Gelebte Vie(h)lfalt statt Spezialisierung

Julia, Claudia, Angelika, Martin und Anton Unger sind überzeugt, dass ein Bauernhof durchaus auch mit mehreren Standbeinen und in ihrem Fall mit mehreren Nutztierarten erfolgreich geführt werden kann. Foto: Photobi

Nur noch selten findet man auf einem Bauernhof so viele unterschiedliche Produktionssparten – Rinder, Schweine, Hühner, Enten – wie bei Familie Unger in Mannersdorf. Alle helfen zusammen und jeder macht, was er am besten kann.
Eva Riegler

Nur soviel produzieren, dass es zu einem zufriedenstellenden Preis absetzbar ist“, so lautet die Devise von Claudia und Anton Unger. Dementsprechend haben sie ihren Biobetrieb in Mannerdorf am Leithagebirge auf mehrere Standbeine gestellt. Sie bieten damit der nächsten Generation die Möglichkeit, die eigenen Interesssen herauszufinden und weiterzuentwickeln.

Aus Geburtstagsgeschenk wurde Betriebszweig

„Unser Hof ist das beste Beispiel für einen typischen Nebenerwerbsbetrieb, wenn keine Tiere gehalten werden“, stellt Anton Unger seinen Bauernhof vor, den er gemeinsam mit seiner Frau Claudia und den drei Kindern, Julia, Angelika und Martin, bewirtschaftet. Auch wenn die ganze Familie am Betrieb mitarbeitet, gehen alle außer Anton einem Nebenberuf nach. „Weil mit neuen Erfahrungen auch neue Ideen auf den Hof kommen“, so Anton Unger.

Quelle: Biohof Unger
Die Weideflächen liegen zum größten Teil im „Natura 2000“-Gebiet. Im Rahmen
des Naturschutzprojekts „Eine Herde für die Hoad“ tummeln sich Rinder und Hühner.

Nachdem Antons Vater früh verstorben war, führte seine Mutter den Bauernhof mit Milchkühen, Stiermast, Zuchtschweinen und Ackerbau weiter. 1995 übernahm Anton den Betrieb, auf dem mittlerweile die Schweinehaltung zugunsten der Milchwirtschaft – mit Direktvermarktung – aufgegeben worden war. Bald schon stieß dieser Betriebszweig an seine Grenzen: In eine Erweiterung der Milchproduktion mit der Errichtung eines Laufstalles auf „der grünen Wiese“ wollte Famlilie Unger nicht investieren, so kamen 2004 Mutterkühe auf den Hof. Gleichzeitig wurde der Betrieb auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt.

Quelle: Biohof Unger
Nach zehn Wochen haben die Biohühner ein Schlachtgewicht von rund zwei Kilogramm.

„Zu meinem 40. Geburtstag habe ich zehn Legehennen und einen Hahn bekommen“, erzählt Claudia, als 2011 Hühner für den Eigenverbrauch am Hof Einzug hielten. Von der Qualität der eigenen Bioeier überzeugt, entschied sich die Familie auch Biomasthühner einzustellen. Deren Fleischqualität überzeugte schon bald den Freundes- und Bekanntenkreis und so wurde ein neuer Betriebszweig entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit der Veterinärbehörde ein Schlachtraum gebaut.
Die Küken werden aus Oberösterreich zugekauft und verbringen die ersten vier Wochen im beheizbaren Vormaststall. Anschließend werden sie im Freiland gehalten. Da sich der Auslauf aufgrund der beengten Hoflage inmitten der Ortschaft als Problem erwies, wurden ehemalige Frachtcontainer in mobile Hühnerställe umgebaut. Binnen neun bis elf Wochen haben die Tiere ihr Schlachtgewicht von rund zwei Kilogramm erreicht. „Das ist fast doppelt so lange wie in der konventionellen Hendlmast“, weiß Jungbauer Martin. Dass das Fleisch der Hendl dadurch auch reifer ist, komme bei den Konsumenten gut an. Fünf Umtriebe pro Jahr mit jeweils 220 Masthendln werden am Betrieb produziert. Geschlachtet wird nach jede Umtrieb in zwei aufeinanderfolgenden Wochen, auf Wunsch werden die Schlachtkörper auch zerlegt, verkauft wird Ab-Hof. Vorbestellungen werden per Telefon oder Online entgegengenommen. Auch die Legehennen-Herde wurden inzwischen aufgestockt, die Bio-Eier über drei Supermärkte, einige Bauernmärkte und demnächst auch mittels Eier-Automat Ab-Hof- verkauft.
„Bio heißt für uns, einen Blick auf‘s Ganze zu haben“, sagt Anton Unger, weshalb man sich auch am Programm ,Bruderhähne‘ beteiligt. Die männlichen Küken der Legehennen werden in diesem Programm in 13 bis 14 Wochen aufgezogen, anstatt sie im Schredder zu töten. Zwei Turnusse zu je 180 Stück werden dabei am Betrieb Unger gemästet.

Nachfolger sollen eigenen Weg finden können

Quelle: Biohof Unger
Die Bio-Ferkel werden an drei
Weideschweinbetriebe weiterverkauft.

Sohn Martin ist besonders fasziniert von der Geflügelhaltung und hat gemeinsam mit seiner Schwester Angelika den Lehrgang „Geflügelpraktiker“ absolviert. Um den Kunden entsprechend Abwechslung zu bieten, hat er im Vorjahr erstmals zweimal je rund 80 Pekingenten gemästet. Und will das auch heuer wiederholen. Angelika Unger wiederum hat eher eine Vorliebe für die Schweinehaltung entwickelt. 18 Zuchtsauen der Rasse Schwäbisch-Hällisch werden mit einem Duroc-Eber belegt und die Ferkel an drei Betriebe mit Weideschweinehaltung verkauft.
Julia setzt indes nicht bei den Tieren ihre Prioritäten, und findet dennoch ihr spezielles Betätigungsfeld am elterlichen Betrieb: Sie ist zuständig für‘s Marketing, betreut die Homepage, schaut dass die Kunden von den Verkaufsterminen erfahren und hilft beim „Bürokram“ mit.
„Jeder macht das, was er am besten kann“, betont Vater Anton. Und auch, dass es keine unwichtigen Arbeiten am Betrieb gibt. Für die Zukunft sehen die Ungers jedenfalls noch ausreichend Potenzial am Betrieb: So ist ein eigener Hofladen ihr erklärtes Ziel. Anton Unger: „Wir wollen den Betrieb in seiner Vielfalt weitergeben, damit auch unsere Nachfolger ihren eigenen Weg finden können.“

“Bio heißt für uns, einen Blick auf das Ganze zu ­haben.“ Anton Unger

Betriebsspiegel
Flächenausstattung: 77 Hektar,
davon 58 Hektar Pacht (38 Hektar Ackerland, 19 Hektar Grünland,
18 Hektar Dauerweide);
Tierbestand: 18 Mutterkühe
(Kälber als Einsteller an Mäster),
350 Legehennen, 220 Masthühner (fünf Umtriebe/Jahr),
180 Bruderhähne (zwei- bis dreimal/Jahr), 80 Mastenten (zweimal/Jahr),
18 Zuchtsauen (Ferkel an drei Weideschweinbetriebe);
Arbeitskräfte: Anton (Vollzeit),
Claudia (20 Stunden außerbetrieblich), Martin (10 bis 20 Stunden
außerbetrieblich),
Angelika (27 Stunden außer­betrieblich) und Julia (Vollzeit außerbetrieblich);
Kontakt: Claudia und Anton Unger, Hauptstraße 95,
2452 Mannersdorf am Leithagebirge
Telefon: 0650/5238055 oder 0650/5368944

www.biohofunger.at

 

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  • 05 02 34 19 NO: Biohof Unger
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  • 05 03 34 19 NO: Biohof Unger
  • 05 01 34 19 NO: Photobi
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