Frankreich: “Beleidigung für Bauern”

In Lyons Schulkantinen kommt derzeit kein Fleisch auf die Teller.

In Frankreich gehen die Wogen hoch. Ausgerechnet in der Heimat des verstorbenen Gourmet-Papstes Paul Bocuse ist eine Debatte um Fleischgerichte ausgebrochen. In der grün regierten Großstadt Lyon kommen in den Schulkantinen derzeit nämlich nur noch fleischlose Mahlzeiten auf die Teller. Die Stadtverwaltung  begründet die Entscheidung mit der Coronavirus-Pandemie. Das fleischlose Einheitsmenü soll dazu beitragen, die Schüler schneller in den Kantinen abzufertigen und dadurch das Infektionsrisiko zu senken.

Landwirtschaftsminister Julien Denormandie kann dem nichts abgewinnen. Er ließ seinem Ärger auf Twitter freien Lauft: “Lasst uns aufhören, unseren Kindern Ideologie auf den Teller zu legen! Gebt Ihnen, was sie zum Wachsen brauchen. Fleisch gehört dazu”.  Der Beschluss aus Lyon sei aus Ernährungssicht aberwitzig und aus sozialer Sicht “eine Schande“, wird der Agrarminister in zahlreichen französischen Medien zitiert. Er ist der Meinung,  dass sich weniger Wohlhabende Familien zu Hause kein Fleisch leisten könnten. Rückenwind bekommt er vom französischen Innenminister. Gerald Darmanin sprach von einer „Beleidigung für Bauern“ und einer „skandalösen Ideologie“ der Grünen.

Landwirte wollen demonstrieren

Die wehren sich: Lyons Bürgermeister Gregory Doucet verweist darauf, dass bereits die vorherige Stadtverwaltung zum Schutz vor dem Coronavirus im Frühjahr des Vorjahres auf fleischloses Essen umgestellt hatte – ganz ohne Proteststurm. Zudem handle es sich keinesfalls um vegetarische Speisen, da auch Fisch und Eier enthalten sein werden. Das sei auch die einzige Möglichkeiten eine Mahlzeit anzubieten, die kein Kind ausschließe.

Proteste gegen die Maßnahme sind allerdings bereits angekündigt. So soll es am kommenden Montag zu einer Demonstration von Landwirten vor dem Rathaus von Lyon kommen.

 

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