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Bildung ist mehr als ein persönlicher Zugewinn

Die Ergebnisse der neuen Wirkungsstudie „Mehrwert der Bildung“ zeigen eindeutig: Produktivität, Nachhaltigkeit, Effizienz und Lebensqualität werden durch Weiterbildungen gesteigert.

Die Studienergebnisse seien keinesfalls nur Bestätigung, sondern vielmehr Arbeitsauftrag, betont LFI Österreich-Vorsitzende Maria Hutter bei der Präsentation der Studie. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Wien (HAUP) im Auftrag des Ländlichen Fortbildungsinstituts (LFI) im vergangenen Jahr durchgeführt und nun präsentiert.

Motivation zur Weiterbildung

Für die Untersuchung wurden mehr als 14.000 Landwirtinnen und Landwirte in Österreich befragt, sowohl durch persönliche Interviews als auch über Online-Fragebögen. Als wichtigste Gründe für Weiterbildung nannten die Befragten ihr grundsätzliches Interesse, den Wunsch nach aktuellem Wissen und Informationen zu Neuerungen. Auch verpflichtende Vorgaben aus dem Agrarumweltprogramm (ÖPUL) und dem Tiergesundheitsdienst (TGD) spielen eine Rolle. Viele nutzten die Angebote außerdem, um Netzwerke zu knüpfen und sich mit Kolleginnen, Kollegen und Beratern auszutauschen. Das führte laut Studie direkt zu innovativeren Lösungen und effizienteren Betriebsabläufen.

Bildung und Beratung sind wertvolle Zukunftsmotoren und eine Investition in die Zukunft.

Josef Moosbrugger

Veränderungen im Betrieb und im Denken

Die Studie zeigt, dass Weiterbildungen häufig betriebliche Neuausrichtungen begleiten. Besonders oft betreffen die Veränderungen Arbeitsprozesse (38,1 %) und Betriebsausrichtung (25,3 %). Aber auch das persönliche Mindset, also die innere Einstellung, wurde laut Befragung beeinflusst (23,5 %). Viele gaben an, dass ihr unternehmerisches Denken gestärkt und ihr Vertrauen in neue Methoden gewachsen sei. Vor allem aber haben die Weiterbildungen die persönliche Rolle als Betriebsführerinnen und Betriebsführer gestärkt. „Bildung und Beratung sind wertvolle Zukunftsmotoren und Zukunftsinvestitionen – sowohl für die Betriebe selbst, als auch für die gesamte Gesellschaft und Versorgungssicherheit“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger ergänzend.

Infografik Bildungsangebote LFI

Flexibilität und digitale Angebote im Trend

Die Mehrheit der Betriebsführer möchte Weiterbildung zeiteffizient und flexibel gestalten. 45 Prozent der Befragten bevorzugen deshalb Online-Angebote, die morgens oder abends stattfinden. Etwa 38 Prozent präferieren Präsenzveranstaltungen und 17 Prozent hybride Formate. Daraus abgeleitet wurden am häufigsten Webinare und Online-Seminare genutzt (81 %), gefolgt von Online-Kursen (79 %) und kurzen Präsenzveranstaltungen (73 %). Gleichzeitig gab mehr als die Hälfte (51 %) an, in den letzten drei Jahren einen oder mehrere Zertifikatslehrgänge absolviert zu haben. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung von fundiertem Wissen, das die Teilnehmer anschließend selbst weitergeben können, etwa in ihrer Tätigkeit als Kräuterpädagogen oder Seminarbäuerinnen. Die intensive Nutzung dieser zeiteffizienten Formate stimme auch mit dem Studienergebnis überein, dass Zeitmangel der primäre Grund ist, warum nicht noch häufiger Bildungsangebote in Anspruch genommen werden, heißt es vom LFI.

Was bei Bildungsveranstaltungen zählt

Bei der Wahl von Bildungsveranstaltungen legten die Befragten besonderen Wert auf aktuelle Inhalte (85 %), praxisrelevante Themen (84 %) und die Expertise der Vortragenden (78 %). An vierter Stelle stehen gut aufbereitete Unterlagen, die auch im Nachhinein zum Nachlesen dienen. Als zentrales Weiterbildungsmotiv wird in der Studie zudem immer wieder der Zugang zu kompetenten Auskunfts- und Beratungspersonen genannt. Mit Blick auf die Praxisaspekte betonen die Befragten besonders die Bedeutung einer verbesserten Produktionsweise (73% halten dies für sehr wichtig oder wichtig), einer effizienteren Unternehmensführung (65%) sowie eines optimierten Zeitmanagements (59%).

Je besser ich ausgebildet bin, desto besser sind meine wirtschaftlichen Perspektiven und desto erfolgreicher kann ich meinen Betrieb weiterführen.

Ein Studienteilnehmer

Bildung als Zukunftsinvestition

Josef Moosbrugger betonte außerdem, dass Weiterbildungen zentrale Hebel seien, um Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu sichern. Er betonte, dass die Studie den hohen Stellenwert der Bildungsangebote unterstreiche und zugleich eine Basis für deren Weiterentwicklung bilde. Ein Teilnehmer fasste es im Interview so zusammen: „Je besser ich ausgebildet bin, desto besser sind meine wirtschaftlichen Perspektiven und desto erfolgreicher kann ich meinen Betrieb weiterführen.“

Auftrag zur Optimierung

LFI-Obfrau Maria Hutter hob zusätzlich hervor, dass die Untersuchung erstmals umfassend den Wert von Weiterbildung für die Landwirtschaft sichtbar mache. „Einen besonderen Fokus werden wir darauf legen, noch mehr Bäuerinnen und Bauern zu erreichen und zur Teilnahme zu motivieren, damit auch sie vom messbaren Mehrwert der LFI-Bildungsangebote profitieren können.“ Hutter ist es außerdem ein Anliegen, dass LFI-Angebote keine Theorieübungen seien, sondern konkrete Vorteile für die Betriebe brächten: von höherer Effizienz bis hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Für die Zukunft sieht Hutter die Studie als Auftrag, die Angebote weiter zu optimieren. Besonders digitale Formate sollen ausgebaut, gleichzeitig aber auch persönliche Begegnungen und Austauschmöglichkeiten erhalten bleiben. Geplant sei zudem eine größere Informationskampagne, die über Social Media und Fachbeiträge noch mehr Landwirtinnen und Landwirte für Weiterbildungsangebote gewinnen soll.

Fakten zur Studie

- mehr als 14.000 Bäuerinnen und Bauern aus ganz Österreich haben teilgenommen - 16 narrative qualitative Interviews und etwa 14.000 quantitative Online-Fragebögen - Erhebungs-Zeitraum: Mai bis August 2024 - Die meisten Befragten waren zwischen 40-60 Jahre alt