Maschinen kommunizieren miteinnander

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Technik-Innovationen von morgen vor dem Vorhang

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft hat die fünf Gewinner ihres Innovationspreises „DLG-Agrifuture Concept Winner“ bekannt gegeben. Ein Blick auf die ausgezeichneten Konzepte.

Der DLG-Agrifuture Concept Winner Award zeichnet „Konzepte aus, die voraussichtlich in fünf bis zehn Jahren auf den Markt kommen werden. Damit erhalten wir Einblicke in Entwicklungen, die bereits heute die Pflanzenproduktion von morgen prägen könnten“, so Florian Schiller, Projektleiter für digitale Landwirtschaft beim Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrum. 

An dem Wettbewerb konnten alle Aussteller auf der diesjährigen Weltleitmesse „Agritechnica“ und der parallel stattfindenden Messe „Systems & Components“ teilnehmen. Ermittelt wurden die Siegerkonzepte per Online-Voting durch nationale und internationale Experten. Fünf Projekte wurden heuer ausgezeichnet.

Wo Traktor und Häcksler kommunizieren

Das Projekt FieldDataSync der AEF zielt darauf ab, eine Kommunikation zwischen Landmaschinen per Funkverbindung zu etablieren, um so ein kooperatives Arbeiten zu ermöglichen. Es unterstützt den Austausch wichtiger Daten wie Feldgrenzen für koordinierte Aufgaben wie Section Control unter mehreren Maschinen. Weitere Funktionen umfassen Video-Streaming und den Austausch von Positionsdaten, um etwa das Entladen in Transportfahrzeuge, das Gruppenmanagement und die Diagnose zu optimieren. 

Durch den markenübergreifenden Ansatz des Standards sollen gemischte Flotten unterstützt, Entwicklungskosten reduziert und die Interoperabilität verbessert werden. Gleichzeitig gilt es, die Anforderungen an funktionaler Sicherheit und Cybersicherheit zu erfüllen. FieldDataSync-Maschinen stellen laut Jury einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem vollständig autonomen Feldbetrieb dar. Das Projekt ziele darauf ab, Branchenstandards über die AEF zu setzen. 

-) Konzept: FieldDataSync – M2M Communication to autonomize cooperative field work

-) Hersteller: AEF - Agricultural Industry Electronics Foundation e.V. in Zusammenarbeit mit Technische Universität München, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Agco/Fendt, Lacos, OSB connagtive, digisaar UG, Claas, ITK Engineering, Krone und Satel Oy.

Der Erntehelfer der Zukunft ist ein Roboter

Das Davegi-System von AI.Land soll künftig die nötigen Schritte des Gemüseanbaus von der Bodenvorbereitung bis hin zur Direktlieferung erstmals in einem ganzheitlichen Ansatz zusammenfassen. Ein wesentliches Element ist der Roboter-Erntehelfer, eine autonome, energieautarke Spot-Farming-Plattform, die darauf trainiert ist, die Sensibilität und Geschicklichkeit des Menschen beim Pflücken nachzuahmen und so eine schonende und selektive Ernte zu ermöglichen. Es werden maßgeschneiderte Gemüsekisten geerntet, verpackt und innerhalb weniger Stunden ausgeliefert – ohne Einwegverpackungen. Dies verkürzt den Weg vom Feld auf den Tisch und soll große ökologische und ökonomische Vorteile schaffen: weniger Emissionen, effizientere Ressourcennutzung und eine stärkere Widerstandsfähigkeit der lokalen Landwirtschaft. Das System soll laut Firmenangaben kurz vor der Fertigstellung eines funktionsfähigen Prototypen sein.

„Durch die Integration der gesamten Wertschöpfungskette in eine lokalisierte Plattform unterstützt Davegi ein nachhaltiges Kreislaufwirtschaftsmodell und verbessert gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit für Landwirte und den Zugang zu Lebensmitteln für Verbraucher“, befindet man in der DLG.

-) Konzept: Davegi

-) Hersteller: AI.Land

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Davegi: Roboterhelfer sollen die Ernte im Gemüsebau automatisieren.

Der Boden sagt, was er braucht

Für die Erstellung von Ertragspotenzialkarten werden bisher in der Regel geoelektrische Messungen oder Satellitendaten verwendet. Obwohl Grubbersensorik in der Praxis zunehmend verfügbar ist, wurden diese Prozessdaten bisher nicht zur Abgrenzung von Teilflächen genutzt, und auch Traktordaten wie Dieselverbrauch, Motordrehzahl, Motorauslastung und Geschwindigkeit gehen nicht in diese Berechnungen ein. 

Das SoilDetect-System von Amazone soll nun erstmals eine Fusion aller genannten Daten ermöglichen. Mithilfe eines Multisensorsystems am Bodenbearbeitungsgerät werden kleinräumige Bodendaten wie Bodenleitfähigkeit und -widerstand sowie Hangneigung und Arbeitstiefe erfasst und mit Traktorprozessdaten verknüpft. Alle Messungen werden georeferenziert und mit Höhendaten abgespeichert und die so entstandenen Geländemodelle per Telemetrieanbindung an ein Auswertungssystem übermittelt. Dieses bezieht Satelliten-, Bodenschätzungs- und Klimadaten sowie betriebsspezifische Informationen mit ein, um mit KI-Unterstützung und vollautomatisch Ertragspotenzial- und Feldbodenkarten zu erstellen. Mithilfe von feldspezifischen Notizen des Betriebsleiters oder der Ergebnisse von Bodenanalysen an Referenzpunkten wird die Genauigkeit der Ergebnisse weiter optimiert.

-) Konzept: SoilDetect

-) Hersteller: Amazonen-Werke H. Dreyer, entwickelt in Zusammenarbeit mit exatrek

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SoilDetect: Parameter des Bodens werden bei dessen Bearbeitung gemessen und für Ertragspotenzialkarten verwendet.

Tropfbewässerung: Montage neu gedacht

Die Tropfbewässerung stellt die Bewässerungsmethode mit der höchsten Wassereffizienz dar. Problematisch ist allerdings die personalintensive Montage. 

Mit NextDrip hat nun SLS den gesamten Prozess der
Installation und des Wiederausbaus von Tropfbewässerungssystemen neu gedacht und den Montageprozess vom Feld in die Fabrik verlegt. Dort werden vorgefertigte Einheiten mehrerer nebeneinander liegender Tropfleitungen auf die feld- und positionsindividuelle Länge zugeschnitten und mit Armaturen und Verteilerschläuchen montiert. Mithilfe einer Spezialmaschine kann die Platzierung im Feld effizient erfolgen. Darüber hinaus bietet diese Art der Installation die Option, die Leitungen mit Metallmarkierungen zu versehen, die sowohl für Detektionssysteme als auch für die vollmechanisierte Rückholung mit magnetischer Aufnahme der Leitungsenden wichtig sind. Durch die Vormontage im Werk können außerdem Feldgeometriedaten sowie Boden- oder Ertragskarten für die kontrollierte Installation standortspezifischer Tropfer oder Ventile entsprechend den Ertragszonen genutzt werden.

-) Konzept: SLS-NextDrip

-) Hersteller: SLS Systementwicklungen GmbH

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SLS-NextDrip: Rasche maschinenunterstützte Montage der Tropfbewässerung

Gegen Verschleppung von Unkrautsamen

Das Konzept Seed Select von Zürn soll der Verschleppung von Unkrautsamen bei der Ernte Einhalt gebieten. Herzstück sind zwei Trommelsiebe, die in einer kompakten Einheit hinter den Sieben eines Mähdreschers montiert werden. Die Unkrautsamen fallen durch diese Siebe, während Stroh und Spreu die Trommeln passieren und zurück in den Spreuverteiler geleitet werden. Das abgetrennte Material wird in einer Devitalisierungseinheit abgetötet und kann anschließend als organisches Material auf dem Feld ausgebracht werden, ohne dass die Gefahr einer Keimung bestehen soll. Durch einen geringen Platz- und Leistungsbedarf sowie einen modularen Aufbau lässt sich das System laut Firmenangaben leicht an eine Vielzahl von Mähdreschern anpassen, ohne die normale Funktion des Reinigungssystems oder der Kornverlustsensoren zu beeinträchtigen.

-) Konzept: Zürn Seed Select

-) Hersteller: Zürn Harvesting GmbH & Co. KG, gemeinsam mit TU Dresden und EXAgT GmbH, entwickelt in Zusammenarbeit mit Samuel Pantke

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Zürn Seed Select: Unkrautsamen werden bei der Ernte gesammelt und abgetötet.