ASP bedeutet zugleich Bedrohung und Chance

Die Schweinebörse konnte einen drastischen Preisverfall von 20 Cent wie in Deutschland abwenden. Nun hofft man mehr Schweinefleisch nach Asien exportieren zu können.

Die heimischen Schweinebauern haben laut VLV-Chef Schlederer heuer bisher circa 100 Millionen Euro weniger erlöst als ursprünglich erhofft.

Deutschland ist der Maßstab für den gesamten europäischen Schweinefleischmarkt“, erklärt VLV-Geschäftsführer Johann Schlederer den Grund für die große Unruhe am internationalen Schweinemarkt. Wie bereits in der BauernZeitung berichtet, erfolgte dort durch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen ein historischer Preiseinbruch von 20 Cent pro Kilo Schlachtgewicht. Ein ähnlicher Preisverfall wurde auch hierzulande befürchtet, konnte jedoch verhindert werden: „Wir konnten uns mit den Abnehmern auf ein Minus von lediglich acht Cent pro Kilo einigen. Das ist für die Erzeuger zwar ebenfalls schmerzhaft, aber in Relation zum internationalen Markt als Erfolg zu betrachten“, so Schlederer.

Im EU-Vergleich liege der heimische Schweinepreis immer im Spitzenfeld. „Das wird seit Jahren von Vertretern der Fleischwirtschaft sowie Konsumentenschützern der Arbeiterkammer kritisiert. Diese Kritik ist eigentlich ein Lob für die österreichische Schweinebörse“, betont Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger. So konnten die heimischen Schweinebauern beispielsweise die vergangenen Jahre im Durchschnitt zehn Euro mehr pro Schwein erlösen als ihre bayrischen Kollegen. Dieser Abstand hat sich durch die ASP in Deutschland weiter vergrößert (siehe Grafik).
„Das deutsche Schwein ist aktuell 25 Euro billiger am Markt unterwegs“, erklärt Schlederer. Dieser Preisabstand sei „historisch hoch“, am Binnenmarkt jedoch auf Dauer nur schwer zu halten.

„Fünftes Viertel“ bringt bis zu 20 Euro mehr pro Schwein

Grund dafür ist, dass die Deutschen derzeit große Übermengen produzieren, die Druck auf den europäischen Markt ausüben, weil sie selber durch die ASP-Infektion für den Export von Schweinefleisch nach Asien gesperrt sind. Genau dieser Umstand könnte jedoch den heimischen Schweinebauern zu Gute kommen. „China braucht dringend große Mengen an Schweinefleisch“, weiß Schlederer. Österreich ist mittlerweile der achtgrößte Schweinefleisch-Lieferant für das Land der aufgehenden Sonne. Die Chinesen verwenden zudem auch das sogenannte „fünfte Viertel“, sprich Innereien und Schlachtnebenprodukte (Pfoten, Ohren, Schwänze etc.) für den Humanverzehr. Aktuell hat Österreich dafür jedoch noch keine Zertifizierung, es werde aber mit Hochdruck an einer erweiteren Exportlizenz für diese Nebenprodukte gearbeitet. Schlederer hofft, dass dies noch heuer fina­lisiert werden kann. „Das würde einen zusätzlichen Mehrerlös zwischen zehn und 20 Euro pro exportiertem Schwein bedeuten“, rechnet Schlederer vor. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Österreich selber frei von der Afrikanischen Schweinepest bleibt. „Bei einem Ausbruch würden circa drei Viertel des aktuellen Österreich-Bonus verloren gehen“, schätzt Schlederer.

Hinweis: Welche weiteren Auswirkungen ein ASP-Fall in Österreich hätte, lesen Sie im Artikel: https://bauernzeitung.at/das-naechste-virus-steht-vor-der-tuer/

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AUTORThomas Mursch-Edlmayr
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