Noch fehlen 15.000 Hektar …

Noch bis 31. Oktober läuft die Zuckerrübenkontrahierung für den Anbau 2021. 38.000 Hektar Rübenfläche sind erforderlich, damit der Bestand der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfeld gesichert ist. Anfang dieser Woche hielt man bei 23.000 Hektar. Der vorgezogene Kontrahierungszeitraum ist für viele Rübenbauern ungewohnt. Jetzt gilt es, die erforderlichen Flächen rasch zu zeichnen. Am 32. Oktober ist es dafür zu spät.

Die Kontrahierung der Rübenflächen erfolgt wie gewohnt bei regionalen Versammlungen. Ein Vertragsabschluss ist aber auch per Internet möglich. Fotos: Oleksandr - stock.adobe.com, airdone - stock.adobe.com; Retusche: BZ/Merl

Kontrahierung bereits im Herbst statt im Frühjahr – die Misere um den Anbau von Zuckerrüben und die drohende Fabriksschließung in Leopoldsdorf machen diese Sonderregelung heuer notwendig. Denn bis Mitte November will der Rübenverarbeiter Agrana Klarheit darüber, ob 2021 ausreichend Rüben angebaut werden, um damit im nächsten Jahr zwei Fabriken auszulasten. Für die Kampagne 2021 ist deshalb die Kontrahierung der Rübenflächen bis spätestens 31. Oktober abzuschließen.

Die Mindestanbaufläche, ab der künftig die Raffination der Rübenernte in zwei Fabriken möglich ist, hat Agrana mit 38.000 Hektar festgesetzt. Bei Nichterreichen, so hat es Agrana-Chef Johann Marihart im Spätsommer verlauten lassen, werde nach Ende der laufenden Kampagne das Werk Leopoldsdorf dauerhaft geschlossen.

38.000 Hektar Rübenfläche sind machbar

Seit 1. Oktober laufen nun die Kontrahierungen. Bis 19. Oktober wurden bereits Verträge über 23.000 Hektar Anbauflächen abgeschlossen. Die Flächenvorgabe von Agrana sollte somit in den noch verbleibenden Tagen bis zum Monatsende erreichbar sein: Würden alle bisher Rüben produzierenden Betriebe ihre Anbauflächen um nur zehn Prozent ausweiten und auch jene Landwirte, die für heuer keine Zuckerrüben kontrahiert hatten, wieder in den Rübenanbau einsteigen, so könnte das Flächenziel mit einigen weiteren Neueinsteigern sogar überschritten werden, geben sich Branchenbeobachter optimistisch.

Agrana und die Rübenbauernbünde haben jedenfalls attraktive Konditionen vereinbart:

Drei-Jahres-Vertragsmodell bis 2022 mit Mindestpreisen von 32 Euro/t netto. Für Lieferrechtsrüben Zuschlag von 2 Euro zur Rübenplatzmiete.

Risikoabsicherung durch eine staatliche Wiederanbauprämie von 250 Euro/ha nach Schädlingsbefall.

Rübenbauern, die über die Hagelversicherung ernteversichert sind, erhalten wie bisher für den Wiederanbau 250 Euro/ha.

Gratis-Saatgut für Wiederanbau.

Saatgut mit Neonicotinoid-Beize wird nach positivem Abschluss des Bienenmonitorings verfügbar sein.

Zusatzeinkommen mit Kombi-Verträgen für Nassmais/Ethanolgetreide.

Unterstützung durch Agrana bei überbetrieblicher Bereitstellung von Maschinen.

Kontrahierung

Zur Rübenkontrahierung 2021 bietet Agrana mehrere Möglicheiten für einen Vertragsabschluss:

Bereits seit 1. Oktober laufen die Kontrahierungsversammlungen.  Agrana bietet Termine online oder  unter Berücksichtigung der Covid-19-Maßnahmen auch in kleineren Gruppen. Termininfos erhalten die Rübenbauern laufend.

Kontrahierungsformular unter
ris.agrana.com herunterladen und ausgefüllt per Mail bzw. Post an den Agrana-Gebietsbetreuer retournieren.

Online-Kontrahierung über das RIS-System unter ris.agrana.com

Weitere Informationen direkt bei: Gottfried Klinghofer,
Tel. 0676/8926 11275,

Warum diese Landwirte der ZuckerRübe treu bleiben

Christian Zehetbauer
FOTO: privat

Christian Zehetbauer: Rübe entlastet andere Sparten

Christian Zehetbauer (49) aus Probstdorf im Marchfeld ist überzeugt. „Wir sollten alles tun, um die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf zu erhalten.“ Auf seinem Ackerbaubetrieb liegt der Hauptfokus zwar auf der Produktion von Tiefkühlgemüse für das Ardo-Werk in Groß Enzersdorf sowie auf Saatgutvermehrungen für die Probstdorfer Saatzucht, dennoch will Zehetbauer den Rübenanbau beibehalten und auch wieder ausweiten. Denn ohne das Werk in Leopoldsdorf würden Zuckerrüben in der Region aufgrund der steigenden Transportkostenbeteiligung wohl gänzlich unrentabel. „Was aber dann mit den etwa 2.000 bis 3.000 Hektar Flächen, auf denen bisher Rübe stand? Der Marktdruck auf andere Sparten im Ackerbau würde stark zunehmen“, meint der Landwirt. Auch wenn der Zuckerrübenanbau im Marchfeld durch Käferfraß, Cercospora-Druck oder vermehrt Trockenheit einige Handicaps zu tragen hat, sollte er beibehalten werden. Zehetbauer: „Die Kontraktkonditionen passen. Es kann nichts schiefgehen, wenn man es mit der Rüben noch einmal probiert.“

Kurt Huber
FOTO: privat

Kurt Huber: Rübenbau ist
wichtiger Teil der Fruchtfolge

„Mir ist der regelmäßige Wechsel zwischen Halm- und Blattfrüchten wichtig“, nennt Kurt Huber (44), Ackerbauer in Rohrau, Bezirk Bruck/Leitha, seinen Beweggrund, den Anbau von Zuckerrübe beizubehalten. Und das, obwohl der Rübenderbrüssler auch auf seinen Feldern stark gewütet hat. Von 15 Hektar sind heuer 5 Hektar dem Käfer zum Opfer gefallen. Dennoch bleibt die Rübe für Huber ein fixer Teil der Fruchtfolge. „Meine Söhne Simon und David sind begeisterte Landwirte. Ihnen möchte ich zeigen, dass die Zuckerrübe einfach zum Handwerkskoffer für einen gesunden Boden gehört.“ Mit fünf Cercosporabehandlungen hat Huber den verbliebenen Rübenbestand gut über den Sommer gebracht. Voraussichtlich konnte er damit einen Teil der Verluste durch den Käfer wieder wettmachen. „Die Ernte wird Anfang November starten.“

Ernst Bernreiter
FOTO: privat

Ernst Bernreiter: Ich hoffe, dass der Käfer abstirbt

„Es wäre schade um die Rübe, aber ich muss ja auch von etwas leben“, sagt Ernst Bernreiter (43), der in Hippersdorf im Bezirk Tulln einen 52 Hektar-Ackerbaubetrieb führt. Seit drei Jahren gefährdet der Rübenderbrüssler den Rübenanbau auch in dieser Region. Bernreiter verzeichnete auf seinem Betrieb in den beiden vergangenen Jahren stets Totalausfälle. „Acht Hektar Rüben waren in zwei Tagen weg.“ Zum Anbau 2021 steigt er mit vier Hektar erneut ein. Er hofft, dass die heurige feuchtere Witterung dem Käfer den Garaus macht.

Hans Maad

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