Hightech-Multitalent von Fendt

Auch wenn der 514 Vario Power als Ackergaul gute Figur macht – den kritischen Testeinsatz in Sonnenblumenstängeln hat er völlig ohne Schäden überstanden –, liegt seine wahre Stärke im vielfältigen Einsatz bei Kultur- bis hin zu Frontlader- und Transportarbeiten. Foto: Isabella Makovsky

Derzeit bieten die ACA-Händler drei Fendt-Modelle mit umfangreicher Ausstattung zu einem attraktiven Preis an. Die BauernZeitung hat sich davon das Modell der obersten Mittelklasse, den Fendt 514 Vario Power, näher angesehen.
Otto Krönigsberger, Landwirt

Die aktuellen 500er gibt es seit 2016 als deutlich aufgewertete, höher belastbare Nachfolgegeneration (neue Kabine, 1.000 kg höheres zulässiges Gesamtgewicht) der nicht mehr produzierten 400er. Sie sind nur als „Varios“, also stufenlos, erhältlich.
Das in limitierter Stückzahl um 99.900 Euro Nettopreis angebotene „ACA Power Play“-Modell des 514 Vario gibt es in einer umfangreichen Grundausstattung. Zu ihr zählen Frontkraftheber, Klimaanlage, 2-Leiter-Druckluftbremse, gefederte Vorderachse und Panoramakabine, hydraulischer Oberlenker, Halogen-Zusatz­-
beleuchtung, vier elektronische Steuergeräte, automatische Anhängekupplung und eine 110 l/Min-Hydraulikpumpe. Bestimmte weitere Komfortextras, wie schwenkbare Kotflügel für einen engeren Wendekreis, das große Scheibenwischerfeld oder eine Einstiegsbeleuchtung, sind extra bestellbar.

Generell steigt beim Fendt Vario von „Power“ über „PowerPlus“ und „Profi“ bis zum „ProfiPlus“ das Ausstattungsniveau an: Elektronikfunktionen wie die Schlupfregelung über GPS, variable VarioActive Lenkung, Contour Assistent und Variable Rate Control sind erst mit dem 10,4“-Terminal im ProfiPlus kombinierbar. VarioGuide ist bei Fendt das integrierte Lenksystem mit Section-Control und VarioDoc das Auftragsmanagementsystem.

Solide Kabine

Quelle: Krönigsberger
Blick in der Kabine mit großen Glasflächen und sehr guter Rundumsicht

Von einem relativ hohen, nicht höhenverstellbaren ersten Auftritt (in 57 cm Höhe) weg erklimmt man über vier Stufen die Kabine des Fendt 514 Vario Power. Sie ist exzellent pneumatisch gefedert und bietet über große Glasflächen überzeugende Rundumsicht – sehr gut einsehbar sind auch die Koppelpunkte im Heck. Links vom Fahrer ist eine dünne B-Säule, rechts eine durchgehende Glasscheibe, die durchgehende Tür gibt es als Wunschausrüstung. Die vorn leicht abfallende Motorhaube erscheint vom Sitz aus kurz, seitlich von ihr ist der Blick auf die Unterlenker des Frontkrafthebers frei, und durch die hohe, oben gewölbte Frontscheibe sollte die Sicht auf den ausgehobenen Frontlader auch sehr gut sein. Weniger gut ist, dass sich die gewölbte Rückseite des Armaturenbretts beim Fahren in Richtung Sonne in der Frontscheibe, knapp über der Motorhaube, störend spiegelt. Der SCR-Topf und das Auspuffschutzblech vor der rechten A-Säule stören kaum, ansonsten sind z B. die Anbringung der Arbeits- und Wiederholscheinwerfer oder die speziell geformten Rückspiegel vorbildlich gelöst. Da zeigen sich die Vorteile einer ausgereiften, langjährig erprobten Grundmaschine.
Generell mutet die Verarbeitungsqualität sehr hochwertig an, das beginnt z. B. schon bei den verwendeten Dichtungen. Die Kabine ist hell, es gibt praktisch keine Knarzgeräusche, und trotzdem ist sie pflegeleicht. Die Geräuschkulisse bleibt jederzeit vorbildlich leise, es dominiert nicht der Motor, der wie eine Nähmaschine schnurrt, sondern das je nach Belastung unterschiedliche, aber stets dezente Heulgeräusch von der Getriebeeinheit.
Schon die einfachste der vier Ausstattungsstufen beinhaltet die VisioPlus-Kabine mit Klimaanlage und luftgefedertem Komfortsitz sowie das kleinere 7-Zoll Terminal, das immerhin die Rundumsicht kaum einschränkt. Noch bessere Sitze gibt es auf Wunsch. Erwähnenswert ist auch die heute selten gewordene große Dachluke, die sogar als Notausstieg dienen kann. Die Heckscheibe begrenzt im geöffneten Zustand den Einstellbereich der der großen Halogen-Dachscheinwerfer.
Bei Transportarbeiten erlebt man einen Fahrkomfort wie in einem stufenlosen LKW. Gemäß EN 15695-1 entspricht die Kabine der Kategorie 2 und bietet damit Schutz vor Stäuben, aber nicht vor Aerosolen oder Dämpfen.

Vielfältigste Einstellmöglichkeiten

Quelle: Krönigsberger
7“-Terminal samt Navigationstasten plus Drehrad

Variotronic ist das einheitlich durchgängige Bedienkonzept für Traktoren, Mähdrescher und Häcksler von Fendt. Die meisten Bedienelemente befinden sich an der rechten Armlehne des Fahrersitzes: 24 farblich untergliederte Aktivierungstaster für Getriebe-, Hydraulik- und Zapfwellenfunktionen, Joysticks und Terminal.
Auf dem großen 10,4 Zoll-Bildschirm (Standard erst beim ProfiPlus) sind bis zu vier Anwendungen mit bis zu zwei Kameras und Isobus-Gerätemasken gleichzeitig darstellbar, auf dem kleineren mit sieben Zoll muss man umschalten oder nutzt für Isobus einen zweiten Bildschirm. Fendt betont, mit allen gängigen Isobus-Varianten kompatibel zu sein. Auch die Belegung des Vario-Multifunktions-Joysticks ist individuell programmierbar (die 500er beherrschen beide Joystick-Standards AUX-N und AUX-O).
Benutzereinstellungen erfolgen entweder über den Touchscreen oder über die rechts davon angebrachten Navigationstasten plus Drehrad.
Die Oberfläche des 7“-Terminals erscheint auf den ersten Blick überschaubar, wenn auch mit – im Vergleich zum Mitbewerb – relativ kleiner Schriftgröße. Helligkeit und Auflösung sind im Stillstand überzeugend. Da das an einem längeren Arm an der Sitzarmlehne befestigte Terminal während der Fahrt kontinuierlich mitschwingt, erschwert die kleine Schrift die Lesbarkeit bei der Arbeit jedoch deutlich.
Noch keine unserer Testmaschinen hat eine derartige Einstellvielfalt auf einem 7“-Display geboten: Der Standardbildschirm ist in drei Bereiche gegliedert: Oben ist die Traktor-Infomaske, z. B. mit der Stellung der Hubwerksarme. In der Mitte befindet sich die Hydraulikventil-Infomaske, die auch einen Schnellzugriff auf die Belegung der zugehörigen Joystick-Tasten ermöglicht, und im unteren Bereich die Statusleiste inklusive Dieselverbrauchs­anzeige.
Am rechten Rand sind bis zu sieben Softkey-Auswahltasten. Sie führen in die Untermenüs für Front- und Heckkraftheber, Hydraulikventile Heck und Front, Motor und Getriebesteuerung, Reifendruckregelanlage, falls vorhanden, und Grundeinstellungen bzw. Diagnose. Nicht unwichtig ist das Verwaltungs-Menü, in dem gerätespezifische Einstellungen gespeichert und wieder geladen werden können. Öfter benötigte Funktionen, z. B. des Hubwerks, sind mittels sogenannter „Quick Links“, das sind Teilbereiche in den Bildschirmmasken, schnell und direkt erreichbar.
Auch das Vorgewendemanagement Variotronic TI („TeachIn“) ist im Terminal integriert und bietet umfangreiche Editiermöglichkeiten. Mit fünf Auslösern und 13 Funktionsgruppen werden bis zu 74 Funktionen programmierbar – perfekt für Anwender mit komplexen Maschinenkombinationen und ausgeprägtem Programmierfaible.

Bedienanleitung studieren zahlt sich aus

Um die hoch integrierte und potenziell hocheffiziente Maschine auszureizen, sollte man sein Wissen unbedingt in über 500 Seiten der detaillierten Bedienungsanleitungen vertiefen. Dann erfährt man z. B. auch, dass es im Servicemenü sogar für den Scheibenwischerblattwechsel einen eigenen Unterpunkt gibt, der den Arm in eine Position bringt, in der das Wechseln ein Kinderspiel ist.
Hat man die Bedienphilosophie einmal verinnerlicht, kennt man sich dafür auf allen aktuellen Fendt-Modellen aus. Einen nicht in allen Details unterwiesenen Fahrer mit einem komplett personalisierten, umprogrammierten Vario loszuschicken, könnte hingegen gefährlich werden – denn er weiß nicht, was der Traktor nach Drücken einer Taste tut. Glücklicherweise hat Fendt dem 500er nicht nur individuell speicherbare Einstellungen inklusive Vorgewendesequenzen für bis zu 25 Maschinen spendiert, sondern auch den Softkey im Terminal, der blitzschnell alle Grundeinstellungen und Tastenbelegungen wieder herstellt.

Sparsamer Motor und stufenloser Fahrkomfort

Der vom Hubraum her relativ kleine Motor (knapp über 4 Liter) hat gerade im Teillastbetrieb den Vorteil, besonders sparsam zu sein. Unter voller Belastung kann er die 30 Liter pro Stunde-Marke überschreiten, leichte Arbeiten wie Stoppelsturz mit der Scheibenegge führen zu 12 bis 15 Litern Dieselverbrauch pro Stunde – bei rund drei Hektar pro Stunde ein recht niedriger Verbrauch! In Summe bringt das Stufenloskonzept bei abwechs­lungreichen, gemischten Arbeiten große Vorteile, lediglich bei dauerhaft sehr schweren Zugarbeiten ist der 500er Vario gegenüber Schaltgetrieben weniger verbrauchsgünstig (vergleiche DLG PowerMix Test Nr. 6432; pruefberichte.dlg.org/filestorage/Fendt-514-Vario-S4_Powermix_de.pdf)
Als Getriebe ist in allen 500ern das ML 90 mit zwei mittels Tastendruck möglichst im Stillstand zu wechselnden Fahrbereichen. Der erste ist bei einer Maximalgeschwindigkeit von ca. 30 km/h für schwere Zugarbeiten optimiert, der zweite eher für Transport mit niedrigen Motordrehzahlen bei hoher Geschwindigkeit. Den ersten Fahrbereich erkennt man auch am dem höherfrequenten Heulgeräusch. Die Wirkungsgradoptima liegen bei etwa 6-10 km/h im ersten und 11-15 km/h im zweiten Fahrbereich.

Geringes Eigengewicht und dennoch hubstark

Mit rund 6250 kg ist der 514 Vario Power relativ leicht für sein Leistungspotenzial, gepaart mit einer sehr hohen erlaubten Zuladung von real über vier Tonnen. Die Gewichtsverteilung vorne/hinten scheint im Praxisbetrieb mit 40 zu 60 Prozent eher hecklastig. Vorne ist der Traktor für seine Leistungsklasse eher leicht und braucht dort rasch ordentlich Ballast.
Tauglich, aber zu schade als reiner Ackergaul, ist der 514 Vario viel mehr ein Multitalent, vom Kulturtraktor und Transportprofi bis hin zum „intelligenten Lademeister“, wie ihn Fendt selbst beschreibt. Für letztere Funktion bietet Fendt ab Werk eine Frontladerschwinge mit 2,26 Tonnen durchgängiger Hubkraft an. Den gut integrierten Frontkraftheber gibt es beim 500er in drei Versionen – elektronisch unterstützt bis hin zur Lageregelung mit programmierbaren Entlastungsfunktionen.

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Technologieführer

Ab den 1930er-Jahren stand der Name „Fendt Dieselross“ für leichte bis 18 PS starke, hochqualitative Zugmaschinen aus dem Allgäu. In den 1960ern folgte die stufenlose Anfahrautomatik Turbomatik („Turbokupplung“), in den 1970ern die Sechszylinder-Favorit LS mit Komfortkabine und bis zu 252 PS.
1995 stellte Fendt mit dem 926 Vario den weltweit ersten stufenlosen Großtraktor vor und konzentrierte sich seither voll auf Stufenlostechnologie, durchgehend vom kleinen 200er-Spezialtraktor bis zur 2014 vorgestellten 1000er-Baureihe mit bis zu 517 PS. Nur die in Amerika gefertigten Vollraupentraktoren von Fendt mit bis zu 646 PS sind noch mit Lastschaltgetriebe erhältlich.
Ganz vorn dabei ist Fendt seit Jahrzehnten auch bei der Nutzung von Elektronik in der Landmaschine. Seit 1997 ist Fendt Teil des US-Agco-Konzerns.

Starke Hydraulik

Sehr hoch ist die entnehmbare Hydraulikölmenge von 55 Litern aus einem bioöltauglichen separaten Ölhaushalt, was ihn zusammen mit der starken Pumpenleistung von 110 oder optional sogar 158 l/min fit für Aufgaben mit höchsten Hydraulikanforderungen macht. Für jedes der Hydraulikventile ist neben Zeit und Menge sogar das Ansprechverhalten programmierbar. Weiters kann eines priorisiert werden, damit es bei gleichzeitiger Betätigung mehrerer Ventile immer die volle Ölmenge bekommt.

Fazit

Schon in der „ACA Power Play“-Ausstattungsstufe ist der Fendt 514 Vario ein echter Premiumtraktor. In ihm werden jahrzehntelang bewährte Komponenten, eine exzellente Kabine und vorwiegend elektronisch unterstützte Zusatzausstattungen kombiniert. Hoher Fahrkomfort, niedriger Dieselverbrauch vor allem im Teillastbereich und eine Vielzahl von Optimierungsmöglichkeiten bzw. (optionalen) elektronischen Helfern zeichnen die smarte Universalmaschine aus. Eine aufmerksame Lektüre der ausführlichen Bedienungsanleitungen wird empfohlen, um das Potenzial des Traktors wirklich ausschöpfen zu können.

Der Fendt 514 Vario Power Play: Alle Daten im Überblick

Quelle: Krönigsberger
Abmessungen und Gewicht des Fendt 514 Vario Power Play

Motor/Abgasreinigung
• 4-Zylinder Deutz TCD4.1 L4 mit Ladeluftkühlung und geregeltem Wastegate-Turbolader
• Hubraum: 4038 cm³
• Nennleistung (ECE R120): 150 PS, Maximalleistung (ECE R120): 156 PS, laut Zulassungsschein: 150 PS (110 kW)
• Maximales Drehmoment (bei 1450 U/Min): 649 Nm
• Abgasreinigung: AdBlue, Dieseloxidationskatalysator und passiver Dieselpartikelfiter („CSF – Coated Soot Filter“),
für letzteren ist spätestens alle 500 Stunden Freibrennen im Stillstand (ca. 34 Minuten) vorgeschrieben
• Dieseltank: 298 Liter
• AdBlue-Tank: 31 Liter (etwa 3 – 4 % des Dieselverbrauchs)

Wartung
• Schmierstellen alle 50 Stunden
• Motorölwechsel alle 500 Stunden mit 11,5 Liter DQC III – 10 LA oder DQC IV – 10 LA, alternativ CJ-4/ACEA E9, kein RME-Biodiesel, halbierte Ölwechselintervalle bei mehr als 0,5 % Schwefel im Diesel
• Getriebe- und Hydrauliköl getrennt, Hydrauliköl alle 1000 Stunden 69 l STOU; Getriebeöl alle 2000 Stunden
28 l STOU.

Getriebe
• Fendt ML90 stufenlos
• 0,02 bis 50 km/h mit zwei vom Fahrer bei Stillstand der Maschine manuell auszuwählenden Fahrbereichen, erster Fahrbereich für schwere Belastungssituationen wie Bodenbearbeitung bis ca. 30 km/h vorwärts, retour bis 18 km/h; zweiter
Fahrbereich mit Priorität für Transportarbeiten bis 50 km/h vorwärts und 33 km/h rückwärts
• 50 km/h mit knapp 1700 Motor-UpM erreichbar, 40 km/h mit 1400 UpM
• Elektrisch betätigte Reversierung (unter Last, ohne Kupplungsbetätigung) sowohl links vom Lenkrad als auch am Joystick

Zapfwelle/Hydraulik
• 3 Zapfwellengeschwindigkeiten aus 4 bestellbar, entweder 540/540e/1000 oder 540e/1000/1000e;
540 und 1000 UpM bei rd. 1935 Motor-UpM,
540e und 1000e bei 1540 Motor-UpM, elektronisch gesteuert und überwacht, hubhöhenabhängige und -unabhängige Automatikfunktionen programmierbar
• Maximale Hubkraft Heck (CAT 3): 7780 kg an den Koppelpunkten, wobei max. Hinterachslast: 8500 kg
• Maximale Hubkraft Front (CAT 2/3N): 3420 kg an den Koppelpunkten, wobei max. Vorderachslast: 4800kg sowie max. zulässiges Gesamtgewicht: 10500 kg
• Hydraulikfördermenge: 110 l/Min (Load sensing/Power beyond möglich), maximal 4 elektrische Zusatzsteuergeräte im Heck, eines vorne, 1 – 2 von hinten abgezweigte, umschaltbare DW-Anschlüsse im Frontbereich; Ventile sowohl den Kabinen-Bedienelementen als auch den Kotflügel-Tasten (links und rechts vorhanden) frei zuordenbar
• Entnehmbare Ölmenge: 55 Liter

 

- Bildquellen -

  • Fendt 514 BZ Zus Blick In Die Kabine Nicht Mehr So Rot: Krönigsberger
  • Fendt 514 Vario Sieben Zoll Terminal Traktor Hauptseite Sp: Krönigsberger
  • Fendt 514 Vario Masze Daten Graphik: Krönigsberger
  • Fendt Titelbild In Besserer Farbdarstellung: Isabella Makovsky
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