Sogenannte „Pekingenten“ werden für die Produktion der „regionalen Bioenten“ eingesetzt. Sobald es Alter und Witterung zulassen – mit etwa drei Wochen – haben die Tiere dauernden Weidezugang.

Enten werden hierzulande höchstens zu Martini oder Weihnachten verspeist. Somit ist der jährliche Verzehr mit 0,4 Kilogramm Entenfleisch im Vergleich zum gesamten Geflügelfleisch von 21,6 Kilogramm sehr niedrig. Und nicht einmal diese geringe Menge stammt von heimischen Enten. Der Selbstversorgungsgrad in Österreich liegt bei drei Prozent. Beides will das Kremsmünsterer Unternehmen (OÖ) „Die Eiermacher“ nun ändern: Gemeinsam mit den Landwirten setzt es auf ganzjährige regionale Produktion von Bioenten und will deren Fleisch den Konsumenten auch unterm Jahr schmackhaft machen. Ein vergleichbares Projekt gibt es bis dato im gesamten europäischen Raum nur in Dänemark.
Doris (34) und Franz (35) Jungreith­mair aus St. Thomas bei Waizenkirchen (OÖ) sind einer der zwölf Partnerbetriebe, mit denen das Projekt in Oberösterreich und Niederösterreich umgesetzt werden soll. „Mit der Hofübernahme wollten wir uns neu ausrichten. Zur gleichen Zeit suchten die ,Eiermacher‘ nach geeigneten Betrieben“, erzählt das junge Landwirtepaar vom Umstieg von Groß- auf Kleinvieh. Bis zum März des heurigen Jahres standen auf dem Hof in St. Thomas noch Milchkühe im Stall. „Wir wollten eine Betriebssparte, bei der wir zeitlich flexibler sind und deren Arbeit einer alleine schafft“, sagen die beiden. Franz Jungreithmair geht nebenher noch einem 20-Stunden-Job nach. Das Paar hat zwei kleine Kinder mit vier und zwei Jahren.

Quelle: BZ/Pichler
Doris und Franz Jungreithmair: Von Milchkühen auf Enten umgestellt. Zusätzlich werden zwölf Hektar Acker und sechs Hektar Grünland bewirtschaftet.

49 Tage Aufzucht nach Biorichtlinien

Im Oktober vergangenen Jahres wurde schließlich mit dem Bau zweier Entenställe für je 3000 Tiere begonnen. Kostenpunkt: 620.000 Euro. Nach einem halben Jahr Bauzeit wurden heuer im März die ersten Entenküken eingestallt. Einen Tag sind die Küken alt, wenn sie von der Brüterei in Schlierbach auf den Betrieb der Jungreithmairs kommen. Dort werden sie 49 Tage aufgezogen, bis sie mit etwa 3,5 Kilogramm Lebendgewicht wieder von den „Eiermachern“ zur Schlachtung abgeholt werden. „In den ersten Tagen werden die Küken bei 35 °C gehalten. Danach wird die Temperatur kontinuierlich abgesenkt“, erklärt Franz Jungreithmair. Die Optimaltemperatur für die Enten liegt dann bei 15 °C. Die Haltung erfolgt nach biologischen Richtlinien. Das bedeutet unter anderem eingestreute Ställe, Biofutter und ein großzügiges Platzangebot mit 4,5 Quadratmeter Weide pro Tier sowie 430 Quadratmeter Stallfläche plus 145 Quadratmeter Wintergarten je Stall mit 3000 Tieren. Mit spätestens 28 Tagen haben die Enten Zugang zum Wintergarten, mit 32 Tagen dauerhaften Weidezugang – je nach Robustheit der Tiere auch schon früher. Den anfallenden Dünger verwendet Franz Jungreithmair für die eigenen Ackerflächen.

Quelle: BZ/Pichler
Der Wintergarten steht den Enten dauernd offen. Eine Herde umfasst circa 3000 Tiere.

„Die Arbeit mit den Enten ist relativ zeitintensiv“, erzählt Doris Jungreith­mair. Vier bis fünf Stunden müsse man pro Tag rechnen. Die meiste Arbeit macht das tägliche bzw. später zweimal tägliche Einstreuen. Denn obwohl die Tiere Wassergeflügel sind, müssen sie trocken gehalten werden. „Fünf Partien Enten sollten sich in einem Jahr ausgehen“, sagt Franz Jungreithmair. Mindestens 14 Tage steht der Stall zwischen den Tranchen leer, um gereinigt zu werden.

Quelle: BZ/Pichler
Die Ställe sind eingestreut und bieten viel Licht. Gefüttert wird ausschließlich Biofutter.

Ab wann sich die Produktion der Bioenten rechnet? „Der Stall sollte nach zwölf bis 15 Jahren abgeschrieben sein“, sagt Jungreithmair. Pro Tier könne man mit etwa zwei Euro Deckungsbeitrag (inklusive Abschreibungskosten) rechnen. Der ausverhandelte Preis mit den Eiermachern liegt bei etwa 3,05 Euro je Kilogramm Lebendgewicht und wird an den jeweiligen Futterpreis angepasst.

Den Handel ins Boot geholt

Werden die Bioenten nach 49 Tagen vom Betrieb abgeholt, ist die Arbeit der teilnehmenden Bauern „erledigt“. Den Rest übernehmen die „Eiermacher“. Die Schlachtung erfolgt am unternehmenseigenen Schlachthof in Baumgartenberg, Zerlegung und Verpackung erfolgen im eigens gebauten Zerlegebetrieb am Firmenstandort Kremsmünster. Die Logistik zum Kunden wird ebenso von dort aus abgewi­ckelt. Fünf Millionen Euro investierte das Unternehmen in die neue Verarbeitungs- und Verpackungshalle. „Momentan werden 3000 Tiere pro Woche geschlachtet, das Ziel liegt bei 6000 Tieren pro Woche“, erklärt der Geschäftsführer der Eiermacher Manfred Söllradl. Sein Unternehmen vermarktet pro Jahr 120 Millionen Stück Eier und beschäftigt 120 Mitarbeiter. Die Idee der Entenproduktion hatte Söllradl vor eineinhalb Jahren. Gemeinsam mit dem oberösterreichischen Agrarlandesrat Max Hiegelsberger stellte er kürzlich das Projekt der Öffentlichkeit vor. Hiegelsberger: „Ein innovativer Gedanke, der hier erfolgreich umgesetzt wird, regionale Investitionen er­möglicht und Arbeitsplät­ze im ländlichen Raum sichert und schafft.“
In punkto Vermarktung hat Söllradl den Handel ins Boot geholt. Interspar ist seit Mai Handelspartner, Hofer wird es im Herbst (siehe Infokasten). Zusätzlich will Söllradl den Fokus auf die Gastronomie lenken. Der findige Unternehmer ist zuversichtlich, dass Entenfleisch beim Konsumenten „ankommen“ wird: „Weltweit werden 50 Prozent Hendl und 50 Prozent Ente verzehrt“. Warum soll Entenfleisch also auch nicht in Österreich populärer werden? Eine eigene Homepage unter www.einfachente.at gibt deshalb Tipps, wie man aus der Ente zu jeder Jahreszeit das passende Gericht zubereiten kann.

Präsentierten das Projekt: Manfred Söllradl (l.) und Max Hiegelsberger.

Anni Pichler

 

Regionale Bioenten: Das Projekt und die Vermarktung

Anfang 2017 begannen die „Eiermacher“ mit den ersten Herden, im September 2017 schlüpften die ersten Küken. Im Dezember 2017 wurde die Verarbeitungshalle in Kremsmünster in Betrieb genommen. Damit startete die regelmäßige Produktion und Vermarktung. Diverse klein- und mittelständische Vertriebs­partner wurden gewonnen. Seit Mai 2018 ist die Bio-Ente österreichweit bei Interspar erhältlich. Im Herbst steigt Hofer als Handelspartner ein. Außerdem zählen zu den Kunden Küchen von Einrichtungen des Landes OÖ, regionale Fleischereien und Bioläden und die Gastronomie.

- Bildquellen -

  • DSC 1967: BZ/Pichler
  • DSC 1934: BZ/Pichler
  • DSC 1923: BZ/Pichler
  • MG 0066: Die Eiermacher
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