Der Immobilienmarkt zeigt sich immun gegen das Virus“, erklärt Matthias Reith, Senior-Ökonom der Raiffeisen Bank International (RBI). Er bringt damit die Ergebnisse der aktuellen Immobilien-Studie der Bank auf den Punkt. Denn das Corona-Virus und die damit verbundenen wirtschaftlichen Verwerfungen haben am Immobilienmarkt keine nachhaltig negativen Wirkungen entfaltet. Vielmehr hat die Pandemie zu einer Beschleunigung des Preisanstiegs geführt.

Sicherheit rückt als Motiv für Investitionen in den Fokus

Um 120 Prozent sind die Immobilienpreise in Österreich in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Ein Ende dieser Aufwärtstrend ist für die nächste Zeit nicht in Sicht. Auch wenn die Corona-Pandemie zunächst ein abruptes Ende befürchten ließ. Nach einer minimalen Schockstarre im März habe sich laut RBI-Chef-Ökonom Peter Brezinschek der Markt aber umgehend wieder gefangen. Denn gerade vor dem Hintergrund der Krise überzeug(t)en Immobilien mit Sicherheit.

„Der Lockdown 2.0 dürfte dafür sorgen, dass das ‚Streben nach Sicherheit‘ auch in den kommenden Monaten ein bestimmender Faktor sein wird“, skizziert Reith die weitere Entwicklung am Immobilienmarkt. Die aktuell beschleunigte Preisdynamik wird sich daher noch etwas fortsetzen.

Langfristig ist jedoch von moderat steigenden Immobilienpreisen auszugehen, da die Leistbarkeit sinkt und der demographische Rückenwind (Bevölkerungszuwachs) abnimmt. In Summe sind die Konjunktur- und Einkommensperspektiven aber positiv. „Die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Immobilienzyklus sind damit intakt, wenn auch im geringeren Tempo als zuletzt“, so Brezinschek.

„Lage, Lage, Lage“ als entscheidende Preisfaktor

Wenn es um den Preis einer konkreten Liegenschaft geht, gibt es laut Reith drei entscheidende Faktoren „Lage, Lage, Lage“. Das gilt insbesondere für Oberösterreich. Im Land ob der Enns hat die Lage nämlich einen noch wesentlich größeren Einfluss auf den Preis von Bauland als in anderen Bundesländern.

„Der Preis der Erreichbarkeit lässt sich mit 2,50 Euro pro ersparter Minuten Fahrtzeit beziffern“, erläutert Reith. Daher ist in regionalen Hotspots wie Linz, Wels, Linz-Land weiterhin mit steigenden Immobilienpreisen zu rechnen.

Gleichzeit hat die Corona-Krise aber auch den Wunsch nach Wohnen im Grünen intensiviert. Neben den klassischen Speckgürtel-Lagen können von dieser Entwicklung auch periphere ländliche Lagen profitieren. „Regionen in denen die Leistbarkeit noch nicht ausgereizt ist, haben das größte Potential für große Preissprünge“, meint Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich.

Die drei Experten stimmen daher überein, dass eine gute digitale Infrastruktur die Attraktivität von Liegenschaften außerhalb der klassischen Pendlerdistanz zukünftig erhöhen kann. An der Tendenz zur Urbanisierung werde sich aber trotzdem nur wenig ändern.

v.l.: Peter Brezinschek, Heinrich Schaller und Matthias Reith.

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