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Wasserstress in Österreich: Landwirtschaft unter Druck

Die Alpenrepublik gilt als wasserreiches Land, doch der Schein trügt. Sinkende Grundwasserspiegel, ein viel zu trockenes Frühjahr 2026 und Ernten unter dem langjährigen Durchschnitt zeigen: Wasserstress ist auch hierzulande längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern in der Landwirtschaft angekommen.

Österreich ist nicht nur wald-, sondern auch wasserreich. Der Klimawandel mit großen Wetterkapriolen und immer mehr Hitze- sowie Trockenperioden gefährdet unter anderem in der pannonischen Klimaregion, im Marchfeld, der Kornkammer des Landes, oder im Weinviertel die pflanzliche Produktion. Die von der Börse für landwirtschaftliche Produkte im Juni organisierte Erntereise mit dem neuen Präsidenten Ernst Gauhs in die Bundesversuchswirtschaft Fuchsenbigl sowie zum Saatzuchtunternehmen Probstdorf bestätigte einmal mehr, dass Wasserknappheit ein aktuelles Thema ist. Das viel zu trockene Frühjahr beeinträchtigte die Produktion von Ackerfrüchten. Zwischen Jänner und April betrugen die Niederschläge mit 103 Millimeter weniger als die Hälfte in normalen Jahren.

Studien der BOKU University sowie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) belegen, dass bis zum Jahr 2050 der Anbau von Getreide, Kartoffeln, Mais oder Rüben im bisherigen Ausmaß nicht mehr möglich sein könnte, wenn sich die Temperaturanstiege fortsetzen. Die Experten der Ages und Probstdorfer Saatzucht erwarten 2026 eine Getreideernte unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Züchtung resistenter Sorten und klimafitter Pflanzen gewinnt an Bedeutung. Ohne Wasser sind aber keine ausreichenden Erträge möglich. Im Jahr 2000 wurden die Saatbau Linz und die Probstdorfer Saatzucht in einem gemeinsamen Unternehmen gebündelt. Im oberösterreichischen Feuchtgebiet ist die Züchtung in Reichersberg auf Soja und Braugerste spezialisiert, im pannonischen Trockengebiet auf Getreide und Mais. Die Getreideanbauflächen ändern sich, wobei die Wintergerste stark zunimmt und mit mehr als 100.000 Hektar das größte Ausmaß seit 2020 erreicht, während Weichweizen und Zuckerrüben auf einem historischen Tiefpunkt angelangt sind. Die Maisfläche erreichte 2026 mit fast 205.000 Hektar einen Höchststand.

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Wasserstress nimmt auch hierzulande zu

Wasserexperten befürchten angesichts sinkender Grundwasserspiegel, dass Österreich 2026 mit einem schwierigen Versorgungsjahr konfrontiert ist. Agrar- und Umweltminister Norbert Totschnig verweist in diesem Zusammenhang auf 900 Projekte zur Sicherung der Wasserinfrastruktur und wichtige Fördermittel in den zwei kommenden Haushaltsjahren. Im Doppelbudget 2027/28 sind jeweils 250 Millionen Euro beziehungsweise 241 Millionen Euro für Investitionen in die Wasserversorgung vorgesehen. Für die Trinkwasserversorgung stehen für den Bau von Leitungen sowie Brunnen- und Quellfassungen 100 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Wichtig sind auch die Ausgaben für die Wald- und Gewässerökologie. Für 2027/28 sind rund 108 Millionen Euro für das Resilienzpaket und 74 Millionen Euro aus dem Waldfonds verfügbar. Die heimische Wasserbilanz zeigt, dass jährlich gemäß Umweltbundesamt etwa 86 Kubikkilometer Wasser zur Verfügung stehen, von denen etwa drei Prozent genutzt werden; fast zwei Drittel entfallen auf die Industrie, etwa ein Drittel wird von den Haushalten genutzt und fünf Prozent von der Landwirtschaft. Aktuell werden in der Landwirtschaft durchschnittlich 69 Millionen Kubikmeter für die Bewässerung eingesetzt und der Großteil davon aus dem Grundwasser entnommen. Der gesamte jährliche Wasserbedarf beträgt 3,1 Milliarden Kubikmeter, rund 40 Prozent werden aus dem Grundwasser, aus Brunnen oder Quellen gedeckt. Insgesamt ist das österreichische Netz von Flüssen und Bächen 100.000 Kilometer lang und reicht fast 2,5-mal um die Erde. Es gibt mehr als 25.000 stehende Gewässer.

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Heimisches Wasser hat eine hohe Qualität

Der neue OECD-Umweltprüfbericht 2026 bestätigt, dass die Qualität der österreichischen Gewässer zu den besten in Europa zählt, auch wenn lokale Belastungen durch intensive Landbewirtschaftung, Industrie und durch die Folgen des Klimawandels feststellbar sind. Gemäß UN-Wasserbericht 2024 haben mit 2,2 Milliarden Menschen 27 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wasser ist das wichtigste Lebensmittel, Österreich verfügt über ausreichend Trinkwasser in hervorragender Qualität mit einem täglichen Pro-Kopf-Verbrauch von 130 Litern. Der gesamte Bedarf wird aus Grundwasser und Quellen gedeckt. Wasserknappheit wird nach Analysen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in naher Zukunft in Folge der Klimaveränderungen mit steigenden Temperaturen auch dort auftreten, wo diese Ressource noch ausreichend vorhanden ist. Der Weltklimarat erwartet 2027 als heißestes Jahr der Aufzeichnungen.

Die Befriedigung des Wasserbedarfs für die Landwirtschaft ist der entscheidende Faktor für die weltweite Ernährungssicherung, zumal die Weltbevölkerung ständig ansteigt und derzeit 8,162 Milliarden Menschen beträgt. Obwohl Österreich zu den wasserreichsten Ländern der Erde zählt, ist der sorgsame Umgang mit diesem kostbaren Gut nach wie vor oberstes Gebot.

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