Der Vorwurf ist so alt wie die unter Vermittlung der Vereinten Nationen (UN) geschlossenen Abkommen selbst. Das über die Schwarzmeer-Route aus der Ukraine exportierte Getreide würde nicht, wie ursprünglich vereinbart, die Hungernden erreichen, sondern vorwiegend in europäische Länder verschifft, behauptet Russland. Nun hat das Istanbuler „Joint Coordination Centre“ (JCC), welches als unabhängiges Gremium unter Schirmherrschaft der UN steht und Kontrollen der Frachtschiffe vornimmt, Zahlen veröffentlicht.

Zahlen und Fakten
Laut UN-Angaben wurden bisher rund 10 Mio. t Agrargüter über den Korridor der Schwarzmeer-Häfen exportiert. Spitzenreiter ist mit einem Anteil von über 40 % der Mais, ein schwaches Drittel der ausgeführten Tonnagen war Weizen, knapp 7 % Raps. In Summe erreichten jedoch nur gut 3 % der Exporte auf direktem Weg Destinationen mit einem niedrigen Einkommensniveau, wie etwa Afghanistan, Jemen oder die zentralafrikanischen Staaten. Diese kauften bisher ausschließlich Weizen ein – in Summe rund 247.000 t. Dem gegenüber stehen Weizenausfuhren in Länder mit hohem Einkommensniveau in der Höhe von nahezu 100.000 t und weitere 2,8 Mio. t an Mais. Bisher größter Einkäufer ukrainischer Waren über den Seeweg ist dabei Spanien mit knapp 2 Mio. t., gefolgt von der Türkei mit 1,3 Mio. t. Platz 3 nimmt China mit über 1 Mio. t. importiertem Getreide und Ölsaaten ein.

Neue Konditionen hinter vorgehaltener Hand
Ob es sich bei den Zielländern auch um die tatsächlichen Verbraucher der Agrargüter handelt oder die Waren nur umgeschlagen werden, wird vom JCC jedoch nicht erhoben. Nach wie vor ist die Fortsetzung des „Grain Deal“ über den Stichtag am 19. November hinaus ungewiss. Im Zuge der viertägigen Unterbrechung der Ausfuhren wurde von Russlands Präsident Wladimir Putin offiziell nur die Freigabe des in europäischen Häfen festsitzenden russischen Düngers sowie die Wiederaufnahme der Exporte von Ammoniak gefordert. Wie der Nachrichtendienst Reuters nun unter Berufung auf Quellen aus dem Verhandlungsumfeld mitteilt, führte Russland jedoch hinter vorgehaltener Hand weitere Forderungen ins Feld. Eine zentrale Rolle nehmen dabei die Sanktionen gegen die russische Rosselkhozbank ein. Diese sollen gelockert werden, um über den renommierten Agrarkreditgeber künftig Zahlungen für russisches Getreide am globalen Markt abzuwickeln.

- Bildquellen -

  • : Miha Creative - stock.adobe.com
- Werbung -
AUTORClemens Wieltsch
Vorheriger ArtikelFast 100 Jahre Sicherheit
Nächster ArtikelFendt 728 Vario ist Traktor des Jahres 2023