Sojabohne von Beginn an unkrautfrei halten

Aufgrund der eingeschränkten Auswahl bei den Pflanzenschutzmitteln empfiehlt es sich, Herbizidmaßnahmen in Sojabohnen gleich vom Anbau weg zu setzen. Im Nachauflauf sind dann nur noch Korrekturspritzungen erforderlich.

Im Nachauflauf sollten nur noch Korrekturspritzungen erfolgen. Foto: agrarfoto.com

Für die Unkrautregulation in der Sojabohne steht im Nachauflauf nur mehr die Kombination Pulsar 40 + Harmony SX zur Verfügung. Aufgrund des eingeschränkten Wirkungsumfangs dieser Mittel, sollte man, wenn immer es geht, die Möglichkeit des Vorauflaufs nutzen. In der Sojabohne gilt der Grundsatz: „Wenn Soja angebaut werden kann, so ist auch die Unkrautbekämpfung möglich!“ Es ist besser, eher früher zu spritzen, z. B. unmittelbar nach dem Anbau, als so lange zu warten, bis die Soja schon gekeimt und knapp unter der Oberfläche ist.
Verträglichkeitsprobleme beachten
Bodenherbizide brauchen eine gewisse Feuchtigkeit, um gut zu wirken. Allerdings kann zu viel Feuchtigkeit auch schädlich sein – dies gilt besonders für das Produkt Artist in Verbindung mit einer Metribuzin-sensiblen Sorte. Die Auswirkungen davon sind unmittelbar beim Aufgang zu erkennen, in geringerem Ausmaß auch noch in einem späteren Stadium. Was die Empfindlichkeit gegenüber Metribuzin betrifft, so sollten die Zuchtfirmen bzw. Saatgutlieferanten Auskunft über die Sensitivität ihrer Sorten geben; auch auf dem Produktinfoblatt zu Artist sind die gefährdeten Sorten angeführt. Aus dem Sortiment der Saatbau Linz hat nur die Sorte ES Mentor eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Metribuzin. Enthalten ist der Wirkstoff im Produkt Artist (= Flufenacet + Metribuzin) bzw. auch im Produkt Sencor – dieses ist in Österreich nicht zugelassen, in Bayern jedoch schon.
Zu Verträglichkeitsproblemen kann es auch bei den Mitteln Stomp/Spectrum plus kommen – hier sind sämtliche Sorten betroffen, meist in späteren Wachstumsstadien durch sog.  „Umfaller“. Die Gefahr von Verträglichkeitsproblemen besteht vor allem dann, wenn die volle Aufwandmenge eingesetzt wird und wenn es nach der Anwendung zu größeren Niederschlagsereignissen kommt.
Bei ausbleibender Bodenfeuchtigkeit kann die Wirkungssicherheit durch Applikation in den Morgen- oder Abendstunden verbessert werden (Nutzung der Taufeuchtigkeit).
Eine Strategie, die in der Praxis bewährt ist
Aus Sicherheitsgründen ist bei allen Sorten eine reduzierte Aufwandmengen zu empfehlen. Dies ist im Vorauflauf auch gut möglich, da durch die große Wirkungsbreite der Herbizide eine gewisse Sicherheit aufrecht bleibt.
• 1,8 kg/ha Artist (anstelle von 2 kg) oder 2,3 l/ha Spectrum Plus (anstelle von 2,5 l) im Vorauflauf bieten eine gute Wirkung und sind sehr gut verträglich. Natürlich kann es bei Überlappung auch hier zu Schäden kommen, die sich aber in einem sehr verträglichen Maß bewegen. Bei geringem Unkrautdruck und guten Verhältnissen (Bodenfeuchtigkeit) kann diese Maßnahme allein schon ausreichend sein.
• Bei höherem Unkrautdruck gibt es die Möglichkeit, mit Harmony SX oder Pulsar 40 alleine oder in Kombination eine Korrekturspritzung oder Zweitbehandlung durchzuführen.
Wurzelunkräuter und Gräser machen Probleme
Wurzelunkräuter (Ackerdistel, Ackerwinde, Ampfer, Quecke) sind insgesamt ein schwieriges Kapitel in der Sojabohne. Sie sind im Nachauflauf meist nur „einzudämmen“, jedoch nicht hundertprozentig eliminierbar.
Pulsar 40 ist bei einem einmaligen Einsatz mit bis zu 1,25 l/ha zugelassen, das empfehle ich jedoch nicht, denn mit höheren Aufwandmengen steigt bei sonnigem Wetter auch die Empfindlichkeit der Sojabohne. Pulsar im Alleingang sollte mit maximal 0,7 l/ha zum Einsatz kommen bzw. im Splitting mit 2 x 0,5 l/ha. Harmony SX ist mit bis zu 2 x 7,5 g/ha zugelassen. Der Zusatz eines Markennetzmittels – insbesondere bei Harmony SX in Soloanwendung – ergibt eine verbesserte Wirkung und Verträglichkeit.
Pulsar 40 und Harmony SX halten kleine zweikeimblättrige Unkräuter (Kamille, Franzosenkraut, Melden, Klettenlabkraut, Amaranth, Knötericharten) inkl. dem gefürchteten Schwarzen Nachtschatten nieder. Auch „kleine“ Ackerwinde wird mit 0,5 bis 0,7 l/ha Pulsar 40 niedergehalten, wenn auch nicht nachhaltig ausgeschaltet.
Wer bereits bei Artist oder Spectrum die volle Aufwandmenge riskiert, erreicht damit meist auch eine zufriedenstellende Gräserwirkung. Bei reduzierten Aufwandmengen bzw. bei sehr hohem Gräser- und Hirsedruck (Getreidedurchwuchs, Hirsen, Flughafer) könnte eine Nachbehandlung mit einem reinen Gräsermittel notwendig werden (z. B. Targa Super, Fusilade Max, Focus Ultra, Select 240).
Nach meiner Erfahrung sollte man Gräsermittel im Nachauflauf nicht mit anderen Herbiziden kombinieren, sondern besser in einem gesonderten Durchgang anwenden – beispielsweise zwei bis drei Tage nach einer Anwendung von Pulsar 40 + Harmony SX.

Franz Blumenschein, Saatbau Linz

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