Paul Bacher kümmert sich heuer als sogenannter Kellermeister die vierte Erntesaison um Sortierung und Vermarktung des Lungauer Eachtling.

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Die Kartoffel aus dem Gebirge

Auf über 1.000 Metern Seehöhe wächst der Lungauer Eachtling. Das alpine Klima, der Boden und die Zeit geben ihm einen einzigartigen Geschmack.

Der Salzburger Lungau ist eine sonnige Hochgebirgsregion im Süden Salzburgs, deckungsgleich mit dem Bezirk Tamsweg, und ist eingebettet zwischen den Hohen Tauern und den Kärtner Nockbergen. Weite Almen, klare Bergseen und malerische Dörfer prägen die Landschaft. Tradition und Brauchtum werden hier hochgehalten, gleichzeitig zeigt sich die Natur von ihrer wilden Seite: schroffe Gipfel, tosende Bäche und beinahe endlose Wälder.

Es ist eine Region, in der die Zeit manchmal langsamer zu ticken scheint – und genau das macht ihren besonderen Zauber aus. Und mittendrin widmen sich die Bauern vor Ort einer für die Region vermeintlich untypischen Kultur, der Kartoffel, bekannt als Lungauer Eachtling.

Geschmackvoll durch lange Reifung

Im Bezirkshauptort Tamsweg befindet sich der Eachtlingkeller, betrieben vom Saatzucht- und Saatbauverein Lungau und Kellermeister Paul Bacher. Selbst Eachtlingbauer im Nebenerwerb, kümmert er sich in seiner Funktion als Kellermeister um alles, was für die Vermarktung der Lungauer Kartoffel von Bedeutung ist. „Ich sage meinen Kunden immer: ‚Aufpassen, wenn du den Eachtling kaufst, es kann sein, dass du nie wieder eine andere Kartoffel essen willst‘“, so Bacher mit einem Augenzwinkern. Seine Stammkunden, die mittlerweile aus ganz Österreich in den Lungau fahren, um Eachtling zu kaufen, geben ihm Recht. „Unsere Anbauflächen liegen durchwegs über 1.000 Meter Seehöhe. Durch unser besonderes Klima brauchen die Eachtling länger zum Wachsen und Reifen und können dadurch ihren vollen Geschmack entwickeln. Dazu kommt, dass durch die Höhenlage auch die Schädlingsbekämpfung leichter ist als in niedrigeren Lagen“, informiert Bacher.

Ein Verein als Herzstück

Der Saatzucht- und Saatbauverein Lungau, gegründet 1949, ist das Herzstück hinter dem berühmten Lungauer Eachtling. Er ist ein Zusammenschluss von aktuell 22 aktiven Bäuerinnen und Bauern der Region, die auf etwa 35 Hektar Anbaufläche pro Jahr rund 1.000 Tonnen Kartoffeln, Speiseware ebenso wie Pflanzgut und Futterknollen, produzieren. Im gesamten Lungau werden in Summe etwa 80 Hektar mit Eachtling bewirtschaftet. Von den Mitgliedern des Saatbauvereins werden vor allem zwei Hauptsorten angebaut: die rotschalige, vorwiegend festkochende Laura und die gelbschalige, festkochende Ditta. „Natürlich haben wir darüber hinaus noch viele andere Sorten, zum Beispiel mehlige oder gelbschalige, vorwiegend festkochende Eachtling, die wir vermarkten“, weiß Bacher. Von den 22 Mitgliedsbetrieben bewirtschaften 18 ihre Fläche nach biologischen Kriterien, vier arbeiten konventionell.

Der Kellermeister und sein Reich

Nicht geplant war Paul Bachers Einstieg als Kellermeister. „Als unser alter Kellermeister in Pension ging, hatten wir ein Nachfolgeproblem. Ich selbst bin einer der größten Eachtlinglieferanten im Verein und mir war schnell klar, wie komplex die Aufgabe des Kellermeisters ist und dass der Keller und damit der Verein ohne einen fixen Kellermeister nicht lange funktionieren kann“, erzählt Bacher, der nun die vierte Saison in dieser Funktion arbeitet. Die Entscheidung machte er sich nicht leicht: „Wir haben ein gutes Auskommen miteinander und nach vielen Gesprächen mit meiner Familie und den Vereinsmitgliedern habe ich dann gemeinsam mit meiner Frau unseren Hof von einem klassischen Milchvieh- auf einen Mastbetrieb umgestellt, damit ich die Aufgabe des Kellermeisters übernehmen kann.“

Besonders begeistert ihn die Vielfältigkeit der Aufgabe: „Neben der Organisation von Anlieferung, Sortierung und Verpackung der Ware ist es auch meine Verantwortung, Dienstpläne zu erstellen und die gesamte Vermarktung zu organisieren. Egal ob Lieferung und Verkauf an Privatkunden oder die Abwicklung der Logistik mit den Lagerhäusern oder dem Lebensmitteleinzelhandel, das alles ist meine Aufgabe.“

Dieser Tage läuft im Lungau die Kartoffelernte noch auf Hochtouren.

Dieser Tage läuft im Lungau die Kartoffelernte noch auf Hochtouren.

Die feldfallend angelieferten Kartoffeln werden vor Ort sortiert.

Die feldfallend angelieferten Kartoffeln werden vor Ort sortiert.

Angebot bis Mitte März

Für die zuliefernden Bäuerinnen und Bauern bringt der Verein viel Arbeitserleichterung. Sortierung und Abpackung werden genauso übernommen wie die Lagerung. „Mit unserer Sortieranlage schaffen wir die Menge, die sonst händisch in einer Woche sortiert wird, an einem Tag. Darüber hinaus können wir alles vermarkten: egal ob kleinsortierte Ware, Futterkartoffel oder Pflanzgut.“

Die Beliebtheit des Produkts spreche dabei für sich: „In den vergangenen beiden Jahren war der Ertrag ob des Wetters und auch der Schädlinge nicht so gut. Da hatten wir Probleme, all unsere Kunden zu bedienen, und waren bereits Ende Oktober, Anfang November ausverkauft. Heuer waren die Bedingungen bei uns im Lungau perfekt für den Eachtling, und ich gehe davon aus, dass wir bis März Ware ausliefern können“, so Bacher. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Die Vereinsmitglieder haben in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geduld in das Marketing investiert und so dem Lungauer Eachtling bundesweit zu seiner Bekanntheit verholfen. Auch privat kommen für die Bauern naturgemäß nur Kartoffeln aus der Region infrage. Gefragt nach seiner Lieblingssorte ist für Kellermeister Bacher ganz klar: „Für den Kartoffelsalat meiner Frau ist es Ditta. Wenn sie Kartoffelpüree macht, ist es Chiara.“

Lungauer Saatzucht- und Saatbauverein

• Gegründet 1949 • 22 Bäuerinnen und Bauern • 35 Hektar Anbaufläche • 1.000 Tonnen Jahresproduktion • Hauptsorten Ditta und Laura

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