Sorghumhirse – Voller Silo auch bei Trockenheit

Trockenheit und Maisschädlinge lassen Ackerbauern und Veredler nach Alternativen zu Mais Ausschau halten. Aufgrund intensiver züchterischer Bearbeitung kommt hier zunehmend die Sorghumhirse in Betracht. Ein Überblick auf die Vielfalt der Sorghumsorten und ihre Verwendungsmöglichkeiten.

Sorghumtypen im Überblick

Ertragssicherheit auch bei Hitze und Trockenheit – diese Eigenschaft macht Sorghumhirse auch hierzulande zu einer Frühjahrskultur mit steigendem Anbauumfang. Dazu kommt eine weltweite intensive züchterische Bearbeitung, welche die bisherigen vermeintlichen Nachteile der Kultur insbesondere in der Fütterung minimiert.

Vielfältige Sortentypen und Einsatzmöglichkeiten

Sorghum besitzt durch die Möglichkeit der Nutzung des Korns und der Gesamtpflanze wie Mais ein vielfältiges Verwendungsspektrum. Sorghumkörner eignen sich als Grundfutterkomponente in der Schweine- und Geflügelfütterung, dazu liegen in Österreich bereits positive Versuchs- und Praxisergebnisse vor. Ähnlich wie CCM, kann Körnersorghum als Silage auch an Mastschweine, Mastrinder und Milchvieh verfüttert werden.
Weniger verbreitet ist hierzulande noch die Nutzung von Sorghum als Ganzpflanzensilage, etwa zur Fütterung von Milchvieh oder Mastrindern. Und schließlich bewähren sich Sorghumsilagen bereits auch als Energiepflanzen für Biogasanlagen oder Wärmekraftwerke. Zu beachten ist, dass es zu jedem Verwendungszweck auch spezifisch geeignete Sorghumsorten gibt, die sich hinsichtlich der Qualität des Ernteguts und auch von der Bestandsführung her deutlich unterscheiden. Aus der Praxis heraus lassen sich die bei uns verfügbaren Sorghumsorten wie folgt unterteilen:

 Körnersorghum: Hier liegen kompakte, standfeste Sorten im Trend, die sich durch hohen Kornanteil und bei Ganzpflanzennutzung durch gute Futterqualität auszeichnen. Körnersorghum, als Ganzpflanzensilage geerntet, kann zu Silomais vergleichbare Inhaltsstoffe erreichen. TM-Erträge von 11 bis 14 t/ha sind realistisch.
 Silosorghum-qualitätsbetont: Dieser Sorghumtyp wird mit etwa zwei Metern deutlich höher als der reine Körnertyp, bildet aber ebenso eine Rispe aus, was mehr Energie in das Erntegut bringt als bei massebetonten Sorghumsorten. Seine Vorteile hat dieser Sorghumtyp in warmen und trockenen Regionen. In Südfrankreich gehört er zum Standard-Grundfutter der Milchviehhalter. Das Ertragsniveau liegt bei 14 bis 19 t/ha TM.
 Silosorghum-massebetont: Dieser Sortentyp hat seinen Schwerpunkt auf dem TM-Ertrag und zielt auf die energetische Verwertung. Der Futterwert, insbesondere in der hochleistenden Tierhaltung, tritt eher in den Hintergrund. Die Sorten sind sehr großrahmig und besitzen ein dichtes Blattwerk. Wichtig ist die Standfestigkeit, um Ernteverluste zu vermeiden.

Höherer Rispenanteil bringt mehr Energie

Zur Frage, welchen Futterwert verschiedene Hirsesorten als Ganzpflanzensilage in der Rinderfütterung haben, wurde kürzlich der Abschlussbericht eines „Dafne“-Projekts der HBLFA Raumberg-Gumpenstein veröffentlicht. Die Untersuchungen zu Silierbarkeit und Verdaulichkeit ergaben, dass sich massebetonte, hochwüchsige Biomassehirsen wenig als Futter für Wiederkäuer eignen. Körner- und Silohirsesorten haben demgegenüber einen deutlich höheren Futterwert. Je höher der Rispenanteil bei diesen Sorten war, umso besser waren auch Energie- und Stärkegehalt, Pansenabbaubarkeit und Gesamtverdaulichkeit.
Daraus ergibt sich folgende Empfehlung: Bei der Erzeugung von Hirsesilagen für Wiederkäuer sollten Körnerhirse oder kornreiche Silohirsen bevorzugt werden. Diese können bei hohem Diabrotica-Druck oder in Trockenjahren eine interessante Alternative zu Silomais sein (www.dafne.at).

 

Sorghum-Typen – “BMR” und “PPS”

Brown-midrib-Typ – zur Erhöhung der Verdaulichkeit von Silosorghum suchte man züchterisch nach Möglichkeiten, den Ligningehalt der Pflanzen herabzusetzen. Dies gelang durch eine chemisch induzierte Mutation. Die so gewonnenen Sorten wurden durch einen Marker gekennzeichnet, der eine braune Mittelrippe ergibt, daher die Bezeichnung „Brown-midrib-Typ“ (BMR). Bei BMR-Sorghum ist der Ligningehalt um 20 bis 30 % verringert, die Verdaulichkeit wurde um 10 bis 20 % verbessert. Allerdings sind BMR-Sorten um etwa
15 % ertragsschwächer als Sorten ohne diese Eigenschaft.

Photoperiodische Sensitivität – die Ausbildung der Rispen und Samen geht bei Sorghum zulasten des Wachstums an Grünmasse. Züchterisch ist es gelungen, Sorghumarten mit einer „Photoperiodischen Sensitivität“ (PPS) auszustatten, was zur Folge hat, dass die Pflanzen erst ab Unterschreiten einer bestimmten Tageslänge in die Blühphase kommen. Damit wurde es möglich, das vegetative Wachstum bis in den Herbst hinein zu verlängern. PPS-Typen bilden kaum Rispen aus und sind zur Verfütterung oder zur energetischen Verwertung geeignet.

- Bildquellen -

  • 2017 Sorghumtypen01: Sorghum-ID
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QUELLEHans Maad
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