Regionale Gemüseproduktion gewinnt an Bedeutung

Viel Frischgemüse wird aus Ländern wie Spanien oder Italien importiert. Werden dort die Gemüseplantagen geschlossen, können in Österreich Obst und Gemüse knapp werden. Vier Mostviertler Unternehmen zeigen, wie regionale Versorgung mit Bio-Gemüse funktioniert.

Wie sicher ist unsere Lebensmittelversorgung in Krisenzeiten? Wird das Supermarktregal an einem Tag leer „gehamstert“, ist es am nächsten wieder aufgefüllt. Dank der heimischen Landwirtschaft gibt es auch in Zeiten von Corona Versorgungssicherheit bei Getreide, Milchprodukten, Eiern und Fleisch. Anders sieht es beim Gemüse aus.

Die Lebensmittelversorgung – ein verletzliches System

COVID-19 zeigt, wie verletzlich unser System ist. Darum ist es ist mehr denn je an der Zeit zu hinterfragen, woher unsere Lebensmittel kommen. Denn nur heimische Lebensmittel sind auch in der Krise sicher verfügbar.
Spanien und Italien sind nicht nur die größten Gemüseexporteure in Europa, sondern auch von Corona am härtesten getroffen. Vor allem Spanien produziert billiges Frischgemüse in riesigen Plantagen mit billigen Arbeitskräften aus Afrika. Es überlegt nun diese großen Gemüseplantagen ebenfalls zu schließen. Eine Folge davon kann die Knappheit bei Obst und Gemüse sein.

Aber muss unser Frischgemüse unbedingt aus Spanien, Italien oder sogar von noch weiter weg importiert werden? Auch ägyptische und chilenische Ware liegt in unseren Supermärkten. Nein, es gibt regionale Alternativen: Vier Betriebe im Mostviertel zeigen, wie bestes Bio-Gemüse auf den Feldern und in ihrem eigenen Garten wächst.

„Krisensicheres Frischgemüse“ – die Praxis zeigt es

Wie einfach eine krisensichere Versorgung funktionieren kann, wird im Schaugarten am Kaninghof in Wieselburg beim Erdenwerk Seiringer gezeigt.
Hier wird seit Jahrzenten aus Kompost und anderen regionalen Rohstoffen, hochwertige Erde erzeugt. In Zusammenarbeit mit der Gemüseversuchsstation Zinsenhof wurde ein neuer Bio-Schaugarten aufgebaut. Ganzjährig – also auch in den Wintermonaten – kann erlebt werden, was altes und neues Wissen in Verbindung mit gutem Gärtnerhandwerk zum Wachsen und zum Blühen bringt. Mit guter Bio-Gartenerde, Wissen vom Zinsenhof und einem Minimum an Pflege, werden so Paradeiser und Co aus fernen Ländern überflüssig.
Das knackig, frische Gemüse des Schaugartens dient nicht nur zur Besichtigung, sondern wird auch in der Betriebsküche für die Verköstigung der Mitarbeiter verwendet. Betriebsköchin Ingrid Luger versorgt täglich zwölf Personen mit selbst gezogenen und regionalen Schmankerln: „Seit langem bin ich begeistere Gärtnerin. Ich hätte nie gedacht, dass wir uns mit einer kleinen Fläche auch in der kalten Jahreszeit nahezu zu 100 Prozent mit winterhartem Gemüse selbst versorgen können.“

Altes Wissen, alte Sorten und regionaler Hochgenuss

Bio-Gemüse aus dem eigenen Garten oder Hochbeet schlägt Importware in allen Disziplinen: Es ist vitaminreicher und hat eine viel bessere Klimabilanz – das macht es gesünder für Mensch und Umwelt. In Zeiten der Krise ist es sicher verfügbar und spart darüber hinaus Geld.

Wolfgang Palme von der Versuchsstation Zinsenhof der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau hat in den vergangenen Jahren viel altes und neues Wissen zusammengetragen. Er zeigt wie einfach eine eigenständige und ganzjährige Gemüseversorgung funktioniert. Das einfache, aber beeindruckende Resümee für die heimische Frischgemüseproduktion lautet: „Ökologisch ist ressourceneffizienter, vielfältig bedeutet nachhaltiger, konsumentennahe bedeutet wirtschaftlicher“. Nicht jeder hat ausreichend Fläche im Garten oder am Balkon, um eigenes Gemüse zu ziehen. Hier kommen die Mostviertler Produzenten von Bio-Gemüse ins Spiel. Sie gewährleisten perfekte Kreislaufwirtschaft, regionale Produkte und beste Qualität.

Mostviertler Bio-Gemüsebau bis zur Wurzel

Seit 40 Jahren wird am Biohof Lutz Biogemüse aus der Region und für die Region produziert. Ohne jede Chemie werden von der Karotte bis zum Kraut nicht nur hochwertige Lebensmittel hergestellt, sondern auch biologisch haltbar gemacht. Bio Lutz produziert auf eigenen Feldern, beliefert die Region mit Bio-Ware und betreibt auch einen Hofladen.

Gemüse-Kisterl, Regionalität und Zustellservice vom Bittner-Bauer

Ambitioniert geht Manfred Bittner aus Purgstall mit voller Begeisterung einen neuen Weg: Gemüsebau, der wieder mitten in der Gesellschaft positioniert ist. Manfred Bittner hat direkt in Purgstall auf kleiner Fläche begonnen Bio-Gemüse anzubauen. Der sehr innovative Ansatz war: Anbau von Biogemüse direkt vor der Haustür. Auf wenigen tausend Quadratmetern stellt er hochwertiges und saisonales Gemüse für die Nachbarschaft her. Sehr beliebt ist auch der Zustellservice seines Bio-Kisterls. Mit dem was täglich wächst, werden Gemüsekisterl befüllt und in der Region zugestellt.

„Von der Erde bis zum Teller“ regional abgesichert

Selbstversorgung mit Gemüse für die Region bedeutet auch fruchtbare Böden in der Region. Alle vier Betriebe setzen daher auf eine Düngung mit Bio-Kompost und eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Gemüse wird hier so angebaut, wie es in der Natur auch wachsen würde. In freier Wildbahn und auf fruchtbarer Erde statt im spanischen Glashaus auf künstlichen Substraten. „Fruchtbarer Boden, Wissen und Beobachtung machen den Unterschied – wachsen und gedeihen will die Natur sowieso von selbst“ so  Wolfgang Palme von der Versuchsstation Zinsenhof.

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