Mais- und Sojajahr 2016 – sind die Weichen am Markt bereits gestellt?

Mais oder Soja? Das ist die Frage, die sich Landwirte vor der Aussaat im Frühjahr stellen. ©agrarfoto.com
Mais oder Soja? Das ist die Frage, die sich Landwirte vor der Aussaat im Frühjahr stellen. ©agrarfoto.com
Sowohl beim Mais, als auch bei Soja blicken wir auf weltweit prall gefüllte Lager. Seit der Herbsternte 2015 haben die Lagermengen, sowie die schwache Weltkonjunktur die Preisgefüge zum Erodieren gebracht. Nach einer riesigen US-Ernte hat das Wetter im Winter auch in Südamerika durchgehalten, und stellt nun hervorragende Erträge bei den drei größten Sojaproduzenten Brasilien, Argentinien und Paraguay in Aussicht. Eine Sojabohnen-Weltproduktion von annähernd 320 Millionen (Mio.) Tonnen (t) hat trotz guter Nachfrage vor allem aus China ein Anschwellen der Endbestände von knapp 60 auf fast 80 Mio. t im Vorjahr bewirkt. Auch für das Ende dieses Vermarktungsjahres werden wieder knapp 80 Mio. t erwartet.Beim Mais steuern wir im auslaufenden Wirtschaftsjahr mit knapp 970 Mio. t globaler Ernteerwartung auf die dritte globale Rekordernte in Folge zu! Bei den Welt-Endlagerbeständen wird ebenfalls ein neuerlicher Anstieg von 205 auf 207 Mio. t erwartet.

Setzt sich Soja weiter vom Mais ab?

Produktionsverlauf und Überlager Mais und Soja 2013-2015 ©BZ
Produktionsverlauf und Überlager Mais und Soja 2013-2015 ©BZ
In den letzten Wochen war bei der Bohne ein moderater Anstieg zu sehen, während Mais mehr oder weniger seitwärts tendierte. Die knappe Versorgungsbilanz bei anderen wichtigen Ölsaaten (Palmöl, Raps und Sonnenblumen) macht sich in einer stärkeren Bohnennachfrage seitens Verarbeitern bemerkbar. Vor allem Palmöl ist momentan knapp und die Rohstoffnachlieferung könnte durch anhaltende Trockenheit in den Produktionsgebieten Südostasiens bis zum Jahresende hin eingeschränkt bleiben. Mais dürfte hingegen durch die hohen Überlager gebremst bleiben. Zusätzlich lähmt die drückend gute globale Verfügbarkeit von Weizen stärkeren Maiseinsatz in der Fütterung. Der letzte USDA-Report vom 31. März 2016 machte auf sich aufmerksam, da für den US-Frühjahrsanbau 2016 eine deutliche Ausweitung der Maisflächen (von 35,6 auf 37,9 Mio. Hektar) bei gleichzeitig leichter Reduktion der Sojaflächen (von 33,46 auf 33,25 Mio. Hektar) prognostiziert wird. Das Zahlenmaterial des Reports beruht allerdings auf Befragungen unter Landwirten von Anfang März, ehe sich die Sojapreise deutlich festigten. Die Verschiebung macht also Soja momentan interessanter für die US-Farmer. Dies könnte in den nächsten Wochen noch eine größere Zahl an Personen dazu motivieren, ihre Mais-Planflächen auf Sojabohnen zu konvertieren.

Größtes Fragezeichen liegt im US-Frühjahrswetter

Im Vorjahr war das Wetterphänomen El-Niño besonders stark ausgeprägt und hat weltweit für Wetterabnormitäten gesorgt. Die amerikanischen Mais- und Sojaanbaugebiete profitierten durch gute und regelmäßige Niederschlagsversorgung davon – im Frühsommer sorgten sogar heftige Niederschläge für kurzzeitige Überschwemmungen und Nervosität unter den Marktteilnehmern. Momentan klingt der El-Niño ab und gebietsweise stellt sich in den Great Plains noch vor der Hauptanbauwelle Trockenheit ein. In den letzten 30 Jahren folgte dem El-Nino in den USA mehrheitlich ein weiteres Wetterphänomen – La-Niña. Dieses wirkte sich aber in den US-Ackerbaugebieten genau gegenteilig – mit geringen Niederschlägen und Trockenheit aus.

Preiserholung möglich – Luft nach oben aber dünn

Bei anhaltenden Wetterabnormitäten ist zwar eine Erholung möglich, vor den hohen Überlagerbeständen bleibt aber die Luft nach oben weiterhin sehr dünn. Der Frühsommer könnte aber allemal ein volatiles Kursgefüge mit kurzfristigen Ausreißern nach Norden bieten. Eine längerfristige Erholung mit deutlich festeren Kursen ist momentan aber noch nicht zu sehen.

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