Wolf: Zum Schutz der Bevölkerung rasch handeln

Zwei tote und zehn verletzte Schafe, wovon eines erlöst werden musste, wurden am Sonntag auf einer Heimweide im Gemeindegebiet von Anras aufgefunden. Zwei weitere Tiere werden vermisst. Die Rissbegutachtung durch den örtlich zuständigen Amtstierarzt erfolgte umgehend. Proben wurden genommen und werden zur DNA-Untersuchung geschickt. Es besteht Verdacht auf einen Wolf als Verursacher.

Lokalaugenschein
Bezirksbauernobmann LAbg. Martin Mayerl gemeinsam mit Ortsbauernobmann Josef Gietl auf Lokalaugenschein in Anras.

Der Osttiroler Bezirksbauernobmann Martin Mayerl und Anraser Ortsbauernobmann Josef Gietl machten sich ein Bild vor Ort. Beide Bauernvertreter zeigten sich entsetzt über den Vorfall: „Neben dem Verlust der Schafe, die der Bauer zu verzeichnen hat, schockt in diesem Fall vor allem der Tatort. Der Wolf hat hier mitten im Ortsgebiet in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens zugeschlagen, wo Kinder noch am Vorabend miteinander spielten. Wir haben es hier mit einem Raubtier zu tun, das sich nicht nur an Wild oder Weidetieren vergreift, sondern mit einem Exemplar, das die Nähe zum Siedlungsgebiet nicht zu scheuen scheint.“

Mayerl und Gietl verlangen gemeinsam mit den Entscheidungsträgern in der Gemeinde ein rasches Vorgehen in diesem Fall: „Wir haben auf Landesebene bereits die Möglichkeit zur Entnahme von Problemtieren geschaffen, jedoch wurde diese Möglichkeit im vergangenen Jahr durch eine Beeinspruchung von NGOs und der Entscheidung des Landesverwaltungsgerichtes im Keim erstickt. Diesmal muss zum Schutz für uns alle rasch gehandelt werden“, so Mayerl und Gietl.

„Ich habe bisher gehofft, dass die selbsternannten Wolfsexperten recht behalten, wenn sie behaupten, dass der Wolf scheu ist, die Nähe des Menschen meidet und keine Gefahr besteht. Leider stellt sich jetzt heraus, dass das so nicht stimmt: Der Wolf ist ein Raubtier, der Wolf reißt, was er bekommt, und der Wolf geht auch ins besiedelte Gebiet“, meint Mayerl.

Praxistaugliche
Lösung gefordert

Unverständnis zeigt Gietl auch über die jüngsten Aussagen von Wolfsexperten in diversen Medien, wonach der Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene in Stein gemeißelt ist und weder der Aufschrei verzweifelter Bauern noch die explodierenden Populationszahlen daran etwas ändern würden. „Mir kommt es manchmal so vor, als hätte das Wohlergehen dieser Raubtiere wesentlich mehr Wert als das Wohlergehen der Weidetiere, der Bauern und der Menschen in unseren Dörfern.“ Abschließend hält Mayerl fest: „Der strenge gesetzliche Rahmen lässt schnelle und zielgerichtete Entscheidungen nicht zu. Das ist ernüchternd und frustrierend zugleich und fordert praxistaugliche Lösungen.“

Bürgermeister: Sorgen
in der Bevölkerung

Erhebliche Sorgen vonseiten der Bevölkerung spüren die Bürgermeister der Gemeinden Anras und Assling, Johann Waldauf und Reinhard Mair: „Es wohnen viele Familien mit kleinen Kindern in der betroffenen Siedlung. Dass ein Wolf sich so nahe an das Dorf traut, ist ein Wahnsinn. Von NGO’s und auch vonseiten einiger Medien wird propagiert, dass der Wolf ein scheues Tier ist. Hier haben wir den Beweis, dass es nicht so ist.“

Das Thema Tierwohl geht in der Diskussion um den Wolf vollständig verloren. „Risse durch Raubtiere sind Tierquälerei pur“, sind sich die Bürgermeister einig. Johann Waldauf, der als Bauer selbst Schafe hält, fordert ein Umdenken: „Den Nichtbauern wird weisgemacht, dass die betroffenen Bauern eh eine Entschädigung für ihre gerissenen Tiere erhalten. Doch uns geht es nicht um Geld, sondern um das Wohlergehen unseres Viehs. Wir wollen und können nicht tatenlos zusehen, wie unsere Tiere nach einem Raubtierangriff elendig verenden.“

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