Die Trockenheit und der Borkenkäfer sind eine tödliche Mischung. Dieser Schädling entwaldet gerade ganze Regionen in Ober- und Niederösterreich. Das Schadholzausmaß ist so hoch wie noch nie zuvor – das ist alarmierend“, betonte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. Gemeinsam mit den bäuerlichen Abgeordneten der Region ist sie aktuell in ganz Österreich unterwegs, um sich persönlich ein Bild von der prekären Situation in den heimischen Wäldern zu machen. Dabei legte sie vergangene Woche auch wieder einen Stopp in Oberösterreich ein.

Betroffener Waldbauer: „Die Situation ist frustrierend“

Bei einem Lokalaugenschein im Bezirk Wels-Land besichtigte die Landwirtschaftsministerin gemeinsam mit dem Nationalratsabgeordneten Klaus Lindinger sowie Bauernbund-Bezirks­obmann Leopold Keferböck und seinem Team eine Schadholzfläche in Wels-Land, genauer gesagt in der Gemeinde Sipbachzell. Auf einem kleinen Waldstück am Betrieb der Familie Weinbergmair hat der Borkenkäfer großen Schaden angerichtet: „200 Festmeter Schadholz haben wir hier innerhalb von zwei Jahren aufarbeiten müssen“, zeigt Alfred Weinbergmair auf die betroffene Fläche. Für ihn sei die Situation einfach frustrierend: „Der Käfer macht selbst vor einem jungen Waldbestand nicht Halt. Wir wissen nicht mehr was wir anpflanzen sollen“, so der Betriebsführer. So wie ihm geht es derzeit vielen bäuerlichen Waldbesitzern in Oberösterreich. Von den bundesweit 4,3 Millionen Festmetern Schadholz, die vergangenes Jahr dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, kommt immerhin ein Viertel aus dem Land ob der Enns.

Köstinger fordert mehr Solidarität der Holzindustrie

Druck auf den Waldbestand besteht derzeit in doppelter Hinsicht. Einerseits fallen primär durch den grasierenden Käferbefall wesentlich größere Schadholzmengen an. Andererseits sind die Lager der Sägeindustrie zum Bersten voll. Lindinger zeigte sich daher besonders erfreut über das Abkommen, welches im Mai zwischen dem Land Oberösterreich und der hiesigen Holzindustrie getroffen wurde. Dieses regelt eine vorrangige Abholung von zusätzlich 100.000 Festmetern. „Diese Menge entspricht den aktuell in Oberösterreichs Wäldern liegenden Holzpoltern“, erklärte der bäuerliche Nationalratsabgeordnete.

Neben der raschen Aufarbeitung von befallenen Bäumen und dem schnellen Abtransport zur Eindämmung des Borkenkäfers sei auch die Wiederaufforstung entscheidend. Hierfür sowie für die Errichtung von Nasslagern hat die Bundesregierung in den vergangenen beiden Jahren in Summe circa 40 Millionen Euro an Förderungen investiert. „Zusätzlich wird es nun eine Million Euro als Soforthilfe für die Wiederaufforstung in Oberösterreich geben“, verkündete Köstinger. Zudem können die Waldbauern auf weitere Unterstützung hoffen – ein Forstpaket ist derzeit in Erarbeitung.

Köstinger, Wallner und Zopf (v. l.) bei der Besichtigung am Betrieb der Familie Schallmeiner in Altmünster

Die Novelle des Forstgesetzes soll demnächst in den Nationalrat eingebracht werden: „Diese sieht unter anderem eine Möglichkeit zur Schadholzabnahmeverpflichtung in Notsituationen vor“, erklärte Lindinger, der im Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft die agrarischen Anliegen vertritt.

Köstinger forderte aufgrund der aktuellen Situation auch mehr Solidarität von Seiten der Wirtschaft und der Holzindustrie: „Billige Holzimporte überfluten nachwievor unsere Märkte. Waldbauern, die dringend das Holz aus heimischen Wäldern bringen müssen, finden keine Abnehmer und wenn dann zu Preisen, die nicht einmal mehr die Erntekosten abdecken“, betonte die Landwirtschaftsministerin, die vor ihrer Teilnahme an der Landesagrarreferentenkonferenz in Traunkirchen auch noch Halt in Altmünster machte. Dort besichtigte sie gemeinsam mit Bauernbund-Direktor Wolfgang Wallner und der Nationalratsabgeordneten Bettina Zopf den Betrieb von Ortsbäuerin Angela Schallmeiner.

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AUTORThomas Mursch-Edlmayr
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