Rudi, Rudi gib acht!

Kommentar von Bernhard Weber,
Chefredakteur.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat es derzeit sicher nicht leicht: Nur wenige Politiker im Land sind durch die Corona-Pandemie derzeit wohl so gefordert wie er. Umso erstaunlicher ist, wofür der Mann nebstbei sonst noch Zeit findet. So hat er als Tierschutzminister dieser Tage Martin Balluch in den Tierschutzrat des Bundes bestellt. Balluch zählt zu Österreichs verbissensten Tierrechtlern und lehnt die kommerzielle Haltung von Nutztieren generell ab.
Nun ist Tierschutz vielen Österreichern ein großes Anliegen und der kritische Austausch verschiedenster Interessensvertreter im Tierschutzrat gewollt. Ob Rudi Anschober mit Balluchs Bestellung diesem Gremium einen guten Dienst erwiesen hat, darf bezweifelt werden. Fortschritte im Tierschutz, das zeigt die Erfahrung, leben von Kompromissen, die je extremer die Positionen nur schwer erreicht werden. Zu Recht hat auch Bauernbundpräsident Georg Strasser in einem Brief an Rudof Anschober gegen diese Bestellung protestiert.
Vermutlich hatte der Minister im Sommer keine Zeit, Balluchs irre Blog-Tiraden über die tödlichen Gefahren auf „Österreichs völlig verkoteten Almen“ zu lesen. Eine Empfehlung für Balluchs Entsendung in einen Expertenstab, wofür auch immer, ist dessen „kritischer Blick“ mit Sicherheit nicht.
Fast zeitgleich kommt aus dem Gesundheitsministerium das Ansinnen, im Umfeld Minderjähriger solle nicht mehr für Milchprodukte, Joghurts oder Fischstäbchen geworben werden. Auch damit sorgt Anschober bei vielen für Kopfschütteln. Fast möchte man ihm in Zeiten wie diesen mitleidig zurufen: Rudi, gib auf Dich acht!
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