Jetzt schlagen die viel zitierten und fotografierten Hamstereinkäufe der Österreicher zu Buche. Am Samstag nach der Verkündigung des Lock Downs, 14. März, stürmten die Konsumenten die heimischen Supermärkte, die Regale waren gegen Abend hin leergeräumt. In Zahlen bedeutete das einen Anstieg des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel um 22 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum März 2019. In der ersten Woche des Lock Downs betrug der Anstieg bei Einkaufsmenge und Umsatz sogar rund 30 %, erklärt AMA-Marktforscherin Micaela Schantl.

Krisengemüse Kohl

Quelle: RollAMA/AMA-Marketing, Feldarbeit: GfK Austria/Auswertung: KeyQuest Marktforschung

Was bei den gekauften Produktengruppen besonders herausstach war das Kohlgemüse. Kraut und Kohl avancierten zum Krisengemüse, spenden sie schließlich ausreichend Vitamine und sind lange lagerfähig. Der Absatz steigerte sich um 37,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Weniger überraschend nahm auch der Absatz von Gemüsekonserven (+ 36 %), Tiefkühl-Kartoffelprodukten (+28,4 %) und Haltbarmilch (+25,7 %) während der Krise zu, so auch von Hühnerfleisch (13,4 %) und Faschiertem (+12,1 %), dass als „eiserne Reserve für die Tiefkühltruhe“ gekauft wurde, erklärte Schantl.

Aktionen sind in Krisenzeiten wohl moralisch verwerflich

Eine andere erfreuliche Entwicklung für Landwirte und Verarbeiter zeigte sich im sinkenden Aktionsanteil im Lebensmittelhandel während der Zeit des Lock Downs. AMA Marketing-Chef Michael Blass führt diese Entwicklung darauf zurück, dass in Krisenzeiten weniger der Preis zählt, sondern die blanke Versorgungssicherheit. Dies könne sich in den kommenden Wochen allerdings ändern, da viele Konsumenten mit Gehaltseinbußen im Zuge der Corona-Krise kämpfen werden. Der AMA Marketing ist es deshalb besonders wichtig, den hohen Zuspruch, den die heimischen Lebensmittel während der Corona-Krise erfahren haben, auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten.

Bauernmärkte und Direktvermarktung sind die Alternativen schlechthin

Quelle: RollAMA/AMA-Marketing, Feldarbeit: GfK Austria/Auswertung: KeyQuest Marktforschung

Der direkte Einkauf beim Bauern hat um mehr als 20 % zugelegt, auch Bauernmärkte und Fleischhauer profitierten bislang vom neuen Einkaufsverhalten der Österreicher. Zwar gibt es zum online-Einkauf keine explitziten daten aus der RollAMA, AMA Marketing-Sprecherin Manuela Schürr berichtete aber von einem enormen Zugriff auf die Bestell-Plattform der AMA www.frischzumir.at. Alternative Vertriebswege für Lebensmittel abseits der Supermärkte sieht auch Schantl wieder „hoch im Kommen“.

Marktverwerfungen wegen Gastro-Sperre

Wenig erfreulich für Landwirte und Verarbeiter war hingegen die Schließung der gesamten heimischen Gastronomie. Diese macht als Abnehmer knapp ein Viertel der Umsätze bzw. Wareneinsätze im Lebensmittelbereich aus. Dies führte in einigen Sparten zu dramatischen Einbrüchen. So wird knapp die Hälfte des Frischfleisches außer Haus konsumiert. Vor allem am Rindfleischmarkt führte das zu Verwerfungen. Auch 38 % der Eier nimmt in Österreich die Gastronomie bzw. Hotellerie ab. In der Milchbranche waren vor allem Molkereien im Westen durch das verfrühte Ende der Skisaison betroffen. Molkereiprodukte werden insgesamt zu 26 % im Außer Haus-Konsum abgesetzt.

Spannend wird die nächste RollAMA: Darin sind dann auch die Daten des zweiten Quartals enthalten, die den April mit der gesamten Lock Down-Phase abbilden werden.

Eva Zitz

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