Von wegen am Holzweg

Immer mehr wandere die EU-Forstpolitik in Richtung Umweltrat, meint Ministerin Köstinger. Sie vermisst in der Waldstrategie der Union einen Fokus auf eine nachhaltige Bewirtschaftung. Und hat ein knappes Dutzend Verbündete an ihrer Seite versammelt.

Elisabeth Köstinger: „Der Wald darf nicht zum Spielball der EU-Kommission verkommen.“ Foto: BMLRT/Christian Lendl

Im Gegensatz zur Agrarpolitik gibt es auf EU-Ebene keine gemeinsame Forstpolitik. Waldrelevante Maßnahmen werden zwischen den Mitgliedstaaten und der EU-Kommission durch die Waldstrategie 2020 abgestimmt. Weil forstpolitische Themen zunehmend vom Rat der Umweltminister und nicht im Agrarrat abgehandelt werden, hat Österreichs Forstministerin Elisabeth Köstinger eine Initiative rund um die nachhaltige Waldbewirtschaftung im Zusammenspiel mit dem Europäischen „Green Deal“ gestartet. Elf Mitgliedstaaten unterstützen diese, nämlich Bulgarien, Estland, Finnland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn.
„Auf europäischer Ebene verkommt der Wald immer mehr zum Spielball der Umwelt- und Klimapolitik der Kommission. Das werden wir nicht akzeptieren“, meint Köstinger gegenüber der BauernZeitung. Es gebe Grund zur Besorgnis, in welcher Art und Weise forstrelevante Aspekte im Rahmen des Green Deals behandelt werden. „Für eine starke EU-Waldstrategie muss die nachhaltige Waldbewirtschaftung immer im Fokus stehen. Der Wald ist mehr als Naturraum“, erklärte Köstinger nach der jüngsten Agrarratssitzung Ende März.
Konkret fordert Köstinger „einen zusammenhängenden und ausgewogenen Rahmen sowohl für forstpolitische Maßnahmen auf EU-Ebene als auch für die nationale Forstpolitik in den einzelnen Mitgliedstaaten. Noch sieht sie einen solchen in den Vorschlägen der Kommission nicht ausreichend berücksichtigt. Die Verantwortung für die Wälder liege bei den Mitgliedstaaten, „daher müssen für alle Initiativen im Forstbereich auf EU-Ebene die Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten in diesem Bereich respektiert werden“, meint Köstinger und verweist auf die Wirtschaftliche Bedeutung des Waldes allein in Österreich. In der Alpenrepublik erwirtschaften Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft eine direkte Bruttowertschöpfung von 11,3 Mrd. Euro, das sind 3,2 Prozent der gesamten heimischen Wirtschaftsleistung. Die gesamte Forst- und Holzwirtschaft stehe für eine Bruttowertschöpfung von mehr als 20 Mrd. Euro. Dahinter stehen 300.000 Arbeitsplätze. Köstinger: „Ein Erntefestmeter Holz um 55 Euro bringt in weiterverarbeiteter Form eine Wertschöpfung von bis zu 673 Euro in der Forst- und Holzwirtschaft oder bis zu 1.212 Euro für die Wirtschaft in Österreich.“ Zehn Prozent weniger Holzeinschlag, wie in Brüsseler Plänen auch zu finden, hieße um 75 Mrd. weniger Wertschöpfung – allein in Österreich.

Bernhard Weber

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