Wie bei der Instandhaltung alter Bauernhäuser vorzugehen ist

Alte landwirtschaftliche Gebäude besitzen sowohl einen wirtschaftlichen als auch emotionalen Wert und sollen auch weiter genutzt werden. Ist das Mauerwerk beschädigt oder durch Feuchtigkeit und Salze belastet, ist eine fachgerechte Sanierun

Vorab ist immer festzustellen, welche Sanierungsschritte für die geplante Nutzung geeignet sind. ©agrarfoto.com
Vorab ist immer festzustellen, welche Sanierungsschritte für die geplante Nutzung geeignet sind. ©agrarfoto.com

Mit vorindustriellen Materialien errichtete Bauernhäuser und Wirtschaftsgebäude, ehemalige Tierställe, Presshäuser oder Kellergewölbe kommen häufig für eine Umnutzung als Lagerraum, Werkstatt, Verkaufs- bzw. Verkostungsraum, Veranstaltungsraum oder als Wohnbereich in Betracht. Vorab muss festgestellt werden, inwieweit eine Sanierung des Mauerwerks oder eine Mauertrockenlegung notwendig ist und welche Sanierungsschritte für die geplante Nutzung geeignet sind. Mit einer fachgerechten Sanierung kann ein solches Gebäude weiter genutzt und somit dessen Wert erhalten oder gesteigert werden. Gleichzeitig wird eine optische Verbesserung erreicht und die Schadensursache reduziert.

Ansprüche an das Gebäude realistisch stellen

Soll das Gebäude für einen neuen Zweck genutzt werden, werden gerne einmal die Möglichkeiten überschätzt. Der Wunsch, den modernen Standard hinsichtlich Wärme- und Feuchteschutz, wie man ihn von Neubauten kennt, zu erreichen, ist für alte Gebäude überzogen. Alte Gebäude oder alte Kellerräume haben keine dichte Gebäudehülle. Wer nun eine gut gemeinte Abdichtung der Wände und Böden mit diffusionsdichten Materialien, wie zum Beispiel Zementputz oder dichten Dämmplatten, anbringt, riskiert, dass bauphysikalische Eigenschaften und die Diffusionsfähigkeit gefährlich verändert werden. Kondensatbildung, Schimmelbildung oder auch Trocknungsschäden können die Konsequenz sein.
Das Erreichen eines modernen (Wohn-)Standards ist aufwendig und kostenintensiv, da die Abdichtungsmaßnahmen und horizontal sperrenden Verfahren immer das Gesamtsystem des Gebäudes berücksichtigen müssen. Es sollten daher auch alternative Nutzungen überlegt werden, für die eine vorhandene Feuchtigkeit und das “Atmen” des alten Gebäudes kein Problem darstellen (z. B. Lagerraum).

Kostengünstige Sanierung des Putzes oft ausreichend

Feuchtigkeitsschäden können von undichten Leitungen, Dachrinnen oder Flüssigkeitsbehältern, schadhaften Dacheindeckungen bzw. Fassaden oder versandeten Dränagen etc. verursacht sein. Solche technischen Mängel sind leicht zu beheben. Aufgrund der alten porösen Materialien kann auch kapillar aufsteigende Bodenfeuchtigkeit der Grund für die Durchfeuchtung sein. Für eine Sanierung kommen feuchteabsenkende oder aufwendige feuchtesperrende Maßnahmen in Betracht.
Bei landwirtschaftlichen Gebäuden ist der Grund für die Durchfeuchtung jedoch oft hygroskopischer Natur. Im Mauerwerk von älteren Stallgebäuden oder von Gebäuden in der Nähe von Düngersammelanlagen sind Nitratsalze (Mauersalpeter) vorhanden, die Wasser aus feuchter Luft anziehen. Eine Putzsanierung mit einem diffusionsfähigen Feuchtmauerputz auf Kalkbasis kann die im Mauerwerk vorhandenen Salze und somit Feuchtigkeit verringern; Abdichtungsmaßnahmen gegen aufsteigende Feuchte wären hier sinnlos.

Maßnahmen bei aufsteigender Feuchte

Kommt die Durchfeuchtung des Mauerwerks von kapillar aufsteigender Feuchte aus dem Boden, werden feuchteabsenkende Maßnahmen empfohlen. Eine Maßnahme ist der Entfeuchtungsgraben oder die Bauteiltemperierung (eingeputzte Heizrohre am Wandsockel auf der Rauminnenseite). Horizontal sperrende Verfahren sind hingegen teuer und aufwendig. Sie sind sehr genau zu planen und fachgerecht durchzuführen. Eine entweder mechanisch eingebrachte oder injizierte Horizontalsperre liegt in der Regel unterhalb der Fußbodenkonstruktion. Für die technische Ausführung horizontal sperrender Maßnahmen ist die ÖNORM B 3355 anzuwenden.

Material: Wenn möglich, “im System” bleiben

Ein wichtiger Grundsatz für Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen ist, “im System” zu bleiben, um negative Auswirkungen auf den Bestand zu vermeiden. Das bedeutet, dass ausschließlich solche Sanierungsprodukte eingesetzt werden, die der ursprünglichen Bausubstanz und der gegebenen Baukon­struktion entsprechen, z. B. Kalk, Lehm und Ziegel.

Nachlese-Tipp: ÖKL-Merkblatt Nr. 106

In der Reihe “Baustoffe in der Landwirtschaft” gibt das neue ÖKL-Merkblatt Nr. 106 “Instandhaltung von Ziegel und Mischmauerwerk” wertvolle Informationen über die Vorgehensweise und Maßnahmen für die Instandhaltung bzw. für eine geplante Sanierung von erhaltenswerten alten Bauernhäusern oder Wirtschaftsgebäuden. Das Merkblatt beinhaltet wichtige Entscheidungsgrundlagen und Überlegungen zur Eignung für die geplante Nutzung. Es beschreibt die Putzsanierung bei hygroskopischer Feuchte sowie die aktuellen Verfahren der Mauertrockenlegung. Das ÖKL-Merkblatt 106 (1. Auflage 2016, zwölf Seiten, Preis: sieben Euro) kann unter Tel. 01/505 18 91 oder www.oekl.at bestellt werden.

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