Die größten Leistungsreserven liegen in der Optimierung der Einstellung und technischen Ausrüstung der Maschine, in der betrieblichen Logistik und vor allem in der Qualifikation und Motivation des Fahrers bzw. der Fahrerin. Neben der Leistung ist auch die Qualität des Erntegutes ein entscheidender Faktor für eine wirtschaftliche Getreideproduktion. Trockene, saubere Ware und wenig Bruchkorn sind Grundvoraussetzung für eine verlustfreie Lagerung des Getreides am Betrieb und gute Vermarktungspreise.
Kontrolle vor Saisonstart
Neben Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten ist die Kontrolle der Maße, Abstände und Toleranzen beziehungsweise der Drehzahlen an den Kernbauteilen des Mähdreschers unmittelbar vor der Erntesaison von großer Bedeutung. Angaben dazu liefert die Betriebsanleitung. Besonderes Augenmerk sollte man dabei auf das Schneidwerk und die Dresch- beziehungsweise Abscheideeinrichtungen legen. Verschlissene Teile sollten unbedingt vor der Druschsaison getauscht werden.
Den Bestand fühlen
Bevor man mit dem Dreschen beginnt, sollte man sich kurz Zeit nehmen, um am Schlag die Bestandsbedingungen zu prüfen. Dazu reißt man einige Ähren ab und reibt sie mit den Händen aus. Ein erfahrener Mähdrescherfahrer schließt je nach persönlicher Kraftanstrengung daraus auf die Einstellung der Dreschwerksintensität. Durch Zerbeißen der Körner in Verbindung mit der Kornfeuchte kann man die Bruchanfälligkeit beurteilen. Als letztes sollte man durch Verdrehen eines Strohbüschels noch die Beschaffenheit des Strohs beurteilen (von feucht und zäh bis trocken und mürbe) und dies bei der Einstellung der Maschine mitberücksichtigen.
Einstellung Schritt für Schritt optimieren
Meist werden als Ausgangsbasis für die Maschineneinstellung die programmierte Grundeinstellung bzw. selbst abgespeicherte Werte aufgerufen. Da die Ernteverhältnisse je nach Reifezustand, Tageszeit und Bestandsbedingungen sehr stark variieren, müssen die Einstellwerte dementsprechend angepasst werden. Dabei sollte immer Schritt für Schritt vorgegangen werden. Nach jeder Maßnahme wird kontrolliert, ob sie erfolgreich war und eine Verbesserung eingetreten ist. Die Tabelle unten zeigt zusammenfassend Empfehlungen, wie man die Einstellungen am Beispiel eines Schüttlermähdreschers optimieren kann.
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Bruch vermeiden
Mit sinkender Kornfeuchte steigt die Gefahr, dass das Getreidekorn im Dreschwerk gebrochen wird, weil es kaum verformbar ist. Betrachtet man die verschiedenen Dresch- und Abscheidesysteme der Mähdrescher, so nimmt das Bruchkornrisiko in der Reihenfolge ab: Schüttlermähdrescher – Hybridmähdrescher – Axialmähdrescher.
Da die Schüttler keine „Nachdreschfunktion“ übernehmen können, ist die Länge des Dreschweges zwischen Dreschtrommel und Dreschkorb begrenzt. Somit ist der Fahrer gezwungen, aggressiv zu dreschen, wenn er die maximale Durchsatzleistung erreichen möchte. Zusammen mit dem im Vergleich zu Axialmähdreschern eher schlagenden Drusch ist somit bei Schüttlermähdreschern das Bruchkornrisiko am größten. Wie in diesem Beispiel reagiert werden kann, um das Problem in den Griff zu bekommen, ist dem Infokasten zu entnehmen.
Schüttlermähdrescher: So lässt sich der Buchkornanteil reduzieren
Schneller fahren, wenn die Maschine nicht an der Verlustgrenze arbeitet und die Schnitt- und Aufnahmeleistung des Schneidwerks dies zulässt. Durch den höheren Durchsatz vergrößert sich das Strohpolster im Dreschwerk, welches das Korn vor Bruch schützt. Natürlich steigen dadurch die Kornverluste über die Schüttler, gleichzeitig reduziert sich aber der Bruchkornanteil im Korntank und im Schwad. Somit bleiben bei gesteigerter Leistung und Kornqualität die Gesamtverluste in etwa gleich.
Trommeldrehzahl senken bei schwer ausdreschbarer Frucht, wenn die Haltekräfte zwischen Korn und Ähre noch groß sind. Den Dreschkorb eng bei der Trommel lassen, um einen guten Ausdrusch zu erreichen.
Dreschkorb weiter öffnen bei unveränderter Trommeldrehzahl, wenn das Getreide schon weiter abgereift ist und die Haltekräfte zwischen Korn und Ähre geringer sind.
Entgranner ausschalten. Zugeschaltete Entgrannerklappen reduzieren die Korbfläche und erhöhen den Bruchkornanteil durch mehr Reibung. Nur wenn nach Ausschöpfung aller anderen Einstellmöglichkeiten bei Gerste noch Grannen auf den Körnern verbleiben, die Weizenkörner nicht vollständig entspelzt oder die Ährenspitzen nicht vollständig ausgedroschen werden, sollte man die Entgranner verwenden.
Reibleisten bei Bedarf ausbauen. Manche Mähdrescher sind von Werk aus mit zusätzlichen Reibleisten (1 bis 3 Stück) im Dreschkorb für schwierige Erntebedingungen ausgerüstet. Bei normalen Erntebedingungen und trockenen Körnern können diese Leisten für erhöhten Bruch sorgen. Daher sollte man bei eingebauten Leisten mit weiter geöffnetem Dreschkorb arbeiten oder die Leisten generell ausbauen.
Überkehr kontrollieren. Die Überkehrmenge sollte bei richtig eingestelltem Dreschwerk generell so gering wie möglich sein und hauptsächlich aus nicht vollständig ausgedroschenen Ährenteilen und Nichtkornbestandteilen bestehen. Ist die Überkehrmenge groß und besteht hauptsächlich aus reinen Körnern steigt die Gefahr von Körnerbruch und sinkt die Leistung. Als Abhilfe sollte vorrangig das Untersieb weiter geöffnet werden. Gleichzeitig wird die Windmenge (Gebläsedrehzahl) erhöht, damit bei weiter geöffneten Sieben der Besatz im Korntank nicht ansteigt.
Elevatorkettenspannung überprüfen. Eine zu lockere Kette im Körnerelevator kann vermehrt zum Zermahlen der Körner zwischen Kette und Kettenrad führen.
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Ein zu hoher Anteil ausgedroschener Körner in der Überkehr durch falsche Reinigungseinstellungen erhöht den Bruchkornanteil in der Ernteware.
Verluste kontrollieren
Damit der Einstellkompromiss zwischen Leistung, Kornqualität und Verlusten gut gelingt, muss der Fahrer über das Verlustniveau seiner Maschine Bescheid wissen. Neben einer Reduktion der Aufnahmeverluste am Schneidwerk sollten vor allem die Kornverluste über die Schüttler/Rotoren und Reinigung auf einem akzeptablen Niveau gehalten werden. In der Praxis haben sich hier je nach Erntebedingungen Werte von 0,5 bis 1 % herauskristallisiert. Möchte der Fahrer hierfür die elektronischen Verlustmessgeräte am Mähdrescher nutzen, so muss er diese dementsprechend kalibrieren. Dies gelingt am einfachsten mit einer Verlustprüfschale in Verbindung mit einer App, am besten bei der Schwadablage. Mittlerweile sind am Markt auch umfangreiche Verlustmesssysteme mit mehreren Schalen, Magnethalter, Fernbedienung und Reinigungsgebläsen erhältlich.
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Verlustprüfschalen mit zugehörigen Apps ermöglichen eine einfache und sichere Prüfung der Kornverluste bei der Ernte. Der Schaleninhalt liefert oft auch Rückschlüsse auf Einstellfehler!
Digitale Helfer
Verschiedene Apps bieten den Fahrern eine gute Hilfestellung bei der Optimierung der Mähdreschereinstellung. Moderne Mähdrescher sind zudem mit Fahrerassistenzsystemen und darauf aufbauenden automatischen Maschinenoptimierungssystemen ausgestattet, um die Fahrer bei diesem komplexen Prozess zu entlasten und die Leistung auch an langen Arbeitstagen hochzuhalten. Allerdings muss man sich mit der Technik auch intensiv auseinandersetzen, zeigt die Praxis doch, dass Sensoren hin und wieder falsche Werte liefern können bzw. die Ausfallsicherheit digitaler Systeme nicht immer gegeben ist. Dann ist wieder das „analoge Gespür“ und die Erfahrung des Fahrers gefragt, um die Sensoren zu kalibrieren, Störungen zu erkennen und den Mähdrusch am Laufen zu halten. Daher gilt auch heute noch: Die gute Kombination Mensch und Maschine steht bei der Getreideernte im Vordergrund.
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