Vom Forschungslabor in den Stall

Wissenschaftliche Erkenntnis allein reicht nicht – entscheidend ist ihre Anwendung in der Praxis. Dafür setzt sich die Europäische Vereinigung für Tierwissenschaften (EAAP) ein. Präsident Joël Bérard über Nachhaltigkeit, Tierwohl und globale Herausforderungen.

Bérard mit Grauvieh

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Was braucht es, um die Tierzucht zukunftsfähig zu gestalten?

Joël Bérard Das Schlagwort ist für mich die Nachhaltigkeit – vom kleinen ökologischen Fußabdruck über die Reduktion der Konkurrenz zwischen der Produktion von Lebensmitteln (food) und Futtermitteln (feed) bis hin zu einer standortangepassten Produktion. Und natürlich gehören auch Tierwohl und Tiergesundheit dazu.

Welche Herausforderungen entstehen dadurch – gerade im Hinblick auf unterschiedliche nationale Standards, etwa beim Tierwohl?

Joël Bérard Vor 30 Jahren war mit Lebensmittelqualität noch der Geschmack oder die Textur gemeint. Inzwischen wird der Begriff weiter gefasst – und auch das Tierwohl gehört zu den Qualitätsmerkmalen. Jedes Land verfolgt hier sein eigenes Tempo, die Landwirtschaft erfährt mehr oder weniger politische Unterstützung oder Druck. Auch die Tierwohl-Forschungskommission der EAAP setzt Akzente in dieser Thematik. Wir beschäftigen uns etwa mit den neuesten Systemen, aber auch Zielkonflikten, und versuchen, den besten Kompromiss zu finden. Aspekte wie die sozioökonomischen Auswirkungen auf die praktizierenden Bauern werden in dieser sehr komplexen Gleichung natürlich berücksichtigt.

Europa wird von mehreren Tierseuchen belastet, etwa der Lumpy Skin Disease und der Blauzungenkrankheit. Wie reagiert die EAAP darauf?

Joël Bérard Tierseuchen wie LSD sind ein sehr sensibles Thema, zeigen aber auf, dass Krankheiten vor Landesgrenzen keinen Halt machen. Wir leben in einer globalisierten Welt und es braucht globale Antworten. Wir können lernen, wie die Länder reagiert haben, in denen die Krankheit aufgetreten ist, und Maßnahmen treffen, um die Seuche zu stoppen oder von vornherein einzudämmen. Hier tauschen sich EAAP und Forschungsinstitute schon intensiv aus.

Ist Österreichs Tierzucht gut für die Zukunft gerüstet?

Joël Bérard In Ländern wie Österreich und der Schweiz, die einen hohen Grünlandanteil aufweisen, sind Ökosystemleistungen besonders relevant. Die Standortanpassung und Nutzung der Ressourcen in der Produktion weisen für mich auch darauf hin, dass die österreichische Politik den Landwirten eine gute Unterstützung bietet.

Wissensaustausch

Vergangene Woche fand das 76. jährliche Treffen der EAAP in Innsbruck unter dem Motto „Future-Proof Livestock Farming“ statt. Mitorganisiert wurde das Treffen von der NTÖ (Nachhaltige Tierhaltung Österreich). 1.500 internationale Fachleute aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Wirtschaft trafen nach 30 Jahren erstmals wieder in Österreich zusammen.

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