Maisanbau ohne TBA? Wir schaffen das!

Geänderte Anwendungsbestimmungen bei wichtigen Herbiziden und neuen Regeln in der ÖPUL-Maßnahme Vorbeugender Grundwasserschutz Acker erfordern Anpassungen bei den Herbizidstrategien in Mais. Kurt Graf, Pflanzenschutzexperte bei der RWA, gibt einige Hinweise zur Bewältigung der Herausforderungen.

Auch wenn der Einsatz von Terbuthylazin eingeschränkt ist, stehen ausreichend bodenwirksame Alternativen zur Verfügung.

Nur noch alle drei Jahre auf derselben Fläche! Diese neue Zulassungsauflage für den Wirkstoff „Terbuthylazin“ (TBA) wird mit der heurigen Mais-Saison voll schlagend. Denn der Beginn dieser Dreijahres-Frist ist bereits rückwirkend mit dem Jahr 2021 wirksam. Auf die Produktauswahl für die Unkrautbekämpfung in Mais hat diese Auflage somit wesentlichen Einfluss, wie im folgenden Fachbeitrag ausführlich erläutert wird.

Nur alle drei Jahre auf derselben Fläche

In der Saison 2022 konnten Produkte, welche noch nach den „alten“ Bestimmungen etikettiert waren, bis 14. Juni aufgebraucht werden – unabhängig davon, ob 2021 und/oder 2020 Terbuthylazin auf der jeweiligen Fläche eingesetzt wurde. Auf diesen Flächen ist nun aber der Terbuthylazin-Einsatz für 2023 und 2024 nicht mehr möglich. Erst im Jahr 2025 kann der Wirkstoff hier wieder verwendet werden. Die untenstehende Tabelle zeigt, wie die Dreijahres-Regel anzuwenden ist.

Die TBA-Anwendungsauflage betrifft eine Reihe von Produkten. Hier eine Auswahl in alphabetischer Reihenfolge:
Akris, Aspect pro, Basar plus, Calaris, Click pro, Deluge Extra, Gardo Gold, Spectrum Gold, Successor T und Successor TX.
Sämtliche zugelassenen TBA-haltigen Produkte sind im Pflanzenschutzmittelregister der AGES abrufbar. Zu berücksichtigen ist dabei unbedingt, dass sich viele der Einzelprodukte auch in den unzähligen Kombipackungen „verstecken“, aus deren Handelsbezeichnung allerdings oft nicht hervorgeht, welche Wirkstoffe enthalten sind.

Grundwasserschutz und ÖPUL-Regeln

Bezüglich der Unterscheidung zwischen Wasserschutz- und Schongebieten sowie der ÖPUL-Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz Acker 2023“ wurde zuletzt sehr viel verwechselt, vermischt und auch nicht korrekt publiziert. Deshalb hier folgende Klarstellung:

Unzulässige Wirkstoffe im Schutz-/Schongebiet

Bereits seit Jahrzehnten sind in Österreich, aufgrund wasserrechtlicher Bestimmungen, Wasserschutz- und Schongebiete explizit per Gesetz ausgewiesen. In diesen Gebieten dürfen aktuell folgende Wirkstoffe nicht angewendet werden:
• Terbuthylazin,
• Dimethachlor (enthalten in Colzor Trio) und
• Metazachlor (enthalten in Fuego, Butisan u. a.).
Diese Auflagen sind auch ein Bestandteil des Zulassungsbescheides eines Produktes und im AGES-Register unter „Sonstige Auflagen und Hinweise“ eingetragen.

Freiwilliger Verzicht bei ÖPUL-Maßnahme

Mit dem neuen ÖPUL 2023 gibt es nun zusätzlich die Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz Acker“. Für diese Maßnahme wurde eine Gebietskulisse definiert (siehe Grafik), die sich mit bestehenden Wasserschutz- und Schongebieten decken kann, aber nicht muss. Die Teilnahme an der ÖPUL-Maßnahme Vorbeugender Grundwasserschutz Acker ist freiwillig. Wer sich dazu verpflichtet, muss auf den betreffenden Flächen beim Anbau von Winterraps, Mais, Sorghum, Sojabohne und Zuckerrübe auf den Einsatz folgender Wirkstoffe verzichten:
• Terbuthylazin,
• Dimethachlor,
• Metazachlor
• sowie zusätzlich auch S-Metolachlor (etwa in Dual Gold, Basar).
Was aber bedeuten diese Einschränkungen für die erfolgreiche Unkrautbekämpfung im Mais? Grundsätzlich gilt weiterhin die Empfehlung, jedenfalls Terbuthylazin anzuwenden, wenn das die Auflagen auf der jeweiligen Fläche erlauben.

Wenn möglich, nicht auf TBA verzichten

Der Vorteil dieses Wirkstoffes liegt einerseits in seiner Preiswürdigkeit und anderseits – weil boden- und blattaktiv – in seiner flexiblen Wirkungsweise. Für TBA spricht auch die gute Wirkung gegen Ehrenpreis und die Absicherung anderer Wirkstoffe bei der Bekämpfung von Knöterich. Ferner hat sich TBA auch als „Booster“ zur Verstärkung des Wirkstoffes Mesotrione etabliert und ist zudem noch optimal für ein erfolgreiches Resistenzmanagement. Auch in der Saatgutproduktion spielt TBA aufgrund seiner Vielseitigkeit und Verträglichkeit eine wesentliche Rolle für effiziente Unkrautbekämpfung. Die in der Praxis bewährten Kombinationen Aztec Komplett, Elumis Eco WG, Laudis Aspect pro und Omega Gold Pack werden schließlich weiterhin angeboten.

Bodenaktive Alternativen

Wo der Einsatz von TBA-Produkten heuer nicht möglich ist, wird man als bodenaktive Wirkstoffe zu Dimethenamid-P (Spectrum), Pendimethalin (Spectrum plus, Stomp Aqua), S-Metholachlor (Dual Gold) oder Pethoxamid (Successor 600) greifen müssen.
Wiederholt sei hier die Empfehlung aus den vergangenen Jahren, die Unkrautbehandlung einmal im Vor- auflauf mit Adengo oder Spectrum plus durchzuführen. Zu beachten ist dabei, dass die Bodenfeuchtigkeit die entsprechenden Anforderungen der Produkte erfüllt. Für eine eventuell notwendige Korrekturmaßnahme stehen günstige Soloprodukte zur Verfügung. Diese Empfehlung war bisher vor allem der „Hirseproblematik“ geschuldet (speziell im Süden und Südosten Österreichs). Heuer ist sie durch die Terbuthylazinauflagen erneut aktuell.
Alle für den Maisbau namhaften Anbieter von Pflanzenschutzmitteln haben schon bisher gute TBA-haltige bzw. TBA-freie Kombinationen in ihrem Portfolio. Die neuen Auflagen werden aber zu Verschiebungen zwischen diesen Varianten führen.

Angepasste Kombi-Packs

Bis dato waren Arrat Maispack, Kwizda Maispack oder Elumis Peak-Pack gute Nachauflaufkombinationen ohne Bodenwirkung. War diese gewünscht, dann wurde ein bodenwirksames Produkt beigemischt. Dies gilt unverändert auch für die heurige Saison.
Gröbere Änderungen wurden bei den verschiedenen Kombipackungen mit Aspect pro durchgeführt. Zwar ist der Marktleader Laudis+Aspect weiterhin verfügbar, alle weiteren Packungen wurden aber vom Markt genommen (abgesehen von Restmengen bei Wiederverkäufern).
Die so entstandene Lücke füllt Bayer nun mit der neuen „Plus“-Linie: Capreno Plus, Laudis-Monsoon Plus und Maister Power Plus. Das Plus in den Produktbezeichnungen steht für das neue Dicamba-Produkt Oizysa D 480 SL (480 g/l) in diesen Packungen. Vorteile ergeben sich in den Wirkungen auf Distel und Winde, aber auch im Hinblick auf das Resistenzmanagement. Wer auf eine zusätzliche sehr gute Bodenwirkung Wert legt, muss diese gesondert erwerben und kann sich dazu eines der oben erwähnten Produkte bedienen. Zusätzlich wird 2023 Aspect pro erstmalig auch als Soloprodukt angeboten – für jene Flächen, wo TBA eingesetzt werden kann.

Zielgerichtete Eigenkombinationen

Eine interessante Wirkstoffkombination kommt auch mit dem Produkt Botiga auf den Markt. Es handelt sich um eine Formulierung aus Mesotrione plus Pyridate und besitzt mit 1,0 l/ha, im 2- bis 8-Blattstadium von Mais eingesetzt, eine sehr gute Wirkung gegen einjährige, zweikeimblättrige Unkräuter und auch gegen Hühnerhirse. Pyridate alleine besitzt eine gute Wirkung gegen zweikeimblättrige Unkräuter und fungiert (ähnlich wie TBA) als Wirkungsverstärker von Mesotrione.
Um Wirkungslücken (Windenarten, Bodenwirkung) zu schließen, sind Tankmischungen mit Mais Banvel flüssig und Spectrum möglich.
Erstmals solo angeboten wird auch Casper, die Wirkstoffkombination aus Prosulfuron und Dicamba mit einer sehr guten Breitenwirkung gegen zweikeimblättrige Unkräuter, inklusive Ackerwinde und Distel. Gut wirksam ist Casper zudem gegen andere schwerer bekämpfbare Arten wie Huflattich, Beinwell, Landwasserknöterich, Stechapfel, Topinambur. Die Anwendung solo kann mit Netzmittelzusatz erfolgen oder als Mischpartner mit anderen Produkten, was eine Wirkungsabsicherung oder -ergänzung ermöglicht.
Tipp: Auch das blattaktive Produkt Diniro gewinnt an Bedeutung, eine Fertigformulierung von Prosulfuron und Dicamba (Casper) plus Nicosulfuron (SL 950). Diniro zählt zu den preiswürdigsten Varianten – auch wenn man zur Wirkungsverbreiterung einen Bodenpartner gesondert dazukaufen muss.

Maiswurzelbohrer und Drahtwurm – Die Befallssituation bei Bodenschädlingen, speziell Drahtwurm und Maiswurzelbohrer, ist weiterhin ernst. Der Maiswurzelbohrer hat sich zwar ausgebreitet, ist aber als Schadfaktor eher als gemäßigt einzustufen. Demgegenüber wurden die Schädigungen durch Drahtwurmbefall in jüngerer Vergangenheit mehr und mehr zum Problem. Diese Wirkstoffe oder Handelspräparate stehen zur Drahtwurm-
Bekämpfung zur Verfügung:
• Belem 0.8 MG (Wirkstoff: Cypermethrin, 8 g/kg),
• Picador 1,6 MG (Wirkstoff: Cypermethrin, 16 g/kg),
• Force Evo (Wirkstoff: Tefluthrin, 5 g/kg).
Die Produkte unterscheiden sich zunächst in den Hektarkosten. Am günstigsten kommt Belem 0,8 MG, am teuersten ist eine Anwendung von Force Evo. Dagegen liegt Picador 1,6 MG hinsichtlich der Kosten im Mittelfeld.
Unterschiede bestehen auch in der Wirkungsweise. Tefluthrin (Force Evo) entwickelt im Gegensatz zu Cypermethrin eine gewisse Dampfphase. Damit diese Dampfphase entstehen kann, braucht es allerdings entsprechende Bodentemperaturen. Zudem hat Force Evo noch einen „Startereffekt“ für schnellere Jugendentwicklung des Maises, da das Produkt auch geringe Anteile an Stickstoff, Phosphor, Mangan und Zink enthält.
Cypermethrin dagegen hat eine Halbwertszeit (DT50) von 14 bis 105 Tagen (je nach Bodenart), also besitzt Picador 1.6 MG mit dem doppelten Wirkstoffgehalt wie Belem 0.8 MG und gleicher zugelassener Aufwandmenge eine längere Wirkungsdauer. Dieser steht Tefluthrin mit einer Halbwertszeit (abhängig von der Bodenart) von 48 bis 151 Tagen gegenüber.
Betreffend der „Wirkungssicherheit“ halten sich alle Vertreiber etwas zurück, speziell bei größerem Druck durch schädigende Larven. Bei der Ausbringung der Produkte mittels Granulatstreuer in die Saatrille ist unbedingt auf eine gute Verteilung zu achten, was bei Cypermethrin (ohne Dampfwirkung) noch wichtiger ist als bei Tefluthrin. Eine Bodenabdeckung der Granulate muss gewährleistet sein, was auch in den Anwendungsauflagen der Zulassung vorgeschrieben ist.

| Ing. Kurt Graf ist Pflanzenschutzexperte der Raiffeisen Ware Austria |

- Bildquellen -

  • 2313 W Mais Herbizid: agrarfoto.com
- Werbung -
AUTORH.M.
Vorheriger ArtikelPhotovoltaik: Vorschläge der Jungbauern
Nächster ArtikelAgrar-Terminmarkt (30. März ’23) / Der Markt greift wieder Richtung höhere Preise