In einem offenen Brief wenden sich die Nauderer Jungbauern, Bäuerinnen und Bauern an den Tourismusverband und die Bevölkerung. Darin schreiben sie: „Wir wenden uns heute schweren Herzens an euch. Am vergangenen Wochenende hat sich auf dem Almweg oberhalb von Nauders ein schwerer Unfall ereignet: Ein Tiertransporter kam von der Straße ab und stürzte rund 80 Meter über steilstes Gelände ab. Der Fahrer wurde verletzt, 13 unserer Tiere verloren ihr Leben. Dieses Unglück hat uns tief getroffen.“ Die 43 Mutterkühe und Kälber waren auf dem Weg von der Piengalm ins Tal.
Der Almabtrieb sei für die Bauern ein Fest der Dankbarkeit, „ein Zeichen, dass Mensch und Tier nach einem guten, unfallfreien Sommer gesund ins Tal zurückkehren“. Geschmückte Tiere, der Klang der Glocken, das Lachen der Menschen und die Freude der Tiere stünden für Lebensfreude und einen gelungenen Abschluss der Almsaison. „In diesem Jahr können wir das nicht mit gutem Herzen feiern“, heißt es weiter.
Neben dem Unfall hätten auch Wolfs- und Bärenrisse den heurigen Sommer überschattet. „Unser Respekt gilt aber auch jenen Bauern, deren Tiere von Bären und Wölfen bei lebendigem Leib gerissen wurden. Für uns alle war es ein Sommer voller Sorgen, Trauer und Belastungen. Ein Fest in gewohnter Weise würde diesem schweren Jahr nicht gerecht werden.“
Aus Respekt vor den verendeten Tieren, den betroffenen Bauern und dem verletzten Fahrer haben sich die Nauderer Bauern daher entschlossen, den Almabtrieb heuer nicht abzuhalten. „Wir wissen, dass ihr – und viele unserer Gäste – diese Tradition sehr schätzt. Umso schwerer fällt uns dieser Schritt. Doch wie schon in früheren Zeiten gilt: Ein Almabtrieb ist nur dann ein Fest, wenn der Sommer auf der Alm gut und heil zu Ende gegangen ist.“
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