Die Herkunft von Essiggurken bleibt für Konsumenten häufig verborgen. Das ist das Ergebnis eines Regionalitäts-Tests von Wirtschaften am Land, der gemeinsam mit efko und der Landwirtschaftskammer Oberösterreich diese Woche präsentiert wurde. Untersucht wurden 98 Essiggurkenprodukte in den Regalen des heimischen Lebensmittelhandels. Bei 57,1 Prozent der Produkte war die Herkunft der verwendeten Gurken auf dem Etikett nicht eindeutig ersichtlich. Besonders groß ist der Informationsmangel bei Eigenmarken: Dort fehlte die Herkunftsangabe bei 77,5 Prozent der überprüften Produkte.
Unter den überprüften 40 Eigenmarken waren lediglich fünf eindeutig als Produkte mit österreichischen Gurken gekennzeichnet. Laut den Rückmeldungen des Handels enthielten neun Produkte Gurken aus Indien. Gleichzeitig ist der Anteil der Eigenmarken im Sortiment seit 2024 weiter gestiegen.
Bis zu 15 mögliche Herkunftsländer
Auf Nachfrage bei den Handelsunternehmen zeigte sich zudem, dass bei mehreren Eigenmarken bis zu 15 mögliche Herkunftsländer genannt wurden. Darunter befanden sich unter anderem Indien, Nordmazedonien, Russland und die Türkei. Für zwölf Produkte ließ sich letztlich keine eindeutige Herkunft feststellen.
Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land, sieht darin ein Problem für Konsumenten und Produzenten. „Die Konsumenten erwarten sich heimische Gurkerl, bekommen jedoch oft unwissentlich Gurken aus Indien“, erklärte er. Wer Wert auf österreichische Ware lege, müsse gezielt zu Produkten greifen, die die Herkunft klar ausweisen.
Gravierende Folgen für heimischen Gemüsebau
Die Initiatoren warnen vor den Folgen für den heimischen Gemüsebau. „Heimische Lebensmittelproduktion braucht faire Wettbewerbsbedingungen“, betonte efko-Geschäftsführer Thomas Krahofer. Transparenz bei der Herkunft schaffe die Grundlage für bewusste Kaufentscheidungen und stärke die regionale Wertschöpfung.
Auch LK-Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger fordert klare Kennzeichnung. „Österreichische Gurken stehen für hohe Produktionsstandards und maximale Lebensmittelsicherheit“, sagte er. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung des Gurkenanbaus für den Arbeitsmarkt: Mehr als 1.000 direkte Arbeitsplätze im oberösterreichischen Gemüsebau sowie rund 1.500 weitere in nachgelagerten Bereichen seien von wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen abhängig.
Anbaufläche rückläufig
Oberösterreich ist das Zentrum der österreichischen Essiggurkenproduktion: Zwölf Betriebe erzeugen jährlich rund 6.500 Tonnen und decken damit den Großteil der heimischen Produktion ab. Gleichzeitig schrumpfte die Anbaufläche von 118 Hektar im Jahr 2025 auf 104 Hektar im Jahr 2026. Der arbeitsintensive Anbau verursacht hohe Lohnkosten, wodurch heimische Betriebe gegenüber Importware aus Niedriglohnländern unter Druck geraten.
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