Wir sitzen im selben Boot

Kommentar von Martin Kugler,
Martin Kugler, Wissenschaftskommunikator am Austrian institute of Technology

Die Corona-Pandemie lässt uns nicht aus ihren Klauen. Die Infektionszahlen steigen – nicht nur in Europa, sondern noch viel stärker im „globalen Süden“. Dort bahnt sich vor unseren Augen eine riesige humanitäre Katastrophe an. Ablesbar ist das in einem neuen Bericht der Welternährungsorganisation FAO, in dem überprüft wird, ob und wie rasch wir uns den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO annähern.

Demnach reichten die Fortschritte schon vor der Corona-Krise in vielen Bereichen nicht aus. So ist seit 2015 der Hunger in der Welt nicht mehr zurückgegangen, sondern hat sich wieder ausgebreitet. Dem Bericht zufolge litten zum Jahreswechsel fast 690 Millionen Menschen an Unterernährung – das ist jeder elfte Erdenbewohner! Jeder vierte Mensch lebt in Gegenden, in denen die Lebensmittelversorgung nicht gesichert ist – und das, obwohl die Bauern weltweit ausreichend Nahrung für alle produzieren!

Nun droht die Corona-Krise auch das in jüngster Zeit Erreichte wieder zunichte zu machen. So könnte die Zahl der Hungernden laut UNO um 120 Mio. steigen, 70 Mio. Menschen könnten in extreme Armut zurückfallen. Erstmals seit 20 Jahren könnten überdies Kindersterblichkeit und Kinderarbeit wieder zunehmen. Frauen, jüngere Menschen und sozial schwache Gruppen sind besonders bedroht.

Gewiss, wir haben hierzulande genügend Probleme, die unsere ganze Kraft benötigen. Wir dürfen darüber aber die globale Situation nicht aus den Augen verlieren. Denn am Ende sitzen wir alle im selben Boot.

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