Jan Simka und Kerstin Krückl helfen Familie Schreiber auf ihrem Bio-Ackerbaubetrieb mit etwa 80 Sonderkulturen beim Unkraut jäten und Pflanzen setzen.

Der Ansturm auf die Vermittlungsplattform war mit 20.000 Registrierungen enorm. 1.500 Helfer konnten über die Plattform bereits vermittelt werden. Wie etwa Jan Simka, der eigentlich als Ankäufer im Biolebensmittelgroßhandel arbeitet, sowie die BOKU-Studentin Kerstin Krückl. Sie steht kurz vor ihrem Abschluss in Agrarwissenschaften und möchte die heimische Landwirtschaft unterstützen, die Zeit sinnvoll nutzen und neue Erfahrungen sammeln. Simka betonte nach seinen ersten Einsatztagen: „Die Dinge, die man für selbstverständlich hält, werden klarer. Man bekommt zum Beispiel mit, wo unser Essen herkommt.“

Die beiden Helfer sind bei Siegfried und Gabriela Schreiber im Einsatz. Familie Schreiber bewirtschaftet im nördlichen Weinviertel einen rund 60 ha großen Ackerbaubetrieb. Der seit Generationen familiengeführte Betrieb wird seit mehr als 20 Jahren biologisch bewirtschaftet. Angebaut werden dabei mindestens 80 Kulturen – darunter auch viele Sonderkulturen.

Siegfried und Gabriela Schreiber: „Man braucht keine Angst haben, man muss einfach nur ein bisschen offen sein für Neues.“

Neben einem Festangestellten wird Familie Schreiber in der Saison von fünf bis sieben Arbeitskräften aus dem unweit gelegenen Tschechien unterstützt. Nachdem Siegfried Schreiber von der Plattform www.dielebensmittelhelfer.at im Radio erfahren hat, besuchte seine Ehefrau die Website und meldete für die aktuell anstehenden Tätigkeiten wie Unkraut jäten und Pflanzen setzen, für welche keine Unterstützung aus Tschechien möglich war, Bedarf an. Gabriele Schreiber betont: „Ich kann nur jedem Betrieb sagen, meldet euch und versucht es mit den Leuten. Sie können die Stammarbeiter nicht ersetzen, aber, wenn man ein bisschen Willen hat, funktioniert es.“

Bärlauch ernten in Oberösterreich

Quelle: Alle Fotos: BMLRT/Paul Gruber
Barbara Wallisch bekam Hilfe bei der Bärlauchernte.

Ähnlich erging es Barbara Wallisch. Sie bewirtschaftet gemeinsam mit ihrer Schwester und ihren Eltern einen Marktfruchtbetrieb in St. Florian in Oberösterreich. Der Betrieb ist auf Fruchtveredelung spezialisiert. Auf rund 42 Hektar wird neben Bärlauch vor allem Obst für die Weiterverarbeitung zu Fruchtsäften und Spirituosen, Wein, Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais, Weizen und einiges mehr angebaut. Der innovative Betrieb vertreibt 90-95 Prozent seiner Produkte im Direktvertrieb. Generell, aber gerade auch in der derzeitigen Situation, kommt es dem Betrieb zugute, dass er sehr differenziert und breit aufgestellt ist. So kann auch der Wegfall im Absatz von bestimmten Produkten besser ausgleichen werden.

Als die Coronakrise samt Grenzschließungen schlagend wurde, war klar, dass Frau Wallisch nicht auf die beiden seit 28 Jahren für den Betrieb tätigen Erntehelfer – zwei aus Polen stammende Arbeitskräfte – zurückgreifen kann. So meldete sie Bedarf auf der Plattform an und wurde fündig. Innerhalb kurzer Zeit wurden vier Arbeitskräfte vermittelt, die bei der anstehenden Bärlauchernte helfen konnten und so die Ernte sicherten. Wallisch: „Ich kann nur jeden motivieren – sowohl Betriebe als auch Privatpersonen – sich zu registrieren.“

Reben binden in der Steiermark

Pascal Jurkowitsch hilft Seniorchefin Adi Rohrbacher beim Rebenbinden – natürlich mit Sicherheitsabstand.

Helfende Hände braucht es auch auf dem Weinberg der Familie Rohrbacher in der Steiermark. Obwohl ihr Sohn mittlerweile für den Weinbau zuständig ist, lässt es sich die Senior-Betriebsleiterin Adi Rohrbacher trotz ihrer stolzen 80 Jahre nicht nehmen, tatkräftig mitzuarbeiten. Gemeinsam mit den vermittelten Arbeitskräften verrichtet sie die anstehenden Arbeiten auf den Weinbergen.

Thomas Paar ist überzeugt: „Was man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist ein wenig Arbeitsgeist. Der Rest ergibt sich dann von ganz alleine.“

Die Arbeitskräfte kommen normalerweise aus Slowenien auf den steirischen Betrieb. Nun helfen Thomas Paar, der als Filialleiter von den Schließungen im Handel betroffen ist, Michael Rupp, der in der Gastronomie tätig ist und Pascal Jurkowitsch. „Was man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist ein wenig Arbeitsgeist. Der Rest ergibt sich dann von ganz alleine“, erklärt Paar.

Spargel stechen in Kärnten

Ramona Rutrecht: „Ich unterstütze hier einen Spargelbetrieb, weil die Erntehelfer aus Rumänien und Polen fehlen.“

Die 25-jährige Studentin Ramona Rutrecht steht kurz vor ihrem BOKU-Masterabschluss. Da der reguläre Universitätsbetrieb aufgrund der Coronakrise derzeit nur eingeschränkt digital stattfindet, war für Ramona Rutrecht klar, dass sie die Zeit nutzen will, um in dieser schwierigen Zeit einen Betrieb zu unterstützen. So hat sich die gebürtige Kärntnerin auf der Vermittlungsplattform angemeldet und unterstützt nun in ihrem Heimatbundesland einen Spargelbetreib, dem massiv Erntehelfer fehlen.

Rutrecht ist zwar mit den Tätigkeiten auf einem landwirtschaftlichen Betrieb vertraut, da sie häufig auf dem Milchbetrieb ihrer Cousine mitanpackt, die Arbeit auf dem Spargelfeld war aber auch für sie neu: So handelt es sich um eine körperlich herausfordernde Tätigkeit, bei der man auch das nötige Fingerspitzengefühl bzw. die nötige Technik braucht, um den Spargel zu ernten, ohne dabei den weiteren Nachwuchs nachhaltig zu schädigen. Rutrecht betont: „Man sollte körperlich fit sein und gerne in der Landwirtschaft arbeiten. Dann ist die Arbeit für jeden schaffbar.“

E.Z.

- Bildquellen -

  • Fruchtveredelung Bärlauch 2 Barbara Wallisch: Alle Fotos: BMLRT/Paul Gruber
- Werbung -
Vorheriger ArtikelKeine Winterreifenpflicht seit heute Donnerstag
Nächster ArtikelBauernbund: Folgen der Corona-Krise führen zunehmend zu Verwerfungen auf den Agrarmärkten