BauernZeitung: Was bedeutet es für Sie, Direktor der stärksten agrarpolitischen Organisation Oberösterreichs zu sein?
Wallner: Es bedeutet aktiv für die Bäuerinnen und Bauern in Oberösterreich zu arbeiten und etwas zu bewegen. Viele Ideen zu haben bringt nur etwas, wenn man diese auch umsetzen kann. Der Bauernbund bietet als einzige bäuerliche Organisation, die in den politischen Gremien stark verankert ist, diese Möglichkeit.

Wann haben Sie begonnen sich für Politik zu interessieren?
Wir waren zu Hause immer eine politische Fami­lie. Wenn auch oft eine kritische mit vielen verschiedenen Meinungen. Bei mir selbst waren die Vorstandsfunktionen im Bauernbund, aber auch im Akademikerbund, in dem ich Geschäftsführer und Obfrau-Stellvertreter war, Mög­lichkeiten mich politisch einzubringen.

Was können Sie an beruflichen Erfahrungen für die Arbeit als Bauernbund-Direktor mitnehmen?
Ich war in der Raiffeisenlandesbank unter Generaldirektor Ludwig Scharinger zehn Jahre für den Agrarbereich in Oberösterreich zuständig. Das war neben der agrarischen Förderungsberatung auch die Information und Betreuung der Raiffeisenbanken und der Bäuerinnen und Bauern. Nebenbei durfte ich als Geschäftsführer des Vereins Biodiesel Oberösterreich die Produktion in Aschach organisieren. Aber auch die fünf Jahre als Chefredak­teur unserer Bauern-Zeitung waren sehr lehrreich. Die vergangenen Jahre konnte ich für Präsident Jakob Auer nicht nur bei Themen im Bankbereich, sondern durch seine Funktion als Präsident des Österreichischen Bauernbundes, sehr viel Erfahrung sammeln.

Sie kennen die (ober)österreichische Agrarszene und die handelnden Personen bestens – ein Startvorteil?
Auf jeden Fall. Ich bin mittlerweile seit über 25 Jahren im OÖ Bauernbund verankert. Da kennt man nicht nur die Personen, sondern auch die agrarpolitischen Themen.

Wie werden Sie Ihre Funktion anlegen?
Mir geht es um die Sache – dafür setze ich mich ein. Gesteckte Ziele ge­hören konsequent verfolgt und umgesetzt. Wir müssen aber als Bauernbund auch vermehrt Ecken und Kanten zei­gen, wenn es um unsere Interessen geht. Die Milch-Protestaktion war da ein gu­tes Beispiel. Wir müssen unsere Partnerschaften – gerade Richtung Konsu­menten, aber auch Richtung Wirtschaft und Handel – noch weiter ausbauen. Ein ganz wichtiges Thema wird die Stär­kung unserer Landwirtschaftskammer, damit unsere Bäuerinnen und Bauern auch weiterhin auf die qualitativ hochwertige Beratung zählen können.

Was sind Ihre Ziele als Bauernbund-Direktor und wie wollen Sie diese umsetzen?
Da gibt es eine Vielfalt an Zielen und Themen. Ich möchte das an fünf Punkten festmachen:
■ Betriebliche Einkommen ermöglichen und steigern sowie steuerliche Entlastung für unsere Betriebe
■ Sicherung der Rahmenbedingungen für unsere Landwirtschaft: von der GAP bis hin zur rechtlichen und sozialen Absicherung
■ Intensiver Dialog mit der Gesellschaft: Dem Handel auf die Finger schauen und mit den Konsumenten eine enge Partnerschaft eingehen
■ Position der oberösterreichischen Landwirtschaft in Österreich und EU stärken
■ Positives Zusammenleben der Generationen unterstützen: Jungbauern fördern, Bäuerinnen unterstützen bis hin zur Absicherung der Altbauern.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Land- und Forstwirtschaft?
Von der Fi­nanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik und der Ausgestaltung der künf­tigen EU-Programme bis hin zu den immer stärker werdenden Auswirkungen des Klimas auf die Landwirtschaft. Sturm, Hagel, Hochwasser, Frost bis hin zur Trockenheit – die Extreme treten immer häufiger auf und treffen die Landwirtschaft am heftigsten. Hier sehe ich den schwierigsten Punkt, bei dem die Landwirtschaft aber auch der wichtigste Teil der Lösung ist.

Wie wollen Sie diesen Problemen entgegentreten?
In dem wir systematisch Thema für Thema abarbeiten. Immer mit dem Fokus auf unsere bäuerlichen Betriebe. Es ist zwar jetzt schön, wenn sich alle bei den bäuerlichen Betrieben bedanken. Aber auf den Dank müssen auch Taten folgen und ein starkes Bekenntnis zu unseren Bäuerinnen und Bauern. Dieses Umwandeln der Stimmung werden wir besonders forcieren und begleiten.

Inwiefern kann sich die Corona-Krise langfristig positiv auf die heimische Landwirtschaft auswirken?
Es wird derzeit viel genauer auf die Herkunft geachtet. Dieses Bewusstsein gilt es aufrecht zu erhalten. Die Regio­nalität kann aber in Zukunft nur sichergestellt werden, wenn es auch weiterhin bäuerliche Familienbetriebe in Österreich gibt. Das heißt, wir haben viel Informationsarbeit vor uns. Mit unserer Konsumentenzeitung „Lust aufs Land“, mit der wir in Oberösterreich in jeden Haushalt kommen, haben wir die Möglichkeit die heimische Landwirtschaft darzustellen und zu erklären.

Den Bauernbund gibt es mittlerwei­le seit 100 Jahren – hat er auch heute noch genügend Einfluss auf die politische Gestaltung?
Je mehr Einfluss, je mehr Verankerung in Gremien und in der Politik, desto mehr kann man für die Mitglieder – die Bäuerinnen und Bauern – bewegen. Natürlich hat sich die Bedeutung in den 100 Jahren alleine aufgrund der Demographie verändert. Der Bauernbund ist aber die einzige agrarpoli­tische Organisation, die Einfluss hat. Diesen gilt es abzusichern und zu stärken, damit wir uns auch weiterhin für die Landwirtschaft erfolgreiche einsetzen können.

Der OÖ Bauernbund hat mehr als 42.000 Mitglieder – wie kann man diese alle bestmöglich erreichen?
Auch wenn wir auf dem elektronischen Weg sehr gut aufgestellt sind und Informationen mit Mails und über Internet sehr schnell bei unseren Mitgliedern sind, ist doch die Bauern-Zeitung das wichtigste Informationsmedium für unsere Bäuerinnen und Bauern. Eine Zeitung in dieser Qualität jede Woche in den Bauernhof zu bekommen – das ist einer der großen Vorteile für Bauernbundmitglieder.

Möchten Sie den Bäuerinnen und Bauern noch etwas mit auf den Weg geben?
Wir werden gemeinsam diese Krise bewältigen und gestärkt daraus hervor­gehen. Denn eines hat die Bauernschaft und der Bauernbund immer bewiesen: Aufbauend auf einer starken Verwurzelung kann man flexibel auf herausfordernde Themen reagieren, kann man sich weiterentwickeln und wachsen.

 

Zur Person:
Wolfgang Wallner ist auf landwirtschaftlichen Gutsbetrieben in Blindenmarkt (NÖ) und Feldkirchen an der Donau aufgewachsen, die von seinem Vater als Verwalter geleitet wurden. 1991 maturierte er an der HLBLA St. Florian.

Seine berufliche Laufbahn startete er in der Raiffeisenlandesbank OÖ., in der er unter anderem zehn Jahre den Agrarbereich für Oberösterreich leitete. Von 2007 bis 2012 war er als Chefredakteur der BauernZeitung tätig. Die vergangenen acht Jahre arbeitete Wallner in der Konzernkommunikation der RLB.

Wallner ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern (9 und 11 Jahre alt). Der begeisterte Musiker (Flügelhornist) ist Obmann des Musikvereins sowie des Elternvereins in Feldkirchen.

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AUTORThomas Mursch-Edlmayr
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