BauernZeitung: Bis zum Ende der abgelaufenen Legislaturperiode sind Sie auf einem Landtagssessel gesessen. Nun der fliegende Wechsel auf die Regierungsbank. Wie kam es dazu?
Langer-Weninger: Es ist für mich sehr überraschend gekommen. Landeshauptmann Thomas Stelzer hat mich eine Woche vor der konstituierenden Landtagssitzung angerufen und gefragt, ob ich das Agrarressort übernehmen möchte.

Wann und warum haben Sie zugesagt?
Die Entscheidung ist rasch und mir auch leichtgefallen. Es ist wichtig, dass wir aus der Landwirtschaft heraus, bestmögliche Interessensvertretung auf Landesebene betreiben. Hier sehe ich eine große Chance, da wir nicht nur im Agrarressort weiter gestalten können, sondern mit Max Hiegelsberger jetzt auch den Landtagspräsidenten stellen. Das hat es seit Johanna Preinstorfer im Jahr 1979 nicht mehr gegeben.

Sie waren die vergangenen zwei Jahre Landwirtschaftkammer-Präsidentin in Oberösterreich. Wie lautet Ihre Bilanz?
Wir haben die Zeit basisdemokratisch angelegt. Es gab zwei Bezirkstouren, weil es mir wichtig war mit den Bäuerinnen und Bauern ins Gespräch zu kommen und zu erfahren welche Themen sie bewegen. Darauf basierend haben wir ein straffes Arbeitsprogramm erarbeitet. Ich hoffe, dass die Umsetzung auch von meinem Nachfolger Franz Waldenberger weiter vorangetrieben wird.

Inwiefern verändert sich jetzt Ihr Tun im Vergleich zum Amt als Landwirtschaftskammer-Präsidentin?
Das Tätigkeitsfeld ist größer und breiter und deckt die gesamten ländlichen Regionen sehr gut ab. Hier leistet die Land- und Forstwirtschaft einen großen Beitrag und hat daher auch einen Schwerpunkt.

In welcher Funktion sehen Sie mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Bauernschaft?
Jede Funktion hat ihren Gestaltungsbereich, aber in unterschiedlichen Positionen. In der Landwirtschaftskammer ist man in der ureigens­ten Interessensvertretung tätig. Als Agrarlandesrätin hat man mehr politische Themenfelder zu beackern.

Sie waren die erste Frau an der Spitze einer Landwirtschaftskammer und sind die erste Bauernbündlerin als Agrarlandesrätin – hat die Rolle als Vorreiterin eine Bedeutung für Sie?
Für mich selber hat es in der täglichen Arbeit nie einen großen Unterschied gemacht und ich habe auch nie einen erlebt. Mir war es immer wichtig sich mit den Themen sach- und lösungsorientiert auseinanderzusetzen – deshalb bin ich auch immer akzeptiert worden.

„Der Fokus liegt ganz klar auf dem Thema regionale Lebensmittel in öffentlichen Einrichtungen.“
michaela langer-weninger 

Kann man es als Zeichen für die Frauen bzw. Bäuerinnen verstehen?
Ich sehe es schon als wesentliches Zeichen für Frauen, wenn man sieht, dass sie solche Positionen angeboten bekommen und übernehmen können. Auf Sicht gesehen soll es auch in der Politik ein Abbild der Gesellschaft, sprich 50:50, geben.

Wie werden Sie Ihr Amt anlegen?
Genauso wie alle anderen Funktionen vorher bereits auch schon. Viel im Kontakt mit der Bevölkerung, sprich der Basis, sein. Denn dort bekommt man das Gespür für die Themen und Problemlagen und kann das nötige Geschick entwickeln, um Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Das ist letztendlich das was Politik auch ausmacht.

Welche Themen wollen Sie in Ihrer neuen Funktion angehen?
Die Landwirtschaft ist, vor allem in der Urpoduktion, in einem Schraubstock eingespannt. Einerseits steigen die Betriebsmittelkosten massiv an und andererseits bekommen wir entlang der Lebensmittel-Wertschöpfungskette nicht den Anteil den wir bräuchten, um ausreichend Einkommen zu erwirtschaften. Die Betriebe brauchen dementsprechende Rahmenbedingungen, sonst werden sie nicht weitergeführt.

Wie kann das gelingen? Der Lebensmittelhandel wird nicht freiwillig etwas von seinem Kuchenstück abgeben.
Hier werde ich ein sehr starkes Augenmerk auf Regionalität und Herkunftskennzeichnung legen. Nur wenn die Bauern produzieren können, die Lebensmittelhandwerker verarbeiten, der Handel die Produkte ins Regal legt und der Konsument sie kauft, können wir Wertschöpfung in die Region und auf die bäuerlichen Betriebe bringen. So wird einerseits Umwelt- und Klimaschutz betrieben und andererseits die Konjunktur unterstützt, da das Geld in der Region bleibt und Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden.

Agrarpolitik findet zu einem großen Teil auf europäischer- und Bundesebene statt. Wie kann die Landesregierung die Bäuerinnen und Bauern unterstützen?
Wir beschäftigen uns mit den Stellschrauben auf Landesebene. Darum liegt auch der starke Fokus im Regierungsprogramm auf dem Thema regi­onale Lebensmittel in den öffentlichen Einrichtungen. Oberösterreich ist in diesem Bereich bereits Vorreiter. Dennoch haben wir noch Luft nach oben, wenn ich beispielsweise an die Sozialhilfeverbände denke.

Sie übernehmen ja nicht nur den Agrarbereich, sondern auch die Gemeinden und die Feuerwehren. Welche Herausforderungen gilt es hier zu bewältigen?
Die Gemeinden sind für mich die kleinste Einheit nach den Familien, in denen Lebensqualität geschaffen wird. Die Bürgermeister und Gemeinderäte haben hier eine hohe Verantwortung, dass eine entsprechende Infrastruktur sowie ein Sozialleben vorhanden sind. Wir werden sie auf diesem Weg bestmöglich unterstützen.
Aber auch das Thema Ehrenamt ist wesentlich für die Gemeinschaft und das Zusammenleben insbesondere am Land. Es freut mich daher besonders, dass sich die Feuerwehren auch in meinem Ressort befinden. Sie leisten einerseits einen wichtigen Beitrag zum sozialen Miteinander und andererseits für die Sicherheit der Bevölkerung. Auch sie werden wir bestmöglich unterstützen, denn wer zu den Einsätzen fährt und sich dabei auch selber in mögliche Gefahrensituation begibt, braucht die beste Ausrüstung.

Welche Erfahrungen haben Sie selber auf kommunaler Ebene bzw. im Ehrenamt sammeln können?
Ich war seit 2009 Gemeinderätin und ab 2015 im Gemeindevorstand tätig. Diese Funktionen habe ich zurückgelegt, als ich Landwirtschaftskammer-Präsidentin geworden bin. Ich bin eigentlich immer im kommunalen Geschehen dabei gewesen, unter anderem auch ehrenamtlich als Ortsbäuerin.

Der Landesvorstand hat Sie auch als Nachfolgerin von Hiegelsberger als Bauernbund-Landesobfrau nominiert – welche Bedeutung hat diese Institution bzw. Funktion für Sie?
Der Bauernbund ist die Basis der Agrarpolitik und hat wesentliche Funktionen. Über die Funktionäre sind wir verankert bis in die Ortsgruppen und nahezu in jedem Bauernhaus. Dort werden die Themen diskutiert und notwendige Informationsschienen geboten – von der Orts-, über die Bezirksgruppen, hin auf Landesebene und auf gleicher Schiene wieder retour. Wenn wir diesen Austausch gut leben, bin ich überzeugt, dass die Themen, die notwendig sind, auch weiter vorangebracht werden können.

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