Auf einem Acker leben zahlreiche verschiedene Insekten. Circa 60 Prozent davon gelten als unbedeutsam für die Lebensmittelproduktion. Lediglich drei Prozent haben das Potenzial, sich zu Schädlingen zu entwickeln. Knapp 35 Prozent sind Nützlinge. Neben der Bestäubung von Pflanzen, fressen bzw. parasitieren sie einen bedeutenden Teil der Schädlinge, die Pflanzen im Wachstum schaden. So frisst beispielsweise ein Marienkäfer während seiner Entwicklung mehr als 600 Blattläuse. Genau das will sich Landwirt Nikolaus Stiebitzhofer aus St. Florian zu Nutze machen: „Im Abstand von 60 Metern werden Nützlingsstreifen in die Getreidefläche gebaut. Von dort aus können die Nützlinge die Schädlinge erreichen.“

Schädlingsdruck unter wirtschaftlicher Schadschwelle

Hauptschädlinge im Weizen sind Getreidehähnchen. Die Larven fressen vor allem am Fahnenblatt. Hier können Nützlinge wie Laufkäfer, Marienkäfer, Raubwanzen, Florfliegenlarven oder Erzwespen helfen. Letztere haben sich auf das Getreidehähnchen spezialisiert. Einer wissenschaftlichen Untersuchung nach können sie knapp die Hälfte der Hähnchen im Bestand ausschalten. „Der Schädlingsdruck kann so unter die wirtschaftliche Schadschwelle gedrückt werden – der Einsatz eines Insektizides wird somit hinfällig“, erklärte LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Um die Nützlinge bestmöglich zu fördern, empfiehlt sich die Kombination aus ein- und mehrjährigen Blüh-streifen in unmittelbarer Nähe. „Die verwendeten Saatgutmischungen sind mit den neuen ÖPUL-Richtlinien 2023 vereinbar“, betonte Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. Die speziell komponierten Saatgutmischungen bestehen ausschließlich aus regional zertifizierten Kräutern. „Wichtig ist, dass die Fläche mindestens ein- bis zweimal im Jahr gemäht und das Schnittgut getrocknet und abtransportiert wird“, erklärte Petra Haslgrübler, Leiterin des Bienenzentrums.

Die Nützlingsstreifen in den Blumenkornfeldern bringen dem Landwirt noch einen weiteren Vorteil: „Sie minimieren die Erosion auf den Feldern. Zudem werden umliegende Gewässer geschützt“, so Thomas Wallner, Leiter der Boden.Wasser.Schutz.Beratung.

50 Euro mehr pro Tonne Getreide

Durch die richtige Sortenwahl und einer ausgeklügelten Düngung kann die nötige Getreidequalität in der Region produziert werden. Der durch die Maßnahmen entstehende Mehraufwand wird den Landwirten abgegolten: „Für die Ernte 2020 wurden 50 Euro mehr pro Tonne Getreide bezahlt“, berichtete Franz Forstner von der gleichnamigen Mühle in St. Marien, wo der Rohstoff zu Mehl verarbeitet wird.

In der selben Ortschaft befindet sich die Bäckerei Reichl. Der Bäckermeister veredelt das Mehl zu Frühstückskipferl, Wachauer, Joghurtriegel, Kornsemmel und Roggenweckerl. „Die entwickelten Backwaren sind durch spezielle Verfahren wie Langzeitteigführung und Slow Baking bekömmlicher“, sagte Patrick Reichl.

Seit März sind die Blumenkorn-Produkte auch in den Standorten der Unimarkt Gruppe erhältlich. „Für uns ist es wichtig regionale Kulturen zu erhalten und unseren Kunden zu zeigen, wie gut Regionalität schmeckt“, betonte Geschäftsführer Andreas Haider.

Sichtlich angetan von dem Pilotprojekt, zeigte sich auch Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner: „Hier wird sichtbar, wie die Optimierung der regionalen Wertschöpfungskette aussehen kann.“

Für Hiegelsberger ist es genau diese Einbeziehung aller Partner entlang der Wertschöpfung bis hin zum Konsumenten, was diese Projekt ausmacht: „Die Weiterentwicklung unserer Lebensmittelproduktion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wie auch unser Strategieprozess Zukunft Landwirtschaft 2030 gezeigt hat.“

Zurzeit wird an der Erweiterung des Sortiments um Dinkeltoast, Dinkelbrot und Vinschgerl gearbeitet. Für die Zukunft sind noch Produkterweiterungen über Backwarenprodukte hinaus geplant, welche die Wertschöpfungskette erweitern. Bereits 2021 soll mittels Unterstützung durch das Land Oberösterreich ein Folgeprojekt eingereicht werden. „Hierfür wird bereits intensiv nach möglichen weiteren Partnern gesucht“, so Blumenkorn-Projektleiter Arnold Reiter.

Max Hiegelsberger, Franz Forstner (Mühle), Michaela Langer-Weninger, Andreas Haider (Unimarkt), Arnold Reiter (Projektleiter), Markus Achleitner, Patrick Reichl (Bäcker) und Nikolaus Stiebitzhofer (Landwirt)
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AUTORThomas Mursch-Edlmayr
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