Köstinger: GAP 2020+ nicht NGOs überlassen

Einen Appell an alle Bäuerinnen und Bauern, sich aktiv an der Diskussion über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik zu beteiligen, richtete EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger bei ihrem Besuch in Tirol am Donnerstag letzter Woche.

Es ist ganz entscheidend, dass sich Menschen aus der landwirtschaftlichen Praxis an dieser Diskussion beteiligen. Wir dürfen das Spielfeld nicht den bestens organisierten und auch gut finanzierten NGOs und Theoretikern überlassen“, so die eindringliche Botschaft der Bauernbund-Mandatarin. Bei ihrem Tirol-Tag konnte sie dem VP-Landtagsklub aus erster Hand aus Brüssel berichten, am Abend stand sie interessierten Bäuerinnen und Bauern bei einer Diskussion im Rahmen der Vater-Elterntage an der LLA Weitau Rede und Antwort.
Köstinger wies darauf hin, dass es immer schwieriger werde, den Finanzrahmen der EU für die Landwirtschaft auch für die Zukunft aufrechtzuerhalten: Aktuelle Themen wie etwa der Brexit und die Flüchtlingskrise hätten auch großen Einfluss auf die Agrarpolitik der Zukunft. Es gelte daher, sich rechtzeitig mit Argumenten zu rüsten. Dazu einige Zahlen: Der Handel der EU mit Großbritannien hat ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro – pro Tag! Die jährliche Ausfuhr von Agrargütern auf die Insel hat einen Wert von 43 Milliarden Euro. Und das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU bedeutet einen Verlust von 5 Milliarden jährlichen Beitragszahlungen.  „Eine der Herausforderungen wird es sein, die vielfältigen Aufgaben der Landwirtschaft im Alpenraum noch besser darzustellen und zu kommunizieren.“ Insgesamt werde der öffentliche Druck auf die Landwirtschaft immer stärker auch im Alltag spürbar, vom Mistführen bis zu Lärm- und Geruchsbeeinträchtigungen. „Dem steht das immer größer werdende Bedürfnis der Bevölkerung nach regionalen Produkten gegenüber – möglichst bio und gentechnikfrei, aber das soll alles nichts kosten“, so die Abgeordnete. Dazu kommen schärfere Forderungen, etwa beim Tierschutz. „Die kommen aber nicht aus der Politik, sondern sehr stark von Lebensmittelketten und treffen vor allem die kleineren Betriebe. So wie wir acht Millionen Fußballtrainer in Österreich haben, haben wir mittlerweile acht Millionen Agrarexperten“, formulierte es die Parlamentarierin plastisch. Dazu komme eine unglaubliche Marktkonzentration des Lebensmittelhandels und der Industrie: 86 Prozent des österreichischen Lebensmittelhandels entfallen auf drei Lebensmittelketten. EU-weit stehen den 13 Millionen Landwirten nur mehr 15 Handelsketten gegenüber. Köstinger: „Hier fordern wir vom EU-Parlament aus ganz klar Maßnahmen im Wettbewerbs- und Kartellrecht, um unlautere Handelspraktiken zu unterbinden. Wir brauchen künftig Modelle, in denen sich bäuerliche Erzeuger stärker zusammenschließen und alternative Vertriebswege aufbauen.“
Beim Thema der vielzitierten überbordenden Brüsseler Bürokratie räumte sie mit Vorurteilen und Märchen auf: „Ein Gutteil der Ursachen für diese Bürokratie liegt in den einzelnen Nationalstaaten“, so Köstinger.
GAP 2020+: Machen Sie mit!
Zur Erinnerung: Die EU-Kommission hat eine öffentliche Befragung gestartet und auf ihrer Website einen Fragebogen eingestellt. Anhand dieser Konsultation können alle Bäuerinnen und Bauern bis zum 2. Mai 2017 ihre Vorstellungen und Wünsche online abgeben. Machen Sie mit!
Hier geht es zum Fragebogen:
https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/FutureCAP?surveylanguage=DE

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AUTORAndreas Humer
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