Schweinefleisch süß-sauer ist nicht nur die Bezeichnung eines äußerst beliebten chinesischen Gerichts, sondern bringt auch die Entwicklungen des Schweinemarkts im heurigen Jahr auf den Punkt.

Süß begann das Schweinejahr 2020. Erzeugerpreise so hoch wie schon lange nicht, beflügelten die ganze Bran­che. Ursache hierfür waren die steigen­den Schweinefleischimporte der Volksrepublik China infolge eines Virus – der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Doch schon bald brachte ein anderes Virus aus China, Covid-19, die Trendwende, die nun den Schweinebauern sauer aufstößt. Und das weltweit.

Mastpreis: Talsohle dürfte erreicht sein

Am meisten zu schaffen macht den heimischen Mästern der Wegfall der Gastronomie, das zurückhaltende Agieren der Fleischindustrie sowie Rückgänge beim Export. Neben dem Absatz nach Italien fehlt vor allem die Nachfrage aus China. Schuld daran war nicht etwa ein Rückgang des Exports. Nein, denn im ersten Quartal 2020 hat sich Chinas Einfuhr von Schweinefleisch im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Es waren die Dumpingpreise zu denen US-Exporteure den chinesischen Markt fluteten. Reduzierte Schutzzölle und sinkende Erzeugerpreise in den USA durch den coronabedingten Ausfall führender Schlachtunternehmen machten es möglich. Preisverluste für die österreichischen Mastbetriebe waren die Folge. Im Vergleich zu Mitte März (1,93 Euro) sank der Notierungspreis um fast 40 Cent.

Nichtsdestotrotz rechnet VLV-Geschäftsführer Johann Schlederer damit, dass das heurige Jahr noch einmal „vernünftige Erzeugerpreise“ mit sich bringen wird. „Primär deshalb, weil die Weltschweinepopulation aufgrund der ASP derart dezimiert worden ist, dass die Produktion für das heurige Jahr um 20 Prozent unter den Vorjahren liegen wird.“

Zudem könne er sich nicht vorstellen, dass das Konsumverhalten durch die Coronakrise massiver gestört wurde, als das Angebot durch das ASP-Virus reduziert wurde.

Eine Aufbruchstimmung der Fleischbranche ist bereits seit vergangener Woche wahrzunehmen, da man sich durch Lockerungen im Gastronomiebereich eine Belebung des Geschäfts erwartet. Ein weiterer Preissturz konnte so abgefangen werden. Der Preis für Mastschweine notiert seit Mitte Mai konstant bei 1,55 Euro pro Kilo.

„Wenn die Gäste das Angebot gut annehmen, sprich sie wieder ihr Bratl oder Schnitzel essen wollen, dann rechne ich damit, dass sich der Preis stabilisiert und der Mai die Talsohle ist“, erklärt Schlederer.

Ferkelring: Stabilisierung im Sommer optimales Szenario

Auf eine rasche Stabilisierung der Schlachtschweinepreise hoffen auch die Ferkelproduzenten. „Das würde bedeuten, dass auch wir in absehbarer Zeit einen Preisboden finden“, erklärt Johann Stinglmayr vom Ferkelring.

Derweil – einer Zeit, in der traditionell das Angebot am Höchststand ist – kämpft der Ferkelring aber mit Verzögerungen beim Absatz. „Alleine vergangene Woche mussten 4000 Ferkelbestellungen verschoben werden“, so Stinglmayr. Der Grund hierfür: die Nichtabholung fertiger Schlachtschweine. Aber auch preislich sind die Ferkelerzeuger massiv betroffen und das seit Beginn der Covid-19-Einschränkungen. „Seit Februar haben wir 25 Euro beim Preis verloren. Davon alleine in den letzten Wochen zehn Euro“, berichtet Stinglmayr. Damit liegt der Ferkelpreis aktuell bei 2,70 Euro. Der Preisboden ist Stinglmayr zufolge damit aber noch nicht erreicht.

„Mein Wunsch wäre, dass wir maximal auf 2,50 besser 2,60 Euro abfallen und in dieser Dimension den Sommer überbrücken. Das wäre aus meiner Sicht die günstigste Variante, die uns passieren kann.“

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  • Schwein: Voronin - Stock.adobe.com
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