Der neue Erzbischof Josef Grünwidl am Schreibtisch

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Weinviertler wird Erzbischof von Wien

Der künftige Erzbischof Josef Grünwidl bringt ländliche Bodenständigkeit, pastorale Erfahrung und einen offenen Geist in die Wiener Kirche.

Die Erzdiözese Wien hat einen neuen Oberhirten: Josef Grünwidl, bisher Apostolischer Administrator, wird Erzbischof von Wien. Grünwidl leitete die Erzdiözese bereits seit 22. Jänner interimistisch, nachdem Papst Franziskus am 80. Geburtstag von Kardinal Christoph Schönborn dessen Rücktritt angenommen hatte. Für viele Gläubige ist der neue Erzbischof kein Unbekannter: Grünwidl war langjähriger Sekretär Schönborns, später Bischofsvikar und vom Kardinal selbst als Übergangsverwalter empfohlen. Nun steht er an der Spitze der größten Diözese Österreichs.

Geboren am 31. Jänner 1963 in Hollabrunn, wuchs Grünwidl in Wullersdorf auf – unweit des Benediktinerpriorats Maria Roggendorf. Nach der Matura am Aufbaugymnasium Hollabrunn trat er 1981 ins Wiener Priesterseminar ein, studierte Theologie und parallel dazu Orgel an der Musikuniversität. Während eines Studienjahres in Würzburg fiel die Entscheidung: „Musik bleibt mein Hobby, Priester wird mein Beruf.“ 1988 wurde er von Kardinal Franz König zum Priester geweiht.

Wurzeln im Weinviertel

In seiner Heimatgemeinde Wullersdorf ist die Freude über die Ernennung groß. Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Richard Hogl beschreibt die Stimmung als „eine Mischung aus Stolz und Freude“. Für die Marktgemeinde sei es „eine besondere Ehre, wenn jemand aus unseren Reihen Erzbischof wird und noch dazu einer, der weltoffen ist, auf die Menschen zugeht und den Dialog sucht“. Der neue Erzbischof ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, eine Herkunft, die ihn geprägt habe, meint Hogl. „Viele Wullersdorfer haben sich schon länger gewünscht, dass Grünwidl einmal an die Spitze der Wiener Kirche kommt. Jetzt ist es so weit, und die Freude ist im ganzen Ort spürbar.“

Hogl kennt Grünwidl seit vielen Jahren persönlich: „Ich durfte bei seiner Primiz dabei sein und kenne seine Familie sehr gut – eine gläubige, bodenständige Bauernfamilie, tief in der Gemeinde verwurzelt.“ Er ist überzeugt, dass Grünwidl die Werte seiner Heimat in sein neues Amt mitnimmt: Gemeinschaftssinn, Glauben und Verantwortungsbewusstsein. „Er kann hervorragend predigen, erklärt die Bibel anschaulich und zieht immer den Bogen in unsere Zeit – verständlich, menschlich, glaubwürdig.“

Auch für Wullersdorf selbst hofft Hogl, dass die Verbindung bestehen bleibt. „Ich bin sicher, dass er auch künftig ab und zu in der Heimat vorbeischauen wird“, sagt der Bürgermeister.

Der neue Erzbischof weiß um die Herausforderungen der Kirche: weniger Priester, knappe Mittel, sinkende Bindung. Doch für ihn liegt die Zukunft nicht in Strukturen, sondern im geistlichen Leben. „Die

Seelsorge braucht weniger Funktionäre, sondern mehr Mystikerinnen und Mystiker“, betonte Grünwidl schon früher. Kirche müsse Herz zeigen – besonders gegenüber Menschen, „die anders leben oder zweifeln“. Statt „oberflächlichem Kulturchristentum“ brauche es echte Glaubenserfahrungen, Gebet und eine persönliche Christusbeziehung.

Auch Bürgermeister Hogl sieht darin eine Chance: „Das religiöse Leben nimmt vielerorts ab, auch bei uns. Aber mit jemandem wie Josef Grünwidl an der Spitze – einem, der zugleich progressiv und bodenständig denkt – kann der Glaube wieder an Strahlkraft gewinnen.“

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