Neue Infotafeln sollen dreiste Sportler bremsen

Angesichts boomender Freizeitsportarten, die querfeldein über Wald und Wiesen führen, fordert der Bauernbund mehr Verständnis für Eigentumsrechte und den Lebensraum von Tieren und Pflanzen.

Aufklärung ist gefragt, wo immer mehr Menschen digitalen Routenvorschlägen folgen.

Rekordumsätze im Fahrradfachhandel, überfüllte Parkplätze in Wandergebieten und regelrechte Staus in den Bergen: Die jüngsten Pressemeldungen machten deutlich, dass sich die Freizeit vieler Landsleute derzeit in der heimischen Natur abspielt. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung verstärkt. Der stark vorangetriebene Verkauf von E-Bikes hat auch zur Folge, dass durch die neue Technik Wege befahren werden können, die bisher außerhalb der konditionellen Möglichkeiten vieler Freizeitsportler waren. Auf Eigentumsrechte wird dabei oft wenig geachtet. Gefahren wird auch abseits von bestehenden Wegen.

„Viele Menschen denken sich nichts dabei, wenn sie über Wiesen und Weiden gehen oder mit dem Mountainbike fahren. Doch für die Bäuerinnen und Bauern führt dies zu Einbußen in der Futtermenge- und Qualität“, erläutert Max Hiegelsberger, Landesobmann des OÖ Bauernbundes. Gerade im Frühling und Frühsommer radeln und wandern die Erholungssuchenden durch die Kinderstube der Pflanzen- und Tierwelt. „Schäden, die in dieser sensiblen Zeit verursacht werden, können nicht mehr rückgängig gemacht werden“, so Hiegelsberger.

Quelle: BZ/mursch-edlmayr
Von links: Christian Mayr, Max Hiegelsberger, Wolfgang Wallner

Handy-Apps: Vorgeschlagene Wege sind oft gar nicht erlaubt

Ein neues Problem stellen die verschiedenen Apps dar, die Mountainbiker und Wanderer für ihre Routenführung verwenden. Diese bieten die Möglichkeit, gefahrene Routen hochzuladen – egal ob erlaubt oder nicht, denn dafür übernehmen die App-Betreiber keinerlei Gewähr und Verantwortung. „Die weiteren Nutzer bekommen den Routenvorschlag und wissen dann gar nicht, dass sie dort nicht fahren dürfen“, sagt Bauernbund-Direktor Wolfgang Wallner. So würden regelrecht neue Wege entstehen. Dass sich das alles auf privatem Grund abspielt, ist zu allem Übel den meisten Freizeitsportlern nicht einmal bewusst. Christian Mayr, Landwirt am Pöstlingberg, bestätigt aus zigfacher eigener Erfahrung: „Leute gehen direkt über Wiesen und machen ein Picknick oder spielen Federball. Wenn man sie anspricht, ist den meisten nicht einmal klar, dass es sich dabei um Privatgrund handelt“, sagt Mayr. Auch ein neuer, unerlaubter Mountainbike-Weg auf den Pöstlingberg sei frisch entstanden. „Fährt einer dort, fahren alle dort“, sagt Mayr und spricht sich für eine klare Beschilderung aus. Hundebesitzer wiederum würden geltende Leinenpflichten ignorieren.

Auch Hundekot und Müll gehören nicht in die Natur

Apropos Hunde: Deren Besizer fordert die Bauernschaft ebenso auf, ihren Pflichten nachzukommen – nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Natur. Hundekot ist für den Wiederkäuer-Magen sehr gefährlich, das „Sackerl fürs Gackerl“ daher überall Pflicht. Wenig bringt es jedoch, wenn der Hundekot gemeinsam mit dem Sackerl in der Umwelt entsorgt wird. Ebenso stellt Müll eine Gefahr für Nutz- und Wildtiere dar. Immer wieder verenden Tiere qualvoll durch Blechdosen oder Plastikreste im Futter. „Den Kot seines Hundes und den eigenen Müll wegzuräumen sollte selbstverständlich sein. Schon aus Respekt vor weiteren Spaziergängern und spielenden Kindern, vor allem aber, weil die Auswirkungen bei Wiederkäuern dramatisch sind“, sagt Wallner.

Der OÖ Bauernbund setzt auf Aufklä­rung und bittet die Wanderer und Mountainbiker um Einsicht und Rücksicht in Feld und Flur sowie um die Wahrung der Eigentumsrechte. Neue und ab sofort erhältliche Infotafeln sol­len dabei helfen. Schließlich gehe es für die Bauern um Ertragsgrundlagen, Bo­denfruchtbarkeit und Sicherheit für die Tiere. Aber auch die Sicherheit der Menschen, die ihre Freizeit genießen, muss gewahrt bleiben. So sollte zum Beispiel auch die Sperrung eines Waldweges während Forstarbeiten auch akzeptiert und nicht ignoriert werden. „Das Um und Auf ist ein konstruktives Miteinander“, sagt Hiegelsberger und bittet um beiderseitiges Verständnis und Toleranz: „Bewegen wir uns achtsam durch unsere Natur. Sie ist Erholungsraum für uns, aber auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Grundlage unserer Lebensmittelproduktion.“

Es gibt Regeln

  • Landwirtschaftliche Grundstücke dürfen nur mit Zustimmung des Eigentümers beziehungsweise des Bewirtschafters betreten werden.
  • Im Wald sind Radfahren und Reiten ohne Zustimmung des Eigentümers nicht erlaubt, das Betreten ist mit Ausnahmen generell erlaubt.
  • Bei Wiesen und Feldern ist eine Zustimmung des Eigentümers für das Betreten erforderlich.
  • Das Aneignen von Früchten ohne Zustimmung ist nicht erlaubt.

Mit der neuen Infotafel „Bitte nicht betreten oder befahren“ will der
OÖ Bauernbund auf diese Gegebenheiten aufmerksam machen. Die Tafel ist im Webshop (www.ooe.bauernbund.at/shop) zum Preis von zehn Euro erhältlich.

- Bildquellen -

  • Pressekonferenz: BZ/mursch-edlmayr
  • Betretungsverbot: U. J. Alexander - Adobe.Stock / BZ/Fleischanderl
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