Moosbrugger: „Langweilig wird mir derzeit nicht“

Josef Moosbrugger ist derzeit mit intensivem Homeoffice, aber auch mit Feldarbeit beschäftigt. Die BauernZeitung hat ihn auf seinem Traktor erreicht.

Josef Moosbrugger kann derzeit am ehesten bei der Routinearbeit in seinem Kuhstall abschalten. Foto: Selfie

BauernZeitung: Wie geht es Ihnen, wie verbringen Sie die Tage?

Moosbrugger: Danke gut! In der Früh um fünf Uhr stehe ich im Stall und melke meine Kühe. Nach dem Frühstück geht es meistens schon los mit Telefonaten und auch Videokonferenzen. Das funktioniert einwandfrei. Viele Telefonate – wie auch unseres – kann ich vom Traktor aus mit Ohrenstöpseln führen. Am frühen Abend ist dann wieder Stallarbeit angesagt. Danach sind fast immer noch unzählige Mails zu beantworten. Langweilig wird mir nicht gerade. Trotz aller Herausforderungen ist es auch einmal schön, mehr Zeit zu Hause und am Hof zu verbringen.

Also keine Probleme bei der Umstellung auf das „Hof-Office“?

Es hat ja schon bisher zu meinem Job als LK Österreich-Präsident dazugehört, flexibel und mobil zu sein. Von daher alles bestens!

Was brauchen Bauern nun am nötigsten?

Wie in anderen Branchen gibt es auch in der Landwirtschaft extreme Verwerfungen. Bisher sichere Absatzmärkte gibt es plötzlich nicht mehr. Auch das Wegbrechen der Fremdarbeitskräfte ist ein riesiges Thema, um nur zwei Beispiele zu nennen. Unsere Aufgabe ist es, mit der Regierung alle Entwicklungen täglich neu zu bewerten und rasch Lösungen zu erarbeiten.

Womit sind Sie derzeit im familiären Umfeld konfrontiert?

Auch wir verfolgen die täglichen Nachrichten mit einiger Sorge. Unsere Tochter absolviert gerade ein Auslandssemester in Finnland, das macht angesichts der gravierenden Veränderungen schon ein mulmiges Gefühl. Und unser Jüngster steht vor der Matura und weiß nicht, worauf er sich einstellen kann. Doch auch dafür wird es eine Lösung geben. Wichtig ist, dass wir alle gesund bleiben.

Was geht Ihnen ab?

Dass, was sonst normal war, etwa der direkte, persönliche Kontakt und Austausch mit Bäuerinnen und Bauern, aber auch Regierungsmitgliedern und meinen Mitarbeitern in Wien und Vorarlberg nun komplett wegfällt. Aber dank der neuen Medien lässt sich das wichtige politische Tagesgeschäft auch so organisieren.

Kommen Sie auch mal zur Ruhe?

Derzeit, ehrlich gesagt, wenig. Die Corona-Krise fordert und beschäftigt mich nahezu rund um die Uhr. Kurz abschalten kann ich am ehesten bei der Routine der Stallarbeit und im Gespräch mit meiner Familie.

Was hat Sie in den vergangenen Tagen besonders bewegt?

Im Grunde haben wir alle mit einem Sicherheitsgefühl gelebt, als könnte uns selbst nichts passieren. Jetzt sehen wir, wie schnell und mit welcher Wucht all das aus dem Gleichgewicht geraten kann. Auf der anderen Seite freut mich, welche Wertschätzung wir Bäuerinnen und Bauern gerade erleben. Der Bundeskanzler und diverse Minister würdigen öffentlich unsere Arbeit. Aber auch Menschen, die bisher nichts mit der Landwirtschaft am Hut hatten, rufen plötzlich ihre Freunde in den Social Medias auf, regionale Lebensmittel zu kaufen.

Was stimmt Sie optimistisch?

Der starke Zusammenhalt, den wir in unserem „Team Österreich“ derzeit erleben – ich mag diese Bezeichnung wirklich. Regierung und Sozialpartner arbeiten wie selbstverständlich zusammen, um das Beste für unser Land und die Menschen zu erreichen. Alle sind sich ihrer wichtigen Verantwortung in dieser Situation bewusst.

Gab es auch Grund zum Lachen?

Ja auch. Trotz allem herrschen unter uns Bäuerinnen und Bauern viel Mut, Zuversicht und auch Humor. Und das tut mehr als gut.

Interview: Bernhard Weber

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