Landarbeiter ernten Salat auf einem Feld mit zwei blauen Traktoren und grünen Kisten, im Hintergrund bewaldete Hügel.

Copyright © agrarfoto.com

Gemüsebau unter Druck: Branche fordert Entlastung bei Arbeitskräften und Bürokratie

Zum „Tag des frischen Gemüses 2026“ schlagen die heimischen Gemüsebauern Alarm. Trotz stabiler Versorgung mit österreichischem Frischgemüse kämpfen viele Betriebe mit steigenden Kosten, fehlenden Arbeitskräften und zunehmender Bürokratie

Der bisherige Saisonverlauf war von starken Wetterextremen geprägt. Nach einem trockenen und kalten Winter brachte der Februar zwar mehr Niederschläge, anschließend wurde es vielerorts erneut zu trocken. Laut Bundesgemüsebauverband (BGV) konnten die Defizite vor allem durch Bewässerung ausgeglichen werden. „Insbesondere im Mai hat sich einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar Wasser und Bewässerung für unsere Produktion sind“, betont BGV-Präsident Karl Auer. Trotz erheblicher Temperaturschwankungen sei der Saisonstart insgesamt planmäßig verlaufen, sodass der Lebensmittelhandel wie vorgesehen mit heimischem Gemüse beliefert werden konnte.

Investitionsbereitschaft sinkt

Wirtschaftlich bleibt die Lage jedoch angespannt. Während die Produktionskosten weiter steigen, fehlen entsprechende Preisanpassungen bei den Erzeugerpreisen. In einzelnen Bereichen würden sogar niedrigere Preise als im Vorjahr vereinbart, berichtet der Verband. Das schlägt sich zunehmend auf die Investitionsbereitschaft nieder. Nach Angaben des BGV investieren derzeit nur rund 27 Prozent der Gemüsebaubetriebe aktiv in die Weiterentwicklung ihrer Produktion. Weitere 37 Prozent beschränken sich auf notwendige Ersatzinvestitionen. Ein beträchtlicher Teil der Betriebe verzichtet derzeit sogar darauf. Einzelne Unternehmen hätten bereits Maßnahmen für einen Ausstieg aus der Produktion gesetzt.

Insbesondere im Mai hat sich einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar Wasser und Bewässerung für unsere Produktion sind.

Karl Auer

Sorge um die Hofnachfolge

Zusätzlich bereitet der Branche die Nachfolgesituation Sorgen. Nur etwa 40 Prozent jener Gemüsebaubetriebe, deren Betriebsleiter in den kommenden 15 Jahren das Pensionsalter erreichen, haben laut Verband bereits eine gesicherte Hofnachfolge.

Arbeitskräftemangel verschärft sich

Besonders angespannt ist die Situation bei den Saisonarbeitskräften. Steigende Lohn- und Lohnnebenkosten sowie die begrenzte Verfügbarkeit von Arbeitskräften setzen die arbeitsintensiven Gemüse- und Obstbaubetriebe zunehmend unter Druck. Der Österreichische Branchenverband für Obst und Gemüse (ÖBOG) fordert deshalb wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen. In vielen Nachbarstaaten gebe es bereits Sonderregelungen für Saisonarbeitskräfte mit deutlich geringeren Lohnnebenkosten. Zudem seien die verfügbaren Arbeitskräfte-Kontingente in mehreren Bundesländern bereits ausgeschöpft oder knapp bemessen. „Vor allem im Hinblick auf die kommenden Monate stellt sich die Frage, wie die anfallende Arbeit überhaupt bewältigt werden soll“, so Manfred Kohlfürst, ÖBOG-Obmann.

Newsletter informiert

Hier für den wöchentlichen Newsletter anmelden

Weniger Bürokratie gefordert

Neben dem Arbeitskräftemangel fordert die Branche weitere Entlastungen. Dazu zählen einfachere Verfahren bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften, ein Abbau von Dokumentationspflichten sowie mehr Planungssicherheit im Pflanzenschutz. Sorge bereitet den Gemüsebauern vor allem der fortlaufende Wegfall von Wirkstoffen auf EU-Ebene. Dieser schränke die Möglichkeiten zum Schutz der Kulturen zunehmend ein und gefährde langfristig die Wirksamkeit des Pflanzenschutzes.

Mehr zum ThemaObst- und Gemüsebau zwischen Frost und Fachkräftemangel

Weitere Artikel