Obstbauern: „Wir brauchen geschulte Saisonnieres“

„Freiwillige Erntehelfer sind für uns kein Ersatz“. Neben Klimawandel und Spätfrost ist es TirolObst-Obfrau Regina Norz derzeit besonders bange wegen fehlender Mitarbeiter in vielen Betrieben.

Spätfrost setzt den Obstbaumblüten zu.

Angespannte Nächte ohne Schlaf liegen auch hinter den Tiroler Obstbauern. Spätfrost mit tiefen Minus-Temperaturen gefährdet dieser Tage deren Ernte im Herbst. Wegen des Klimawandels blühen auch in Tirol die Obstbäume immer früher. „Wir spüren den Klimawandel extrem“, sagt Regina Norz, Obfrau des Fachverbands der Tiroler Obstbauern. Mit Frostberegnung oder kostenintensiven Frostöfen versuchen diese, ihre Kulturen zu schützen. Für noch mehr Sorgenfalten auf den Stirnen der Obstbauern sorgt zudem die Corona-Pandemie. In den kommenden Wochen werden dringend helfende Hände gesucht, denn viele Saisonarbeiter werden heuer wegen der Krise wohl ausbleiben.
„Wir sind natürlich froh über den Andrang vieler Freiwilliger und auch dankbar dafür, dass uns so viele Menschen nun als Lebensmittelhelfer unterstützen möchten. Allerdings kann man dabei nicht beliebig vorgehen. Für uns sind auch die Betriebskenntnisse der Saisonarbeiter unabdingbar.“

Komplexe Arbeitsabläufe rund um Kulturführung und Logistik

So könne etwa ein Informatikstudent oder ein beurlaubter Koch auf einem Obstbaubetrieb nicht in dem Ausmaß eingesetzt werden wie dessen langjährige Saisonniers. „Unsere komplexen Arbeitsabläufe rund um die Kulturführung bis hin zur Erntelogistik erforderen zu 80 bis 90 Prozent eingeschulte Stamm-Saisonniers, die unsere Betriebsgegebenheiten kennen und für die Dauer der gesamten Saison bleiben“, analysiert Norz. Betriebsfremde Erntehelfer dagegen stünden „oft nur zur Überbrückung für kurze Zeit“ zur Verfügung. „Wir müssen daher jetzt alles daran setzen, die Einreise unserer Saisonniers zu ermöglichen.“ Diese würden jetzt häufig auch nicht aus EU-Ländern, sondern etwa aus der Balkan-Region oder der Ukraine stammen. „Nur durch Planbarkeit und Kontinuität kann die Versorgungssicherheit bei Obst und Gemüse in Tirol aufrechterhalten bleiben. Es braucht also dringend Lösungen für die jetzigen Einreisehürden infolge der Coronakrise“, appelliert die Betriebsführerin an die Politik.
Von der Bevölkerung erfuhr Regina Norz dagegen seit dem Beginn der Krise sehr viel Wertschätzung und Aufmerksamkeit. „In bisher unbekanntem Ausmaß bedanken sich Menschen persönlich – natürlich mit Sicherheitsabstand –, wenn sie uns Bäuerinnen und Bauern jetzt bei der Arbeit sehen. Die heimische Lebensmittelversorgung hat einen absolut neuen Stellenwert erlangt“, ist sich die TirolObst-Obfrau sicher. „Die Krise zeigt uns jetzt klar und deutlich auf, wie wichtig eine heimische Agrarversorgung in einer ausreichenden Dichte an bäuerlichen Betrieben ist. Unsere Höfe gehören eindeutig zur systemrelevanten strategischen Infrastruktur im Land.“

Hanna Pixner

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  • Bluete: Agrarfoto.com
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