Mit der Angelobung der türkis-grünen Bundesregierung Mitte Jänner hat sich die Zusammensetzung des Nationalrates nochmals verändert. Sie brachte ein weiteres Mandat für den Bauernbund. Irene-Neumann Hartberger ist für Kanzler Sebastian Kurz nachgerückt. Mit der NÖ. Landesbäuerin ist der Bauernbund nun mit 18 Abgeordneten im Nationalrat (13 Männer, 5 Frauen)vertreten. Das sind so viele wie nie zuvor.
In der vorangegangenen Legislaturperiode waren 14 Bauernbündler im Parlament. Außerdem ist der Bauernbund nun mit zwei statt bisher einer Funktionärin in der Bundesregierung vertreten: Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.
Die Zusammensetzung der 183 Abgeordneten zum Nationalrat ist damit fix. Unter den 18 Bauernbündlern sind auch fünf „Neulinge“. Die BauernZeitung hat bei den fünf neuen Bauernbündlern nachgefragt: Welche Anliegen und Forderungen wollen Sie im Hohen Haus einbringen und welche Ziele haben Sie sich vorerst bis 2024 gesetzt?

  • Josef Hechenberger

    Quelle: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
    Josef Hechenberger

    Geboren 1974 in Reith im Alpbachtal (Tirol); Präsident der LK Tirol, Landwirt und Ortsparteiobmann der ÖVP Reith im Alpbachtal

“Gemeinsam mit meiner Frau Katharina betreibe ich in Reith im Alpbachtal einen Milchviehbetrieb mit 30 bis 35 Kühen samt Nachzucht. Unterstützt werden wir von zwei engagierten Helfern, die im Stall einspringen, wenn es terminlich bei mir eng wird. Außerdem betreiben wir „Urlaub am Bauernhof“. Wir haben vier Töchter und ich hoffe, dass eine von ihnen unseren Hof einmal weiterführen wird.
Die Tiroler Landwirtschaft ist sehr kleinstrukturiert, über 80 % der Betriebe werden im Nebenerwerb geführt. „Wachsen oder weichen“ ist für mich keine zukunftsfähige Strategie. Unser aller Ziel muss sein, durch Innovation und Spezialisierung mehrere Standbeine auf den Betrieben zu ermöglichen und so für ein gesichertes Einkommen zu sorgen. Im Dienstleistungsbereich gibt es da noch Luft nach oben.
Die Landwirtschaft ist eine der wichtigsten Branchen überhaupt. Aber wir Bäuerinnen und Bauern müssen uns tagtäglich für unsere Arbeit rechtfertigen. Das kann es nicht sein! Als Präsident der LK Tirol setze ich mich schon seit Jahren für die bessere Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft sowie die Herkunftskennzeichnung ein. Diese muss nun endlich zur Umsetzung kommen.”

  • Irene Neumann-Hartberger

Quelle: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Irene Neumann-Hartberger

Geboren 1974 in Wiener Neustadt (NÖ), NÖ. Landesbäuerin, Landwirtin und Mitglied im Bezirksparteivorstand der ÖVP Wiener Neustadt

“Mein Mann Joachim, unser jüngerer Sohn Johannes und ich bewirtschaften gemeinsam einen Grünlandbetrieb in 630 Metern Seehöhe mit Milchvieh- und Weidehaltung. Feldfutter und Silomais sind die Futtergrundlage unserer 80 Rinder.
In ihren Ansprüchen an einen attraktiven Lebensraum unterscheiden sich Bäuerinnen im ländlichen Raum nicht mehr vom Rest der Gesellschaft. Das heißt, dass wir genauso eine flexible Kinderbetreuung, gute Schulen, Infrastruktur und Nahversorgung benötigen. Ebenso bewegt uns besonders das Thema Pflege, da nachweislich am Land und vor allem auf den bäuerlichen Betrieben pflegebedürftige Angehörige noch im Familienverband versorgt werden. Hier braucht es ausreichend flexible Unterstützung durch Fachpersonal und ein leistbares Angebot an Pflegeplätzen. Bei der Herkunftskennzeichnung von verarbeiteten Lebensmittel ist mein Ziel, die verplichtende Kennzeichnung aller Hauptzutaten zu erreichen. Das wäre ein Meilenstein zur Stärkung der heimischen Produktion. Auch gehören mehr Frauen in politische Gremien und Lehrinhalte über Landwirtschaft und Lebensmittel in den Pflichtschulen verankert.” 

  • Carina Reiter

Quelle: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Carina Reiter

Geboren 1988 in Schwarzach im Pongau (Sbg); Arbeiterkammerrätin Salzburg, ÖVP-Gemeinderätin in Pfarrwerfen und Mitglied des Jungbauern-Bundespräsidiums

“Meine Eltern bewirtschaften einen Mutterkuhbetrieb im Nebenerwerb, somit durfte ich daheim bereits von klein auf mithelfen. Durch meine Tätigkeit in der Landjugend hat sich das Interesse an Agrarthemen weiter vertieft, was mich schließlich auch dazu bewogen hat, bei den Jungbauern aktiv zu werden.
Gleichzeitig bin ich Arbeitkammerrätin und möchte aufzeigen, dass wir keinen „Klassenkampf“, sondern mehr Miteinander brauchen. Für junge Landwirte sind Maßnahmen wie die Investitionsförderungen wichtig, hier braucht es Sicherheit, aber auch eine Vereinfachung. Auch die „Top-up“- Zahlungen für Junglandwirte sind ein gutes Instrument.
Unsere Regionen müssen lebenswert bleiben und gehören gestärkt, sei es im Bereich Infrastruktur und öffentlicher Verkehr, Digitalisierung, Wohnraum. Diese Liste kann man endlos fortsetzen. Für die Landwirtschaft brauchen wir klare administrierbare Rahmenbedingungen mit Hausverstand, um unseren Bäuerinnen und Bauern die notwendige Sicherheit für ihr Tun zu geben. Mir ist es wichtig, dass die Leute spüren, dass jemand da ist, dem ihre Anliegen wichtig sind. Das ist ein Anspruch, den ich an mich selbst stelle.” 

  • Johann Weber

Quelle: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Johann Weber

Geboren 1965 in Wolfsberg (Ktn.); Lehrer an einer Landwirtschaftlichen Fachschule, Bezirksparteiobmann der ÖVP Wolfsberg und Gemeinderat der Stadtgemeinde Wolfsberg

“Ich stamme aus der Landwirtschaft und habe immer im landwirtschaftlichen Bereich gearbeitet. Dies ist auch der Grund für meinen Weg in die Politik. Als Abgeordneter im Hohen Haus möchte ich der Landwirtschaft dienlich sein.
Als Fachschullehrer ist es mir wichtig, dass unser landwirtschaftliche Schulwesen eigenständig bleibt und nicht in das allgemeine Schulsystem eingegliedert wird. Nur so ist man flexibel und schnell, wenn man sich auf neue Herausforderungen vorbereiten muss. Unsere Landwirtschaftlichen Schulen sind grundsätzlich gut aufgestellt und vorbildlich. Die Kombination aus Theorie und Praxis muss hier weiter fortgeführt werden.
Als Abgeordneter möchte ich das landwirtschaftliche Schulwesen weiterhin stärken und wünsche mir, dass junge Menschen weiterhin gerne diese Schulen besuchen. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass die Landwirtschaft in der Gesellschaft die nötige Wertschätzung erfährt und wir stolze, motivierte Bäuerinnen und Bauern in unserem ländlichen Raum haben. Denn sie sorgen für die bekannten Bilder unserer Kulturlandschaft und sind auch die Garanten unserer Versorgung mit Lebensmitteln in höchster Qualität” 

  • Bettina Zopf

Quelle: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Bettina Zopf

Geboren 1974 in Gmunden (OÖ); Nebenerwerbslandwirtin, Mitglied des Gewerkschaftsbund-Vorstandes, Mitglied des Gemeindevorstandes Altmünster

“Mit meinem Mann und meinen zwei Töchtern bewirtschafte ich im Traunviertel einen Wald- und Grünlandbetrieb mit Pferden, Schweinen und Hühnern. Das Salzkammergut ist geprägt vom steilen Gelände und einer kleinstrukturierten Landwirtschaft. Immer mehr Touristen legen hohen Wert auf naturnahe Ferienerlebnisse in unserer Kulturlandschaft. Von diesem Trend können sowohl die Landwirtschaft als auch der Tourismus profitieren. Damit dies gelingt, ist es wichtig, ein harmonisches Miteinander zu schaffen. Landwirtschaftliche Produktion, Chancen für Nebenerwerbsbetriebe, Urlaub am Bauernhof und Tourismus müssen ineinandergreifen. Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass die Wertschöpfung, vor allem für die Bereiche Landschaftspflege und regionale Produkte, gegeben ist, um faire Einkommen für die Bauern zu erzielen.
Auch sollen die Menschen in unserem Land wieder mehr für sich selber verantwortlich sein dürfen. Am Ende dieser Legislaturperiode möchte ich sagen können, dass ich zu einer positiven Entwicklung des ländlichen Raums in Österreich beigetragen habe. Vor allem geht es mir darum, mit Gesetzesanpassungen die Eigenverantwortung zu stärken.”

 

 

- Bildquellen -

  • Abgeordnetenportrait Der 27. Gesetzgebungsperiode: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
  • Abgeordnetenportrait Der 27. Gesetzgebungsperiode: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
  • Abgeordnetenportrait Der 27. Gesetzgebungsperiode: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
  • Abgeordnetenportrait Der 27. Gesetzgebungsperiode: Parlamentsdirektion/Photo Simonis
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  • 8. Sitzung Des Nationalrates Regierungserklärung: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
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