Der Tiroler Wald hat unter den Extremereignissen und den enormen Schadholzmengen der letzten zwei Jahre stark gelitten. Die Borkenkäfer sind aufgrund der warmen Witterung heuer sehr früh gestartet, es droht ein massiver Befall. Und durch Corona ist der ohnehin schon angespannte Holzmarkt komplett zusammengebrochen. Heimisches Holz hat so gut wie keinen Absatz mehr.

„Unter diesen Voraussetzungen ist jede Holzernte im Wald ein finanzieller Verlust. Wenn wir aber nichts tun und das Schadholz nicht aus den Wäldern bringen, frisst der Borkenkäfer unsere Schutzwälder“, fasst Tirols Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler die dramatische Situation zusammen. Um das zu verhindern und die Forstwirtschaft durch die Krise zu bringen, hat die Tiroler Landesregierung ein Maßnahmenpaket für die Tiroler Forstwirtschaft mit Schwerpunkt Osttirol geschnürt. Dieses ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert. Durch die Aufstockung mit Bundesmitteln ergibt sich ein forstliches Investitionsprogramm von fünf Millionen Euro. „Damit sichern wir hunderte regionale Arbeitsplätze und unseren Lebens- und Wirtschaftsraum.“

Nasslager in Ainet geplant

Eine der speziellen Maßnahmen im Rahmen des Tiroler Forstpakets ist die Unterstützung der Errichtung von sogenannten Nasslagern für Schadholz. Dort wird durch dauerndes Beregnen die Vermehrung des Käfers verhindert und die Holzqualität erhalten, bis das Holz am Markt wieder verkauft werden kann. Ein solches Lager für 60.000 Kubikmeter Holz entsteht in Kürze in der Osttiroler Gemeinde Ainet. An die heimische Sägeindustrie appelliert Geisler, vor Holzimporten heimisches Holz abzunehmen.

Rund die Hälfte aufgearbeitet

Denn es liegt noch viel Holz im Wald. 1,3 Millionen Festmeter Schadholz, das entspricht dem gesamten Holzeinschlags eines Jahres in Tirol, haben das Sturmtief VAIA im Oktober 2018 und die Schneeereignisse im Jänner und November 2019 verursacht. Hauptbetroffen ist Osttirol mit mehr als einer Millionen Festmetern Schadholz oder dem fünffachen Jahreseinschlag in der Region. „In einer außerordentlichen Kraftanstrengung ist es gemeinsam mit den Waldbesitzern gelungen, mehr als die Hälfte des Windwurf- und Schneebruchholzes aufzuarbeiten. Zumindest in den tieferen Lagen bis 1.000 Metern Seehöhe müssen wir das restliche Holz bis Ende Juni entweder aus dem Wald bringen oder so behandeln, dass sich der Borkenkäfer nicht vermehren kann“, schildert Landesforstdirektor Josef Fuchs die Herausforderung der Forstwirtschaft. Es geht um 500.000 Kubikmeter Holz.

Forstpaket gegen Borkenkäfer

Auf die Borkenkäfergefahr, aber auch auf die Stabilisierung des Holzmarktes und die Aufforstung mit klimafitten Baumarten bietet das nunmehr geschnürte Tiroler Forstpaket Antworten. „Derzeit kann der Holzmarkt das anfallende Holz nicht aufnehmen. Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, das Holz aus dem Wald zu bringen. Daher heben wir die Förderungen für alle Forstschutzmaßnahmen im Wald an, um zumindest den Borkenkäfer hintanzuhalten“, erklärt Fuchs. Die Bäume werden im Wald entrindet, damit sich der Borkenkäfer nicht zwischen Rinde und Holz einnistet und sich dort vermehrt. Verstärkt zum Einsatz kommen sollen auch sogenannte Fangbäume, die nach der Besiedlung durch den Borkenkäfer aus dem Wald entfernt werden oder an Ort und Stelle entrindet werden.

Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem Naturgefahrenmanagement ist die Räumung der Wildbäche von Schadholz. Auch hier bietet das Land Tirol zusätzliche Unterstützung, damit der Mehraufwand abgegolten werden kann. Neben der Errichtung von Nasslagern für Schadholz höherer Qualität sollen die Verwertungsmöglichkeiten im Energieholzsektor und in der Pelletsproduktion geprüft und bestenfalls erhöht werden. Für die Wiederaufforstung der durch die Wetterextreme zerstörten Waldflächen vor allem im Schutzwald kommen gemäß dem Tiroler Programm „Klimafitter Bergwald“ verstärkt an die neuen klimatischen Verhältnisse angepasste Mischbaumarten wie Tanne, Lärche, Ahorn, Buche u. a. zum Einsatz.

Notwendige Hilfestellung

„Die Unterstützungsmaßnahmen des Landes Tirol sind eine gewaltige Hilfe für die heimischen Waldbauern, Agrargemeinschaften, aber auch Gemeinden. Fördersätze in der Form waren so noch nie da und sind gleichzeitig leider mehr als notwendig. Die Verhandlungen um ein Waldpaket, wo ich die Experten von Anfang an unterstützen durfte, konnten somit erfolgreich abgeschlossen werden“, freut sich der Landtagsabgeordnete und Agrarklub-Obmann Hermann Kuenz. „Es verträgt jetzt keine weitere Katastrophe mehr in Osttirol. Mein Dank gilt dem Land Tirol mit seinen Forstorganen und unserem LHStv. Josef Geisler, dass er dieses Unterstützungspaket so rasch und unbürokratisch in enger Abstimmung mit den Betroffenen und den Experten im Land zur Verfügung gestellt hat.“

- Bildquellen -

  • Schadholz Strassen 1116: Land Tirol
- Werbung -