„Green Deal“ nur in Partnerschaft mit Handel und Konsumenten machbar

Die Maßnahmen der „Farm to Fork“-Strategie dürfen nicht nur bei der Landwirtschaft ansetzen. Bauernbund und Landwirtschaftskammer fordern zudem eine ausreichende Finanzierung für die Umsetzung der zusätzlich geforderten Umweltauflagen.

Nur eines der vielen ambitionierten Vorhaben – das Ziel ist klar definiert, die konkrete Umsetzung jedoch völlig offen.

Mit der Biodiversitätsstrategie „Farm to Fork“, vom Hof auf den Tisch, will die EU-Kommission das Agrar- und Lebensmittelsystem in Europa einem grundlegenden Wandel unterziehen. Die bäuerlichen Interessensvertreter kritisieren, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen fast ausschließlich bei der Landwirtschaft selbst und nicht bei weiteren Gliedern der Wertschöpfungskette ansetzen würden.

„Eine regionale kleinstrukturierte bäuerliche Landwirtschaft, wie sie von den Familienbetrieben in Österreich praktiziert wird, ist langfristig nur möglich, wenn erstens keine Kürzungen des EU-Agrarbudgets stattfinden und zweitens die Bäuerinnen und Bauern durch faire Produktpreise in der Lage sind, ausreichend Einkommen aus ihren Verkäufen, erwirtschaften zu können“, macht Bauernbund-Landesobmann Max Hiegelsberger deutlich.

Für Importware müssten dann die gleichen Standards gelten

Kritisiert wird weiters, dass das durch die Corona-Krise wieder in den Vordergrund gerückte Thema der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln weitgehend unberücksichtigt bleibt. Zudem habe die EU-Kommission keinerlei wirtschaftliche Folgenabschätzungen vorgelegt oder angekündigt, wie das sonst bei derart umfangreichen EU-Vorhaben üblich sei. „Der Green Deal ist wirtschaftlich nur machbar und praktisch umsetzbar, wenn sich der Lebensmittelhandel sowie die Konsumenten zu diesen höheren Standards bekennen und bereit sind dafür faire Preise zu bezahlen“, betonte die oberösterreichische Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Die Vorschläge der EU, den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln massiv zu reduzieren, würden mittel- und langfristig die Eigenversorgung bei immer mehr pflanzlichen Produkten in Frage stellen. Die fehlende Eigenversorgung müsste dann durch Importe kompensiert werden, die im Regelfall unter deutlich niedrigeren und oft problematischen Umweltstandards produziert werden. Die Landwirtschaftskammer fordert daher, dass auch importierte Lebensmittel den einschlägigen EU-Vorschriften und Standards entsprechen müssen. „Das gilt insbesondere bei der Prüfung von Einfuhrtoleranzen für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, die in der EU nicht mehr zugelassen sind bzw.
für die strengen EU-Anforderungen beim Antibiotikaeinsatz“, so Langer-Weninger.
Widersprüchlich sei auch, dass einerseits der EU-Import von Eiweißfuttermitteln in Frage gestellt wird und andererseits innerhalb der EU noch mehr Flächen aus der Produktion genommen werden sollen.

Grundsätzlich begrüßt wird hingegen der vorgeschlagene Ausbau der Biolandwirtschaft. Dieser müsse jedoch marktkonform erfolgen. Ein von der der EU verordneter Zielwert sei hier deutlich zu wenig. „Das geht an Markt- und Wirtschaftsrealitäten vorbei und würde insbesondere auch die heimische Biolandwirtschaft unter Druck bringen“, gab die Landwirtschaftskammer-Präsidentin zu bedenken.

Quelle: BZ

 

Erbrachte Vorleistungen müssen angerechnet werden

Die EU-Kommission wird im Vorfeld zur Vorlage der nationalen Strategiepläne zur GAP-Umsetzung an die Mitgliedsstaaten konkrete Empfehlungen zu den Zielen geben. Das heißt, die Umsetzung dieser Maßnahmen befindet sich ausschließlich in der Hand der EU-Kommission. „Wesentliche Teile dieser Strategien können damit ohne Beschlussfassung durch EU-Parlament und EU-Agrarministerrat umgesetzt werden. Es kommt damit quasi zu einer Verschärfung der EU-Vorschläge zur GAP-Reform durch die Hintertür“, erklärte Kammerdirektor Karl Dietachmair.

In der Diskussion auf EU-Ebene wurde zuletzt auch immer wieder auf den Vorbildcharakter des österreichischen Agrarmodells hingewiesen. „Die von der österreichischen Landwirtschaft erbrachten Vorleistungen müssen daher auch entsprechend angerechnet werden“, fordert Dietachmair.

Auch für Bauernbund-Landesobmann Hiegelsberger steht fest: „Wir wollen flächendeckend unsere Struktur erhalten. Daher braucht es andere Antworten und andere Möglichkeiten, damit sich unsere bäuerlichen Familienbetriebe weiter entwickeln
können.“

 

- Bildquellen -

  • S9: BZ
  • Pflanzenschutz: Agrarfoto.com
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