Vorstand Brandschadenverein OÖ

Copyright © BZ/Mursch-Edlmayr

Hilfe für Bauern bei Brandschäden

Der „Landwirtschaftliche Brandschaden-Selbsthilfeverein“ zog bei der Generalversammlung Bilanz. Die Vorstandsdirektorin der OÖ. Versicherung sprach über Risiken und Folgen von Bränden in der Landwirtschaft.

Wenn Brände auf einem landwirtschaftlichen Betrieb ausbrechen, sind die Schäden meist sehr groß. Da diese stets unerwartet entstehen, ist oft rasche Unterstützung gefragt. Der „Landwirtschaftliche Brandschaden-Selbsthilfeverein“ bietet diese Eil-Hilfe seit mehr als 100 Jahren an. Bei der Generalversammlung im Bildungshaus St. Magdalena wurde vergangenen Sonntag wieder einmal Bilanz gezogen.

Viele Brände und Neumitglieder

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024 gab es insgesamt 41 Brände, für die in Summe 155.570 Euro ausbezahlt wurden. Dem folgten heuer bereits weitere 29 Brände mit einer Auszahlungssumme von 104.400 Euro. „Diese Gelder werden von den Versicherungen nicht abgezogen, da unsere Leistungen für ungedeckten Schaden sowie tatsächlich durchgeführte Verbesserungen gewährt werden“, erklärte Obmann Nikolaus Prinz. Von den Mitgliedern werde es geschätzt, dass das Geld bereits binnen weniger Tage nach dem Unglück ausbezahlt wird.

„Während klassische Brandursachen wie z. B. Kerzen zurückgehen, sind technische Defekte wie Überhitzung, Kabelbrand oder Kurzschluss mehr geworden“, erklärte Geschäftsführer und Schriftführer Leopold Diwold. Erfreulich ist die Entwicklung der Mitgliederzahlen. 486 Neubeitritte ergeben einen Mitgliederstand von 24.978 in 11.786 Haushalten. Die Mitgliedsbeiträge bleiben mit vier bis dreizehn Euro unverändert. Demgegenüber stehen Unterstützungssummen in Höhe von bis zu 20.000 Euro.

Anzahl von Bränden nimmt zu

„Jeder fünfte Brand in Österreich betrifft den landwirtschaftlichen Sektor“, erklärte Kühtreiber-Leitner, Vorstandsdirektorin der OÖ. Versicherung. Diese Zahl macht deutlich, wie stark die Branche betroffen ist. Der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft trägt dabei maßgeblich zur Entwicklung bei.

„Tendenziell nimmt die Anzahl von Bränden in der Landwirtschaft zu“, so Kühtreiber-Leitner. Moderne Betriebsgrößen, größere Maschinenparks und höhere Brandlasten in Gebäuden erhöhen das Risiko zusätzlich.

Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Schäden erneut gestiegen. Besonders bemerkenswert: „In der Höhe der Schadensummen sind landwirtschaftliche Betriebe mittlerweile mit Gewerbebetrieben gleichzusetzen“, so die Versicherungsexpertin. Das verdeutliche, dass Brandschutz längst kein Nebenthema mehr sei, sondern ein zentrales Anliegen moderner Landwirtschaftsbetriebe.

Ursachen und Folgen von Bränden

Ein Drittel aller Brände auf landwirtschaftlichen Betrieben wird durch technische Defekte oder elektrische Energie ausgelöst. Jeder neunte Brand ist auf menschliches Fehlverhalten, einschließlich Brandstiftung, zurückzuführen. „Kleine Unachtsamkeiten können fatale Folgen haben“, warnte Kühtreiber-Leitner eindringlich. Gerade in Ställen und Heulagern könne sich ein Feuer aufgrund der hohen Brandlast und der raschen Brandausbreitung besonders schnell entwickeln.

Die Folgen eines Brandes sind vielschichtig. Neben enormen finanziellen Schäden – etwa durch den Verlust teurer Maschinen oder Ernteerträge – wiegen auch die psychischen Belastungen schwer. „Ein Brand bedeutet für viele Betriebe eine Bedrohung der Existenz“, betonte Kühtreiber-Leitner.

Bewusstsein für Prävention

Ein zentrales Anliegen ihres Vortrags war die Bewusstseinsbildung. Viele Bäuerinnen und Bauern würden das Risiko noch immer unterschätzen. Kühtreiber-Leitner appellierte daher, sich der Brandgefahren am eigenen Betrieb bewusst zu werden und vorbeugende Maßnahmen zu treffen.

„Es geht nicht nur um Gebäude oder Maschinen, sondern um das Herzstück unserer bäuerlichen Betriebe – die Lebensgrundlage ganzer Familien“, so die Vorstandsdirektorin der Oberösterreichischen, die betonte, dass es am Markt immer weniger Konkurrenz gebe, da viele andere Versicherungsunternehmen das Risiko gar nicht mehr eingehen wollen.

Umfrage

Drei Viertel der Landwirte fühlen sich durch ihre Versicherung gut geschützt, weitere 26 Prozent „eher gut“. Nur ein Prozent gab an, sich weniger gut abgesichert zu fühlen. Nur knapp die Hälfte der Befragten wäre in der Lage, den Betrieb nach einem Brand rasch wieder aufzunehmen.

Weitere Artikel