte es in sich. Den Veranstaltern war es gelungen, hunderte Landwirtinnen und Landwirte aus mehreren Bundesländern samt Traktoren zu mobilisieren. Ob der Mann- und PS-Stärke blieb entsprechend auch das mediale Echo nicht aus. Der vom Veranstalter-Verein proklamierte, unpolitische „Weckruf der Basis“ an Gesellschaft und Entscheidungsträger dürfte geglückt sein. Als weniger rühmlich hat sich allerdings die selbstgezimmerte Nachberichterstattung einzelner teilnehmender Gruppen in den sozialen Medien erwiesen. So geeint man sich auf der Ringstraße in Wien gab, so unterschiedlich waren die Sichtweisen der teilnehmenden Fraktionen im Nachgang. Mit Beleidigungen gegenüber Landwirtschaftsminister Totschnig, der sich immerhin als einziges der kritisierten Regierungsmitglieder unter die Menge mischte, wurde online nicht gespart.

In der Retrospektive eine Veranstaltung mit positiver Außenwirkung schlechtzureden, um bei der eigenen Klientel gut angeschrieben zu sein, scheint aber der falsche Weg. Denn in den kommenden Wochen und Monaten stehen für die Bauern wichtige budgetäre Entscheidungen an. Wenn sich die Landwirtschaft hier im wirren Klein-Klein verliert, statt geschlossen ihre Forderungen zu deponieren, wird die Branche nicht die dringend notwendigen Unterstützungen erhalten. Denn eines ist klar: Die Schatzmeister in Brüssel und Wien kümmert es wenig, ob sie den Rotstift bei den Leistungsabgeltungen eines Bauernbündlers, eines freiheitlichen oder grünen Bauern streichen. Das „Wir“ der Fraktionen kann den Unterschied machen.

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