EU-Bürokraten wollen strenge Opium-Grenzwerte für Mohn

2020 wurden in Österreich fast 2.700 Tonnen Mohn geerntet. Diesen sollen die Landwirte künftig teuer auf Mohnopiate untersuchen lassen.

In Brüssel wurden neue Auflagen für den Verkauf von Mohn ausgearbeitet, mit enormem Aufwand für die Mohnbauern. Der EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber kämpft dagegen an. 

Die EU-Kommission plant ab 2022 strenge Grenzwerte für Morphin und Codein, damit in Mohnsamen und damit etwa in Backwaren mit Mohn keine Opiumalkaloide in berauschenden Mengen enthalten sind. Damit einhergehen soll auch eine Deklarationspflicht der Produzenten. Mohnbauern, die regionale Bäckereien beliefern oder ihren Mohn selbst Ab-Hof verkaufen, müssten diesen im Labor auf die Morphin- und Codeingehalte untersuchen lassen und diese auf ihren Produkten ausweisen.

„Die Diskussion über die Grenzwerte ist an sich nichts Schlechtes. Problematisch ist allerdings die Umsetzung, die alles andere als praxis-
tauglich ist“, warnt indes der österreichische Bauernbund-Abgeordnete. „Vor allem für kleinere Betriebe würde diese Regelung daher eine enorme Belastung bedeuten. Der Mehraufwand durch Kontrollen samt Informationsverpflichtung sei für kleine Familienbetriebe nicht tragbar; Ausnahmen für solche Betriebe seien nicht vorgesehen, so Bernhuber. 

Alex Bernhuber mit Waldviertler Mohnbauern Christina, Renate und Gerhard Kainz.

Auch Österreichs Mohnbau wäre davon massiv betroffen, darunter auch Familie Kainz aus Klein Zwettl im Waldviertel, die sich seit mehr als 30 Jahren dieser Sonderkultur widmen. So betrug im Jahr 2020 laut Angaben des Vereins Waldland die Anbaufläche der Ölfrucht genau 3.344 Hektar. Geerntet wurden hierzulande im vergangenen Jahr 2.675 Tonnen Mohn.

Einspruch im EU-Parlament

Bernhuber will daher einen Einspruch gegen den Rechtsakt der Kommission vorlegen. Dieser erfordert eine Mehrheit im Umweltausschuss sowie später im Plenum des EU-Parlaments. Trägt die Mehrheit der Abgeordneten Bernhubers Einspruch mit, muss die EU-Kommission ihren aktuellen Vorschlag zurückziehen und die Bedenken der Abgeordneten berücksichtigen. Der junge Bauernbündler: „Leider schießen die EU-Beamten der Kommission mit ihren unnötigen Regulierungen am Ziel vorbei. Ich hoffe, dass am Ende die Vernunft siegen wird.“ Immerhin habe es bei Mohn aus Österreich bisher noch nie Probleme mit zu hohen Morphin- und Codein-Grenzwerten gegeben. Vor allem in Asien, und Lateinamerika, in Afghanistan oder Kolumbien wird Schlafmohn in großem Stil zur Erzeugung von Opium und Heroin aus dem Saft der Kapseln produziert. Auch in Speisemohn sind Opiumalkaloide in geringen Spuren vorhanden. 

EFAS: Risiko als gering

Europas Behörde für Lebensmittelsicherheit, die EFSA in Parma, hat zuletzt vor drei Jahren auf Ersuchen der EU-Kommission ihre Risikobewertung von Opiumalkaloiden in Mohnsamen aktualisiert. Dabei wurden viele ihrer früheren Ergebnisse aus dem Jahr 2011 bestätigt, einschließlich der Menge dieser Substanzen, die unbedenklich verzehrt werden kann. Laut EFSA beträgt die unbedenkliche Aufnahmedosis bei Mohn 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht (1 μg = 1 millionstel Gramm). Allerdings waren in einigen Proben von Mohnsamen auf dem europäischen Markt die Codeinkonzentrationen wesentlich höher als jene von Morphin. 

Fazit: Die demnächst wieder kräftig rot-, weiß- und rosablühenden Mohnfelder im Waldviertel sind wohl eher „Opium fürs Auge“ der Menschen. Und die im September darauf geernteten Kapseln samt Samen, Letztere, weiterverarbeitet zu Strudeln oder Striezerln, selbst in größerer Menge genossen unbedenklich.

In Afghanistan werden vor allem aus dem Saft der Mohnkapseln Drogen gewonnen. Mohn aus heimischem Anbau ist dagegen unbedenklich.
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AUTORBernhard Weber
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