Verschenkter Spielraum

Kommentar von Thomas Mursch-Edlmayr,
Redaktionsleitung Oberösterreich.

 

Die aktuellen Zahlen des Grünen Berichts hinsichtlich Einkommen der Bäuerinnen und Bauern liegen auf dem Tisch. Die durchschnittlichen Einkünfte buchführender Betriebe sind gegenüber 2018 „nur“ leicht zurückgegangen (–0,2 %).
Fakt ist: Die Einkommensentwicklung stagniert und ist nun wieder auf dem Niveau von 2016 angekommen. Im Gegensatz dazu steigen bei sämtlichen Lohnrunden Jahr für Jahr die Einkommen anderer Berufsgruppen. Zuletzt bei Beamten (+2,3 %), Eisenbahnern (+2,6 %) und Metallern (+2,8 %).
Zugegeben, dieser Vergleich ist polemisch und hinkt etwas, weil es so etwas wie einen bäuerlichen Kollektivvertrag nicht gibt. Landwirte sind selbstständige Unternehmer und wollen als solche auch wahrgenommen
werden. Unternehmen betreiben auch die Handelskonzerne im Lebensmittelbereich. Im Vergleich zu landwirtschaftlichen Unternehmen steigen ihre Gewinne jährlich um zig Millionen Euro. Wo bleibt hier die vielzitierte faire Partnerschaft auf Augenhöhe?
Laut dem Meinungsforscher Werner Beutelmeyer hat der Handel bei regionalen Produkten einen Preisspielraum von zehn Prozent nach oben. Diesen Anteil wäre der Konsument bereit mehr zu bezahlen. Vom Handel werde dieser Spielraum jedoch „verschenkt“, weil der Preis als Wettbewerbsinstrument eingesetzt wird.
Die Bäuerinnen und Bauern könnten dieses Geld angesichts der Einkommensentwicklung jedenfalls gut gebrauchen. Wie auch zahlreiche vorgelagerte Bereiche der Landwirtschaft, die massiv auf die Investitionsfähigkeit der bäuerlichen Betriebe angewiesen sind.

mursch-edlmayr@bauernzeitung.at

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