Dänemark: Schweinebestand aufgestockt, Exportstopp durch Corona-Mutation bei Nerzen

Schweinestau auch in Dänemark. Eine aktuelle Exportsperre nach China verschärft die Marktmisere.

Plus sechs Prozent beim Schweinebestand, minus 18 Prozent beim Preis. Nach Angaben des dänischen Dachverbandes der Agrar- und Ernährungswirtschaft (L&F) wurden in Dänemark am Stichtag 1. Oktober 2020 insgesamt 13,36 Millionen Schweine gehalten. Im Jahresabstand war das ein Plus von 6,1 Prozent. Laut einer Meldung der deutschen Agrarzeitung hat der dänische Schweinebestand bei der aktuellen Zählung damit das höchste Niveau seit dem Jahr 2007 in einem Herbst erreicht.

Aufstockung in allen Kategorien

Die Bestandsaufstockung betrifft alle Tierkategorien. Ferkel und Läufer liegen im Jahresabstand etwa fünf Prozent im Plus, Mastschweine gar um rund zehn Prozent und die Sauenherden um etwa vier Prozent. Im Anstieg bei den Jungsauen um etwa sieben Prozent sieht die Agrarzeitung eine Weichenstellung in Richtung “künftig höhere Ferkelerzeugung”.

Sieht man sich die Preisentwicklung an, dann dürften die Treiber der offensiven dänischen Bestandsausweitung vor allem die hohen Schweinepreise im ersten Halbjahr 2020 gewesen sein. Mit einem Basispreis von rund 14 Dänischen Kronen pro Kilogramm (DKK/kg), umgerechnet 1,87 Euro/kg im Februar und März bewegten sich die Erlöse auf einem Allzeithoch.

Rückstau und Preisabsturz

Im Zusammenwirken mit Corona- und ASP-Krise dürften aufgrund der Bestandsaufstockung nun dunkle Wolken auch über der dänischen Schweineproduktion aufziehen. Aufgrund der Corona-Krise konnte Dänemark im laufenden Jahr die Lebendausfuhr von Schweinen nicht mehr steigern. Diese war gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 um 0,4 Prozent rückläufig. Die Lieferung von Sauen zur Verarbeitung nach Deutschland ist eingebrochen, auch der Verkauf von Ferkeln läuft nicht mehr so flott. Aufgrund des Angebotsdrucks stiegen die dänischen Schlachtungen von Jänner bis September 2020 auf insgesamt fast 13 Millionen Schweine, im Jahresvergleich waren das etwa 3,4 Prozent mehr.
Besonders schmerzhaft dürfte der Preisabsturz sein. Danisch Crown, der maßgebliche Schlachtkonzern im Land, vermeldet per 6. November nur noch einen Basispreis von 9,8 DKK/kg (umgerechnet 1,32 Euro/kg), womit bald auch das tiefe Niveau des Jahres 2019 in Reichweite kommt.

Quelle: Rokas - stock.adobe.com
Blick in eine Nerzfarm. Aufgrund einer in dänischen Farmen aufgetretenen Corona-Mutation hat die Regierung angeordnet, den gesamten Bestand von rund 17 (!) Millionen Tieren zu keulen.

Corona-Mutation bei Nerzen, Exportstopp nach China

Zusätzliche gravierende Auswirkung auf den dänischen Schweinemarkt dürfte ein in diesen Tagen verhängter Exportstopp nach China haben. Begründet ist dieser Exportstopp mit Coronainfektionen in drei dänischen Schlachthöfen sein sowie durch eine in dänischen Nerzfarmen aufgetretene Mutation des Corona-Virus (eine auf den Menschen übertragbare “Cluster 5”-Mutation). Die dänische Regierung hat deshalb die Notschlachtung aller 15 bis 17 Millionen Nerze im Land angeordnet; Teile Jütlands wurden von der Außenwelt abgeriegelt. 
Laut der deutschen Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) versucht Dänemark nun, verstärkt Schweinefleisch nach Deutschland zu liefern, was die Preise generell weiter unter Druck setzt.
H.M.

- Bildquellen -

  • Nerzfarm Web: Rokas - stock.adobe.com
  • Schweinehaelften Web: agrarfoto.com
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