Die wirtschaftliche Lage im Ackerbau ist angespannt. Hohe Betriebsmittelkosten treffen auf gesunkene Erzeugerpreise – insbesondere beim Getreide. Vor diesem Hintergrund stellte Martin Bäck, Referent für den Arbeitskreis Ackerbau der LK Oberösterreich, bei einem Webinar Strategien vor, wie sich Düngungskosten optimieren lassen, ohne die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu gefährden.
Die wirtschaftliche Ausgangslage ist klar: Die Düngemittelpreise sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, während sich die Getreidepreise nicht im gleichen Ausmaß entwickelt haben. Bäck verweist auf laufende Berechnungen: „Wir führen wöchentlich eine Deckungsbeitragsrechnung durch und unterstellen dabei, dass Weizenverkauf und Düngereinkauf zum gleichen Zeitpunkt stattfinden.“ Seit Jänner 2021 zeige sich eine starke Volatilität, mit ernüchternden Ergebnissen: „Beim Weizen ergibt sich derzeit – ohne Ausgleichszahlungen – ein Deckungsbeitrag von rund 300 Euro pro Hektar. Das passt einfach nicht zusammen: hohe Düngerkosten und niedrige Getreidepreise.“
Weniger Phosphor und Kali als Risiko
Während der Stickstoffeinsatz in Österreich nur leicht rückläufig ist, sind die Mengen bei Phosphor und Kali deutlich stärker gesunken. Genau hier sieht Bäck eine Gefahr. „Wir laufen Gefahr, die Bodenfruchtbarkeit schleichend auszuhöhlen“, warnt er. Besonders alarmierend seien aktuelle Bodenuntersuchungen der Agrana: Demnach gibt es in Nieder- und Oberösterreich bereits viele Ackerböden mit schwacher Nährstoffversorgung – 40 Prozent der Flächen sind bei Phosphor und etwas mehr als 25 Prozent bei Kalium unterversorgt.
Bereits Justus von Liebig formulierte vor mehr als 100 Jahren das sogenannte „Minimumgesetz“. Es besagt, dass der Ertrag durch den im Minimum vorhandenen Faktor begrenzt wird. „Selbst wenn 20 Faktoren passen – ein einziger Mangel kann das Ertragspotenzial massiv einschränken“, erklärt Bäck. Deshalb sei eine ausgewogene Nährstoffversorgung entscheidend.
Bodenuntersuchung statt Schnellschuss
Ein zentrales Instrument zur Optimierung der Düngungskosten sind regelmäßige Bodenuntersuchungen. Dabei komme es weniger auf einzelne Messwerte als auf den Trend an. „Entscheidend ist, ob die Versorgungsstufe stabil bleibt oder absinkt“, so Bäck. Eine Erhaltungsdüngung dürfe nicht dauerhaft gestrichen werden, wenn bereits Unterversorgung vorliege.
Auch der Strohverkauf müsse neu bewertet werden: „Mit jeder Tonne Stroh wird erheblich Kalium vom Feld abgeführt. Das gehört in die Kalkulation.“ Organische Dünger und gut entwickelte Zwischenfrüchte können helfen, Nährstoffe effizienter zu nutzen. Zusätzlich biete die teilflächenspezifische Düngung Potenzial: „Auf guten Zonen kann gezielt mehr, auf schwächeren Bereichen weniger gedüngt werden.“
Der pH-Wert als Schlüsselfaktor
Neben der Nährstoffmenge spielt auch der Bodenzustand eine zentrale Rolle. Kalk stabilisiert die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben und verbessert die Nährstoffverfügbarkeit.„Wintergerste reagiert besonders sensibel auf zu niedrige pH-Werte“, betont Bäck. Der optimale Bereich liege meist zwischen pH 6 und 7. Gerade Phosphor ist stark vom pH-Wert abhängig. Da die pH-Skala logarithmisch ist, können bereits kleine Veränderungen große Auswirkungen haben. „Ein zu niedriger pH-Wert kann trotz ausreichender Gehalte zu einer schlechten Phosphorwirkung führen.“
Phosphor und Kali nicht unterschätzen
Untersuchungen zeigen deutliche Ertragsverluste bei Unterversorgung. Besonders Mais und Rüben reagieren empfindlich auf Phosphormangel, auch Wintergerste gilt als sensibel. Phosphor ist im Boden kaum mobil. „Eine gute Bodenstruktur ist Voraussetzung, damit die Wurzeln den Nährstoff überhaupt erreichen können“, erklärt Bäck.
Einzeldünger oft günstiger
Ein Preisvergleich verschiedener Düngestrategien zeigt: Einzeldünger sind häufig günstiger als komplexe Volldünger. Unter den NPK-Varianten zählt der klassische 15-15-15-Typ meist zu den preiswerteren Produkten. Allerdings mahnt Bäck zur Vollständigkeit: „Den Schwefel darf man in keiner Kalkulation vergessen.“ Bei der Stickstoffdüngung komme es stark auf das Management an. Nullparzellen können helfen, die tatsächliche Wirkung zu beurteilen. Die erste Gabe (N1) dient der Bestandesentwicklung und Wurzelbildung, die zweite (N2) steuert die Bestandesdichte (bremsen oder fördern) und die dritte (N3) stellt die Qualität sicher. „Der Zeitpunkt ist oft wichtiger als die exakte Menge“, so Bäck. Gerade bei Trockenheit müsse die Strategie angepasst werden.
Schwefel, der unterschätzte Partner
Schwefel ist für die Stickstoffverwertung essenziell. Empfohlen werden 50 bis 60 Kilogramm SO3 (= 20 bis 25 kg Schwefel) pro Hektar im Getreide und etwa 100 Kilogramm SO3 (= 40 kg Schwefel) im Raps. Sulfathaltige Dünger wirken rasch, während Elementarschwefel erst mikrobiell umgesetzt werden muss. Versuche zeigen deutliche Mehrerträge und höhere Proteingehalte bei ausreichender Schwefelversorgung.
Biostimulantien: Kein Wundermittel
Biostimulantien werden vielfach als Effizienz-Booster beworben. Die Versuchsergebnisse sind jedoch uneinheitlich. „Positive und negative Effekte halten sich ungefähr die Waage“, fasst Bäck zusammen. Ein gesicherter Mehrertrag sei bisher nicht allgemein nachgewiesen.
Fazit
Der Druck auf die Betriebe ist groß. Dennoch warnt Bäck davor, aus Kostengründen dauerhaft unter Bedarf zu düngen: „Niedrige Getreidepreise führen oft zu einer Reduktion der Düngung. Das kann langfristig teuer werden.“ Sein Appell: regelmäßige Bodenuntersuchungen, ausgewogene Phosphor- und Kaliumversorgung, ausreichende Schwefeldüngung und eine präzise, beobachtungsbasierte Stickstoffstrategie. „Wunderlösungen gibt es nicht. Entscheidend sind fachlich fundierte Entscheidungen, eine solide Datengrundlage und eine konsequente Umsetzung im Betrieb.“
Dünger-Einmaleins
• Regelmäßige Bodenuntersuchungen geben Gewissheit zur Versorgungsstufe bei Grundnährstoffen.
• pH-Wert für Bodenstruktur und Phosphoraufnahme im Blick behalten.
• Schwefel ist essenziell für die Stickstoffverfügbarkeit. Die unterschiedliche Wirksamkeit ist zu beachten.
• Teilflächenspezifische Düngung und Preisvergleiche zwischen Einzel- und Mehrnährstoffdüngern bieten Potenzial.
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