Agri-PV und Biowein

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PV-Anlage über Weinreben: Eine ideale Antwort auf den Klimawandel?

Die Katastralgemeinde Gaiselberg bei Zistersdorf ist seit 1938 bekannt für ihr Ölfeld mit einer der weltweit ältesten aktiven Bohrungen. Nun wurde direkt zwischen den Erdölförderpumpen mit einer Agri-Photovoltaik-Anlage ein neues, nachhaltiges Kapitel der Energiegewinnung aufgeschlagen.

Am 11. Juni lud die RWA Solar Solutions zur Eröffnung einer vielversprechenden Agri-PV-Anlage in die Gemeinde Zistersdorf. Dafür wurde auf einem Weinberg, den die Familien Schödl aus Loidesthal und Schweighofer aus Zistersdorf bewirtschaften – nach fast fünf Jahren Vorlaufzeit – ein österreichweites Pilotprojekt umgesetzt: die erste netzgekoppelte Photovoltaik-Anlage (PV) über Weinreben, eine Vino-PV, wie RWA-Vorstandsdirektor Christoph Metzker in seiner Rede als neue Bezeichnung vorschlug.

Nachdem die RWA bereits sehr positive Erfahrungen mit PV über Äpfel- und Beerenplantagen gesammelt hat, geht man hier wissenschaftlich begleitet einen weiteren Meilenstein der Kombination von hochwertiger Lebensmittelproduktion und erneuerbarer Energiegewinnung an. Darüber hinaus schafft die Anlage wertvolle Erkenntnisse für die Landwirtschaft der Zukunft, wie Metzker betonte.

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Bei der Eröffnung der Agri-Photovoltaik-Anlage: Mathias Schödl (Weingut Schödl), Klemens Neubauer (RWA), Sebastian Geer (RWA), Oliver Eisenhöld (RWA), Reinhard Zöchmann (Weinbauverband NÖ), Pfarrvikar Leszek Bednarczyk, VD Christoph Metzker (RWA), Elmar Schöberl (Bürgermeister Zistersdorf), Abg. zum NÖ Landtag René Lobner, Hannes Schweighofer (Weingut Schweighofer), Viktoria Schödl (Weingut Schödl), Herbert Schödl (Weingut Schödl), Leonhard Schödl (Weingut Schödl)

Optimales Mikroklima

Unter den Solarmodulen stehen die Rebsorten Weißburgunder, Grüner Veltliner sowie die pilzwiderstandsfähige Sorte Souvignier Gris. Schon der erste Eindruck beeindruckt: Die überdachten Rebstöcke sind sichtbar wüchsiger als die nebenan identisch gepflegten Pflanzen ohne Dach.

Die Bewirtschafter berichten im Gespräch, dass sich der Morgentau zwar unter der PV etwas länger auf den Blättern hält, aber dennoch so zügig abtrocknet, dass der Krankheitsdruck nicht höher ist. Im Gegenteil: Es ist zu erwarten, dass durch den Schutz vor Regen (und Hagel) deutlich weniger Fahrten für den Pflanzenschutz nötig sind. Das Laub bleibt bis spät in den Herbst länger grün.

In Summe sind durch die teilweise Beschattung eine geringere Verdunstung und niedrigere Temperaturextremwerte im Bestand zu erwarten. Ideal im pannonischen Sommer. Das macht auch die Arbeiten im Weingarten angenehmer, sogar eine Lese bei leichtem Regen ist durchaus vorstellbar.

Übrigens: Lesemaschinentauglich ist dieses PV-System nicht. Laubarbeiten sind ebenfalls nur händisch möglich. Das wiederum stört die beiden biodynamisch bzw. biologisch wirtschaftenden Winzerfamilien nicht: Sie setzen mit der Handlese auf eine hochselektive Auslese der Trauben für höchste Qualitätsansprüche.

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Die PV-Module sind teilweise lichtdurchlässig (zu 38 %).

Wissenschaftlich begleitet

Welche weiteren Auswirkungen die PV auf Reben und Erntegut hat, wird in den nächsten Jahren in Kooperation mit der HBLA und dem Bundesamt für Wein Klosterneuburg untersucht. Mittels Mikrovinifikation, Weinproduktion von Kleinstmengen, sollen sensorische Unterschiede ebenso wie Qualitätsparameter exakt herausgearbeitet werden. Es könnte zum Beispiel sein, dass beschattete Reben mehr in das Triebwachstum investieren, aber weniger in Gescheine. Denn von Äpfeln unter Agri-PV ist beispielsweise schon bekannt, dass die Erträge etwas zurückgehen.    

Interessant sind auch Detailfragen, etwa wie sich Gehalte an Reben-Polyphenolen, natürlichen Schutzstoffen gegen starke Sonneneinstrahlung und damit natürliche Antioxidantien, entwickeln. Erste Antworten darauf sind im kommenden Winter zu erwarten.

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Insgesamt wurden auf 9.342 m² Weingartenfläche 2.560 Module und Paneele mit einer Fläche von 6.613 m² installiert.

Technik-Daten zur PV-Anlage

Insgesamt wurden auf 9.342 m² Weingartenfläche 2.560 Module und Paneele mit einer Fläche von 6.613 m² installiert. Die Unterkante der mit 15 Grad geneigten Module liegt vier Meter über dem Boden. 1.004 Modulträger bzw. Steher (sie tragen gleichzeitig die Rebenspanndrähte) wurden dafür bis zu 3,5 Meter tief in den Boden gerammt. Nach ihrer Lebensdauer von etwa drei Jahrzehnten ist die Anlage vollständig rückbaubar. 

Die PV-Module sind teilweise lichtdurchlässig (zu 38 %) und bifazial, liefern also auf der Ober- und der Unterseite Strom. Jeweils eine Modulreihe liegt mittig über einer Rebzeile, von Reihe zu Reihe verbleiben rechnerisch 87 Zentimeter Freiraum zwischen den Modulen.

Mit 360 Wp (Watt peak) pro Paneel und ihrer dachähnlichen Anordnung ist die jährliche Stromausbeute pro Fläche durchaus vergleichbar oder sogar höher als die einer herkömmlichen Freiflächen-PV-Anlage mit Südausrichtung. Denn dort sind aufgrund der Eigenverschattung bei tieferem Sonnenstand größere Abstände zwischen den Paneelreihen nötig. Die kalkulierte Nennleistung der ganzen Anlage beträgt 921 kWp, der errechnete Jahresertrag von 965.600 Kilowattstunden deckt den Strombedarf von etwa 350 durchschnittlichen Haushalten.

342 Tonnen pro Jahr beträgt die kalkulierte CO2-Einsparung. Die Anlage unterstützt ein Batteriespeicher mit 215 KWh Kapazität bzw. maximal 108 kW abrufbarer Leistung. Jährlich gehen etwa 150.000 kWh in die Multimarket-Vermarktung, werden also zu Zeiten höherer Nachfrage mit gleichzeitig höheren Preisen vermarktet. Auf diese Art sollte die PV-Anlage sich trotz höherer Aufständerungskosten rechnen und gleichzeitig das Stromnetz stabilisieren.

Welche Kulturen unter Agri-PV funktionieren

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