Blutdruck

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Ein starkes Herz für mehr Lebensqualität

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in Tirol wie im restlichen Österreich zu den bedeutendsten Gesundheitsproblemen. Prävention, Gesundheitskompetenz und moderne Betreuungskonzepte sind Garant für ein längeres, gesünderes Leben.

Bis zu 30.000 Tiroler leiden an einer Herzschwäche. Diese chronische Erkrankung ist oft mit wiederkehrenden Krankenhausaufenthalten und einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden. Um Patienten besser zu betreuen und Krankenhäuser zu entlasten, wurde in Tirol ab 2012 das integrierte Versorgungsprogramm HerzMobil Tirol entwickelt, welches seit 2017 in der Regelversorgung läuft. Das Programm ermöglicht es, Patienten mithilfe telemedizinischer Tools unabhängig vom Wohnort und außerhalb des stationären und ambulanten Krankenhausbereichs zu betreuen.

Im Rahmen einer Forum Land-Veranstaltung klärten der ärztliche Leiter von HerzMobil Tirol, Univ.Prof. Dr. Gerhard Pölzl sowie Landeskoordinatorin DGKP Bettina Fetz und Stellvertreterin DGKP Elisabeth Kleinheinz über das Entstehen, Erkennen und richtige Behandeln von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Verschiedene Risikofaktoren

Bluthochdruck ist eine stille Gefahr – er tut nicht weh und bleibt oft lange unbemerkt. „Bestimmte Grenzwerte definieren, ob der Blutdruck im Rahmen liegt – 130 zu 85 und darunter wird als normal angesehen. Erhöhter Blutdruck tritt in verschiedenen Graduierungen auf. Bei gering erhöhtem Blutdruck kann dieser durchaus ohne Medikamente unter Kontrolle gebracht werden", erklärt Gerhard Pölzl. Etwa 25% der Gesamtbevölkerung leidet an Bluthochdruck, mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen.

Übergewicht ist ein relevanter, vermeidbarer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten. In Österreich sind 35% der Erwachsenen übergewichtig, 17% davon stark. 24% der Männer und 18% der Frauen in Österreich rauchen, was einen weiteren wichtigen Risikofaktor darstellt – diese Zahlen liegen im Übrigen deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Jeder dritte Österreicher ist zudem körperlich inaktiv. Empfohlen wird für Erwachsene, eine mäßige körperliche Aktivität für mindestens zwei Stunden pro Woche auszuführen.

Cholesterin ist ein wichtiges Blutfett, das für viele Körperfunktionen benötigt wird. Das „schlechte“ LDL-Cholesterin kann sich jedoch in den Arterien ablagern und zu Arteriosklerose führen, was das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht. Das „gute“ HDL-Cholesterin wird als schützend angesehen, da es Cholesterin aus den Arterien zur Leber transportiert. Für gesunde Erwachsene gelten Gesamtcholesterinwerte unter 200 mg/dl. 1,12 Millionen Menschen in Österreich sind von erhöhten Cholesterinwerten betroffen.

Einen weiteren Risikofaktor stellt Diabetes dar, etwa 8 bis 9% der Gesamtbevölkerung sind davon betroffen. Je mehr Riskofaktoren vorhanden sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, von einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betroffen zu sein, wobei Bluthochdruck besondern schwer gewichtet ist.

Schwerwiegende Folgen

Eine der resultierenden Komplikationen ist der akute Herzinfarkt. Zwischen 30 bis 32.000 Österreicher pro Jahr sind davon betroffen, auf Tirol entfallen etwa 1.000 Personen. Die Hauptursache ist ein plötzlicher Verschluss eines Herzkranzgefäßes, meist durch ein Blutgerinnsel.

Ein überstandener Herzinfarkt kann die Herzpumpfunktion wesentlich einschränken und zu verschiedenen Graden der Herzinsuffizienz führen. Folgeerscheinungen sind Abnahme der Leistungsfähigkeit, Atemnot und Wasserablagerungen. Herzinsuffizienz ist mit hohen Sterblichkeitsraten verbunden, zwischen 2 und 4% der Gesamtbevölkerung leiden darunter.

Regelmäßige Krankenhausaufenthalte sind mit dieser Krankheit verbunden, im Durchschnitt sind Patienten 28 Tage pro Jahr im Krankenhaus. Jeder zweite Patient muss innerhalb von sechs Monaten mit einem erneuten Krankenhausaufenthalt rechnen. Das belastet nicht nur die Patienten selbst, sondern auch das Gesundheitssystem. 2 bis 4% des gesamten Gesundheitsbudgets in Österreich entfallen auf Herzinsuffizienzen.

Vom Risiko zur Erkrankung

  • Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen, körperliche Inaktivität, erhöhte Blutfette und Diabetes sind die häufigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

  • Risikofaktoren können zu einem wesentlichen Teil durch Betroffene selbst beeinflusst oder verhindert werden.

  • Bluthochdruck und Herzinfarkt sind die häufigsten Ursachen für Herzinsuffizienz.

  • Herzinsuffizienz ist häufig tödlich, teuer und schränkt die Lebensqualität der Betroffenen in hohem Ausmaß ein.

Gesundheitskompetenz

Um die Gesundheit und Lebensqualität für sich selbst zu erhalten, ist Gesundheitskompetenz ein wesentlicher Hebel. Darunter wird das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit verstanden, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. Dadurch kann man sinnvolle präventive Maßnahmen in Anspruch nehmen und mit Krankheiten gut umgehen.

Auf eine Lebenserwartung von durchschnittlich 81 Jahren entfallen rund 61,4 gesunde Lebensjahre. Mit zunehmendem Alter beeinflussen zunehmend Krankheiten unser Leben. Daher gilt es, die Gesundheit aus jüngeren Jahren möglichst lange zu erhalten.

38% aller Todesfälle lassen sich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückführen. Die gute Nachricht: 90% dieser Erkrankungen entstehen aufgrund erworbener Ursachen. Nicht beeinflussbar sind etwa Alter, Geschlecht, Familienanamnese und Genetik. Zu den zahlreichen beeinflussbaren Faktoren zählen Stress, Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie Schlaf.

HerzMobil Tirol bietet Betroffenen seit 2012 bei Herzinsuffizienz ein unterstützendes Netzwerk sowie telemedizinische Betreuung. Über 2.000 Patienten wurden seither betreut. Mittels eines Smartphones und einem zur Verfügung gestellten Geräte-Set werden relevante Vitalparameter wie Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht und eingenomme Medikamente übertragen. Der involvierte Netzwerkarzt kann so unter kontrollierten Bedingungen Medikamente optimieren und den Patienten durch den Beobachtungszeitraum von drei Monaten führen. Ziel ist die Vermittlung relevanter Informationen rund um die Krankheit, die die Gesundheitskompetenz der Patienten stärken sowie einen besseren Umgang mit der Krankheit ermöglichen.

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